Am 18. Februar 1906 wird die Dampffähre "Martinez" in der Bucht von San Francisco von einem Schiff unbekannter Herkunft gerammt. Einer der Überlebenden ist der Schriftsteller Humphrey van Weyden, der vom auslaufenden Robbenfänger "Ghost" an Bord genommen wird. Der Kapitän Wolf Larsen - wegen seiner Härte "Seewolf" genannt - behält den Geretteten kurzerhand an Bord und teilt ihn zum Kajütendienst ein. Weyden ist einer Kette von Demütigungen ausgesetzt. Rohheit und Gewalt herrschen auf dem Schiff. Aber der Kapitän hat auch eine andere Seite: Er liest. Unter seinen Büchern findet Weyden ein altes abgegriffenes Lexikon. Langsam dämmert es ihm, dass er den Kapitän kennt. Aber in den Augen des anderen zeigt sich kein Zeichen des Wiedererkennens. Sie bleiben wie zwei Fremde, die sich an Bord zum ersten Mal begegnen. Aber eine Art geistiger Vertrautheit verbindet sie, die Weyden dazu verführt, in der Seele des anderen zu wühlen, bis dieser ihn niederschlägt ...

Regisseur Wolfgang Staudte ("Die Mörder sind unter uns", "Der Untertan") drehte den vierteiligen Abenteuerfilm nach mehreren Vorlagen aus der Feder Jack Londons. Bei seiner Erstausstrahlung 1971 brach der Film alle Zuschauerrekorde und machte den Hauptdarsteller Raimund Harmstorf über Nacht berühmt und zum Inbegriff des Abenteurers. Legendär ist besonders die Szene, in der Harmstorf eine angeblich rohe Kartoffel zerquetscht - sie war natürlich gekocht. Dem 1940 in Hamburg geborenen Charakterdarsteller Harmstorf brachte die Rolle allerdings kein dauerhaftes Glück, zwar spielte er noch die vielbeachtete Hauptrolle in dem Mehrteiler "Michael Strogoff" (1975), doch die weiteren Rollen blieben zweit- und drittklassig. Der an Parkinson leidende und in Folge der Medikamente zunehmend depressive Harmstorf erhängte sich am 3. Mai 1998 auf seinem Bauernhof in Marktoberdorf. Am Vortag war in der "Bild"-Zeitung ein Artikel mit dem Titel "Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie" erschienen, den er sich nach Aussagen seiner damaligen Lebensgefährtin sehr zu Herzen genommen haben soll.

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