Der Exilrusse Hermann befindet sich in der Midlife-Crisis. Seine Frau, die er ohnehin für schwachsinnig hält, hat sich einen Liebhaber genommen, seine Schokoladenfabrik steht vor dem Bankrott, und der Nationalsozialismus ist im Vormarsch. Eine Veränderung muss her, egal wie absurd und skurril diese sein mag. Hermanns zündende Idee: eine fremde Identität annehmen. Er überredet den Landstreicher Felix sein Leben mit ihm zu tauschen und hofft, dass die Ähnlichkeit zwischen ihnen so groß ist, dass der Betrug nicht auffliegt. Um seine Existenz gänzlich auszulöschen, erschießt Hermann sich in Gestalt des anderen, um in der Rolle des Vagabunden neu anzufangen. Bis ins kleinste Detail hat er sein perfektes Verbrechen geplant – seine Neugeburt, seine Reise ins Licht ...

Diese Verfilmung einer Novelle von Vladimir Nabokov ("Lolita") in der Drehbuchfassung von Tom Stoppard war bis dahin der teuerste Film des deutschen Ausnahmeregisseurs Rainer Werner Fassbinder. Dirk Bogarde gibt gekonnt die Hauptfigur, die zwischen Traum, Wirklichkeit und Wahnsinn hin und her gerissen ist, ebenso überzeugend agiert Andréa Ferréol als dessen nymphomanisch veranlagte Ehefrau. Das verrückte wie tragische Drama - eines der unbekannteren Werke Fassbinders - war zwar in den Kinos kein großer Erfolg, erhielt jedoch jeweils einen Deutschen Filmpreis für Kamera, Ausstattung und Regie. Hauptdarsteller Bogarde zog sich nach dieser Rolle aus dem Kinogeschäft zurück und beschränkte seine Auftritte danach auf französische und britische TV-Produktionen.

Foto: EuroVideo