Andréa Ferréol

Wohl bekomm's! Andréa Ferréol in "Das große Fressen" Vergrößern
Wohl bekomm's! Andréa Ferréol in "Das große Fressen"
Andréa Ferréol
Geboren: 06.01.1947 in Aix-en-Provence, Frankreich

Die kleine, runde, sinnliche Lehrerin aus Marco Ferreris "Das große Fressen" erntete Weltruhm, doch für die Schauspielerin Andréa Ferréol war das schon eine harte Sache, musste sie doch ganze 20 Kilo zunehmen! Andréa Ferréol spielt solche Rollen immer wieder, doch nie lässt sie sich auf spekulative Oberflächlichkeit ein. Sie spielt ironisch lasziv mit Körperlichkeit und Eros: neben Romy Schneider und Michel Piccoli in Francis Girods "Trio Infernal" (1974), als Dienstmagd des neofaschistischen Grafen in Sergio Bazzinis "Donna é belle" (1974) - bei uns im Kino unter dem spekulativen Titel "Das nimmersatte Weib" gelaufen - oder in Peter Greenaways "Ein Z und zwei Nullen" (1985).

In Frankreich war sie längst ein Star der Bühne, als sie im Kino bekannt wurde. Bei den Festspielen von Avignon und Orange hat sie in "Cyrano de Bergerac" und "Die Kaktusblüte" gespielt, am Studio auf den Champs Elyssees war sie vor allem in Arrabals "La loi de Barabbas" zu sehen, und am Theatre National Populaire spielte sie die Prinzessin "Turandot" von Bertolt Brecht. Sechzehn Liliputaner waren ihre Partner, und der rumänische Regisseur Lucien Pintilie nannte diese ungewöhnliche Frau ein "erotisches Superweib". Zum deutschen Kino - oder besser zu deutschen Regisseuren - hat sie ein besonders gutes Verhältnis. Sie spielte in Werner Schroeters "Goldflöckchen" (1976), in Rainer Werner Fassbinders "Despair - Eine Reise ins Licht" (1977) und in Volker Schlöndorffs "Die Blechtrommel" (1979). Aber diese Auswahl zeigt auch, dass für sie Qualität und Kunst wichtig sind, denn nach "Das große Fressen" waren auch aus Deutschland ganz andere, weniger zweifelsfreie Angebote gekommen.

Geboren in Aix-en-Provence, nimmt sie Schauspielunterricht bei Jean-Laurent Cochet und Antoine Bourseiller. Das ist nicht gerade einfach, denn die Eltern sind strikt dagegen. Dabei wollte sie eigentlich Opernsängerin werden! Dennoch, Andréa setzt sich durch und geht an die Akademie der Schönen Künste nach Paris. Nach der Bühnen- und Fernseharbeit debütiert sie 1972 im Film. José Giovanni ist der Regisseur des Film "Der Mann aus Marseille" (1972). Unter der Regie des Ungarn László Szabó entsteht der Film "Les gants blancs du diable" (1972), ein Jahr später spielt sie bei Gérard Pirès "Durch Paris mit Ach und Krach" und unter der Regie von Fred Zinnemann in "Der Schakal".

Sie spielt neben allen großen Stars und bei den wichtigen Regisseuren: in Nikos Perakis' "Milo, Milo" und Robert Enricos "Giganten der Landstraße" (beide 1979), in François Truffauts "Die letzte Metro" (1980) neben Catherine Deneuve und Gérard Dépardieu, in Francesco Rosis "Drei Brüder" (1980), Ettore Scolas "Flucht nach Verennes" (1982), Liliana Cavanis "Franziskus" (1988/89) mit Mickey Rourke, in Samuel Fullers "Reise ohne Wiederkehr" (1989), in Jean Curtelins "Ein Tag in Paris" (1986), als Partnerin von Vittorio Gassman in Franco Brusattis "Mein lüsterner Onkel" (1989), in "Die wahre Geschichte von Männern und Frauen" (1991), in Daniel Schmids "Zwischensaison" (1992), in Eddy Matalons "Sweet Killing" (1993) und in Agnès Vardas "Hundert und eine Nacht" (1994).

Weitere Filme mit Andréa Ferréol: "Das Phantom der Oper" (1990), "Des Kaisers neue Kleider" (1993), "El Chicko", "Le montreur de boxe" (beide 1995), "Ich bin verrückt nach Iris Blond" (1996), "Ruf der Berge" (1998), "Le conte du ventre plein" (2000), "Les Cordier, juge et flic: Mensonges et vérités" (2001), "La parenthèse interdite" (2004), "Das Geheimnis eines Kindes", "La femme coquelicot", "Ricomincio da me" (Serie, alle 2005), "Perds pas la boule!", "Tombé du ciel" (Serie, beide 2006), "Ma vie n'est pas une comédie romantique" (2007), "Ça se soigne?", "Io ti assolvo", "Le nouveau monde" (alle 2008).


Zur Filmografie von Andréa Ferréol
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