Seit sieben Jahren führt Cosmo Vitelli in Los Angeles das Crazy Horse West, ein Stripteaselokal, das ihm gar nicht gehört. Jeden Monat muß er seine Raten an mafiose Geldhaie zurückzahlen. Aber Cosmo braucht den Thrill und dieses Leben "auf Messers Schneide". Als er die letzte Rate abbezahlt hat, bricht Cosmo mit seiner Limousine zu einem Spielclub auf, ausgestattet mit allem, was den Sunset Strip-Unternehmer ausmacht: einer Flasche Dom Perignon, Orchideen und drei Tänzerinnen. Mit wenig Stil, aber völlig mühelos verspielt Cosmo sein ganzes Geld und macht neue Schulden. Dieses Mal machen seine "Geldgeber" Druck. Cosmo soll seine Spielschulden begleichen, indem er eine Unterweltgröße erledigt - von den Mafiosi mit viel Untertreibung ein "chinesischer Buchmacher" genannt. Cosmo lehnt zunächst ab, führt den Auftrag dann aber erfolgreich aus. Für die Mafia das Signal, ihn zu eliminieren. Einem Showdown entkommt Cosmo mit einer Kugel im Bauch. Den Schmerz unterdrückend, schleppt er sich in seinen geliebten Club, wo er die Moral der Truppe mit ein paar flotten Sprüchen hebt und selbst die letzte Nummer des Abends ankündigt. Draußen vor der Tür wartet er dann das Ende ab ...

"Mord an einem chinesischen Buchmacher" war nach "Ehemänner" (1970) die zweite Zusammenarbeit von John Cassavetes mit Ben Gazzarra, der hier in einer seiner größten Rollen zu sehen ist. Ein film noir im Dämmerlicht, kontemplativ, wo Cassavetes ein quasi menschenleeres L.A. in Szene setzt, in dem durchgeknallte Killer umherstreifen. Cosmo Vitellis Geschichte ist die eines Selfmademanns nach guter amerikanischer Manier, der verzweifelt und vergeblich versucht, sein Unternehmen am Laufen zu halten. Sein Credo, das er bis zum letzten Atemzug vorlebt: "The Show must go on". Von daher wurde die Figur des Cosmo Vitelli von Kritikern immer auch als Selbstporträt Cassavetes' interpretiert: Der Filmemacher als Handwerker, der von seinem Wunsch nach Unabhängigkeit getrieben wird, unter den gierigen Augen der Geldmächtigen. "Cosmo unterzeichnet einen Wechsel und erkennt damit seine Schulden gegenüber den Mafiosi an. Diese Unterschrift ist der unfehlbare Beweis seiner Entfremdung. Es ist die ungeschminkte Metapher des Hollywood-Vertrags, mit seinen drakonischen Klauseln, die unmöglich einzuhalten sind. Die Mafia, das ist Hollywood, und umgekehrt." (Thierry Jousse, Cahiers du Cinéma).

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