Das Containerlager ist Durchgangsstation für viele, die im Westen leben wollen. So auch für Elfie und ihre Mutter. Drüben war die Mutter Friseurin, jetzt ist sie arbeitslos. Die neue Situation ist nicht gerade Elfies Traum vom Westen. Sie sehnt sich nach Geborgenheit und einem Heim. Doch ohne Geld gibt es keine Wohnung; es fehlen ein paar tausend Mark für eine Kaution. Elfie will das Geld beschaffen, egal wie. Der junger Ganove Darius schleppt sie mit auf seinen Streifzügen. Elfie bewundert ihn für seine Tricks, entzieht sich ihm aber, als er versucht, sich ihr zu nähern. Elfie bekommt auf krummen Wegen die 3000 Mark für die Kaution zusammen. Mit dem Geld kann ihre Mutter endlich das Lager verlassen ...

Michael Klier ("Heidi M.") zeichnet ein Bild der Jugendlichen ohne Sentimentalität. Atmosphärische Bilder und einfache Konstellationen erzählen von Veränderungen in Deutschland, die das Jahr Null nach dem Fall der Mauer mit sich bringt. Der neorealistische Film erinnert an Roberto Rossellinis Nachkriegsdrama "Deutschland im Jahre Null". Für Michael Klier ist der Titel "Ostkreuz" - der Name einer trostlosen S-Bahnstation, an der sich drei Schienenstränge kreuzen - Sinnbild für die Großstadt-Tristesse, die er in seinem Film ausdrückt. Michael Klier, geboren 1943 in Karlsbad, lebte einige Jahre in Paris. Dort arbeitete er als Regieassistent von Francois Truffaut mit an "Die süße Haut" (1964). Nach seinem Umzug nach Berlin 1969 studierte er Geschichte und Philosophie. Klier machte Kurzfilme und Filmporträts von Rossellini, Straub, Truffaut und Losey und über die Kameraleute von Godard. Eine Zeit lang war er auch Profi-Fußballer. Die Musik zu diesem Film stammt übrigens von Experimental-Musiker Fred Frith ("Step Across the Border").

Foto: ZDF