Während eines Familienstreits erschießt der junge Richie Beacon seinen Vater. Später gibt die Mutter zu Protokoll, ihr neunjähriger Junge sei nach der Erschießung ihres Mannes zum Fenster hinausgeflogen und engelsgleich in den Himmel aufgestiegen. Dagegen muss John Broom, weil er das Stehlen einfach nicht lassen kann, mit 31 Jahren in den Knast und verliebt sich dort in seinen Zellengenossen. Und der Wissenschaftler Tom Graves beschäftigt sich mit der Erforschung des menschlichen Sexualtriebs. Als ihm bei seinen Studien der Durchbruch gelingt, wird er mit einem Serum kontaminiert. Mit einem Kuss gibt er die Krankheit weiter und löst unwillentlich eine Epidemie aus.

Todd Haynes, bekannt geworden durch die Glam-Rock Hommage "Velvet Goldmine" (1998) und den Episodenfilm "I'm Not There" (2007) über Bob Dylan, gab 1990 mit "Poison" sein Spielfilmdebüt. In drei parallel erzählten Episoden verdichtet Haynes die Beziehung zwischen Eros und dem Todestrieb Thanatos zu einem Filmpoem, das einem fiebrigen Traum gleicht, in dem filmische Realität und Fiktion verschmelzen. Das Resultat ist ein teilweise wilder Mix verschiedener Gattungen, Genres und Stile. Die mörderische erste Episode inszeniert Haynes als Fake-Dokumentation. Die kühl stilisierte, homoerotische Innenwelt einer Männergesellschaft hinter Gittern, in die der Dieb der zweiten Episode hineingerät, erinnert dann nicht zufällig an Jean Genets einzigen Film "Un chant d'amour" (1950). Denn "Poison" ist maßgeblich von den Romanen "Notre-Dame-des-Fleurs", "Tagebuch eines Diebes" und "Wunder der Rose" inspiriert und gibt sich ästhetisch als Hommage an den großen Literaten Jean Genet zu erkennen. "Poison" wurde von der Kritik gefeiert und beim Sundance Festival 1991 mit dem Großen Preis der Jury und im selben Jahr auf der Berlinale mit dem Teddy Adward ausgezeichnet.

Foto: ZDF/Barry Ellsworth