Welches Gedicht lieben Sie zu Weihnachten besonders? Die Resonanz der prisma-Leser auf unsere Frage war überwältigend.

Ob traditionell oder selbst verfasst – zahlreiche prisma-Leser haben uns an ihren Lieblingswerken teilhaben lassen. Der große Zuspruch zeigt, wie sehr die Freude an Gedichten nach wie vor verbreitet ist. Wir danken allen Dichtern und Einsendern und wünschen viel Vergnügen mit unserer kleinen Auswahl! 

Weihachten

Weihnachten ist der Himmel ganz nah.
Das Herz erfüllt mit Heiterkeit.
Auf einmal ist er wieder da
der Gedanke an die Kinderzeit.
Höre klingen dieses Glöcklein fein,
steh staunend vor dem Tannenbaum.
Verzaubert von dem Lichterschein
seh ich wieder meinen Kindheitstraum.

Kann plötzlich all die Träume sehen,
lebendig und so wunderbar,
seh die Eltern vor mir stehen
spür wie sie mir streicheln übers Haar.

Was einst mein Kinderherz erfreute
kehrt stets an Weihnachten zurück.
Eingepackt hat man mir heute:
Liebe, Freude und ein Päckchen Glück.

von prisma-Leser Heinz Strehl aus Bad Honnef

 

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

von Rainer Maria Rilk;, Lieblingsgedicht von Chris Kreis aus Unna

 

Christkind ist da

Christkind ist da, 
sangen die Engel im Kreise
über der Krippe immerzu.
Der Esel sagte leise I – a
und der Ochse seine Muh.
Der Herr der Welten
liess alles gelten.
Es dürfen auch nahen
ich und du.

von Josef Guggenmos; Lieblingsgedicht von Mechthild Kulke aus Warendorf

 

Christbaum

Hörst auch du die leisen Stimmen
aus den bunten Kerzlein dringen?
Die vergessenen Gebete
aus den Tannenzweiglein singen?
Hörst auch du das schüchternfrohe,
helle Kinderlachen klingen?
Schaust auch du den stillen Engel
mit den reinen, weißen Schwingen?
Schaust auch du dich selber wieder
fern und fremd nur wie im Traume?
Grüßt auch dich mit Märchenaugen
deine Kindheit aus dem Baume?

von Ada Christen; Lieblingsgedicht von Gudrun Gödert aus Urbar

 

Bald ist Weihnacht                        

Bald ist Weihnacht, oh je, und noch keine Geschenke.
Bald ist Weihnacht, ich hab Stress, dass ich alles bedenke.
Bald ist Weihnacht und es gibt noch so vieles zu tun.
Bald ist Weihnacht, ich hab gar keine Zeit um mal auszuruhn.
Bald ist Weihnacht, der Hausputz vorm Fest braucht viel Zeit.
Bald ist Weihnacht, wo bleiben Vorfreude und Besinnlichkeit?

Jetzt ist Weihnacht, ich habe wieder alles geschafft.
Jetzt ist Weihnacht, doch ich bin am Ende meiner Kraft.
Jetzt ist Weihnacht, zum Krippenspiel, da will ich hin.
Jetzt ist Weihnacht, wenn ich bei dem Jesuskind bin.
Jetzt ist Weihnacht, zur Ruhe kommt mein hektisches Leben.
Jetzt ist Weihnacht, ich will anderen Liebe weitergeben.
Jetzt ist Weihnacht und das Wunder der Heiligen Nacht
hat mein rastloses Wesen still und dankbar gemacht.

Vorbei ist Weihnacht, wir hatten wie immer Trubel im Haus.
Vorbei ist Weihnacht, nun ruhen wir uns erst einmal aus.
Vorbei ist Weihnacht, wie stets liegt im Kühlschrank noch ein großer Rest.
Vorbei ist Weihnacht und dabei wollten wir weniger essen nach dem Fest!
Vorbei ist Weihnacht, fest steht, ich lass mich nie wieder vorher so stressen!
Vorbei ist Weihnacht, doch bis zum nächsten Fest habe ich diesen Vorsatz
wie in all den Jahren bisher sicher wieder vergessen.

von prisma-Leserin Sigrid Thiemer aus Königshain-Wiederau

 

Das Licht am Kranz

Das Licht am Kranz kann nicht die Nacht erhellen,
doch soll es dir und mir ein Zeichen sein!
Es strahlt uns Gottes Glanz aus Finsternissen
und bricht in unsre dunklen Herzen ein.

Das erste Licht will uns zur Freude rufen,
so freuet euch im Herren allezeit!
Wie es die Hirten auf dem Felde hörten:
Gott selber tritt in unsre Dunkelheit.

Das zweite Licht verheißt uns Gottes Güte,
Gott teilt uns reichlich seine Liebe aus.
So tragt die Frohe Botschaft freudig weiter
und ruft sie in die dunkle Welt hinaus.

Das dritte Licht sagt tröstend: Bringt die Sorgen
mit Danken und mit Flehn vor euren Herrn!
Er wird euch helfen, seht, er ist uns nahe,
denn auch für uns erschien der Weihnachtsstern!

Das vierte Licht verkündet Gottes Frieden,
er zieht auch diese Weihnacht bei uns ein,
dass wir in unsern Ängsten ihm vertrauen
und tröstlich spüren: Wir sind nicht allein.

Barbara Cratzius; Lieblingsgedicht von prisma-Leser Klaus Jovi aus Grevenbroich

 

Die weiße Pracht

Die weiße Pracht, sie hüllt uns ein,
frei schaufeln müssen wir uns ganz allein.
Der Schnee ist schön, der Schnee ist gut,
aber nur wenn man urlauben tut.

Die Bäume stöhnen unter dieser Last,
wir hoffen es bricht nicht ab ein Ast.
Die Katze geht im Schnee ganz unter,
hoffentlich wird sie in der Stube wieder munter.

Die Meisenknödel sind besetzt,
weil der große Hunger die armen Vögel hetzt.
Der Winterdienst stets im Einsatz ist,
obwohl der Autofahrer ihn ab und an vermisst.

Allerorts können sie nicht immer sein,
doch der Schnee fällt überall hinein.
Die Kinder rote Bäckchen kriegen,
weil die Schneebälle nur so fliegen.

Ski und Rodel dies ist gut,
erfordern aber ein wenig Mut.
Man saust geschwind den Berg hinunter,
und fällt dabei auch einmal runter.

Ski und Rodel machen Freude,
und beglücken junge sowie alte Leute.
Drum genießt den Winter jetzt,
eh die Sonne jäh ein Ende setzt...

von prisma-Leserin Rosemarie Tittes aus Zwickau

 

Weihnachtsbotschaft

Schaugst ins Fernsehn, konn's di' frostn:
Dog für Dog und Nacht für Nacht;
glei' do drunt im Nahen Osten
werdn a Dutzend Leut' um'bracht!

In Afghanistan werd gschossn,                     
im Irak werd aa koa Ruah!                             
Liest' de Zeitung, werst verdrossen:                         
An de Fronten geht's schlimm zua!                            

D'Engl hamms ja laut gnua' g'sunga
Frieden soll sei' – auf da Wejt
Doch – de Botschaft is mißlunga:
Kämpfn doan's – um Macht und Gejd!

von prisma-Leser Paul Uhl aus Passau

Lasst uns froh und munter sein!

Lasst uns froh und munter sein!
Vater macht den Christbaum ein.
Doch die Mutter denkt: Wie schade,
der ist wieder mal nicht gerade.

Lasst uns froh und munter sein!
Schon kommen die Kinder rein.
Viele Päckchen gibt es wieder,
aber keine Weihnachtslieder.

Lasst uns froh und munter sein!
Mutter trägt das Essen rein.
Nur dem Vater schmeckt es nicht,
denn er kämpft mit dem Gewicht.

Lasst uns froh und munter sein!
Heute gibt es Schnaps und Wein.
Selbst die Oma ist betrunken –
ach, wie tief sind wir gesunken!

von prisma-Leserin Christa Renker aus Koblenz