Marcel Carné

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Ein Meisterregisseur: Marcel Carné
Albert Cranche
Geboren: 18.08.1909 in Paris, Frankreich
Gestorben: 31.10.1996 in Clamart, Hauts-de-Seine, Île-de-France, Frankreich

Sein Geburtsdatum blieb wie das großer Diven lange Zeit im Dunkeln. Noch vor einigen Jahren ließ er sich ohne Widerspruch zum 90. Geburtstag gratulieren, obwohl manche Quellen das Jahr 1909, die meisten aber irrtümlicherweise das Jahr 1903 als sein Geburtsjahr bezeichnen. 1996 ist Marcel Carné, der Regisseur des Jahrhundertwerks "Kinder des Olymp", der "Erfinder" des poetischen Realismus, nach einem unendlich erfüllten Leben im Alter von 87 Jahren gestorben.

Carné war ein streitbarer Mensch und noch im Jahre 1989, als er zu einer Dreißiger-Jahre-Retrospektive nach Baden-Baden kam, sagte er in einem vom Fernsehen übertragenen Gespräch, dass die Nouvelle Vague der Sechzigerjahre das Kino umgebracht habe. Ebenfalls 1989 wurde er beim Internationalen Filmfestival in Tokio für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Bereits 1971 wurde Carné in Venedig gemeinsam mit Ingmar Bergman und John Ford für sein Lebenswerk ausgezeichnet, 1979 erhielt er einen Ehren-César, 1995 den Europäischen Filmpreis Felix für sein Gesamtwerk.

Marcel Carné wird am 18. August 1909 in Paris geboren. Sein Vater, ein Schreiner, wünscht, dass sein Sohn Versicherungsvertreter wird, doch der interessiert sich mehr für die Produktion von Filmen. Nach einer Ausbildung als Photograph und Kameratechniker beginnt er in den Studios der Tobis-Regina als Kameraassistent, wendet sich aber zur gleichen Zeit dem Journalismus zu. Für einige Jahre gilt Carné als angesehener Filmkritiker. 1929 dreht er selbst den kurzen Dokumentarfilm "Eldorado von Morgen". Der eigenwillige Stil und die poetische Schönheit machen Jacques Feyder und René Clair auf den jungen Mann aufmerksam, bei beiden ist er sieben Jahre lang Regieassistent. So bei Feyders "Klugen Frauen von Flandern" und bei allen Clair-Filmen jener Jahre seit "Unter den Dächern von Paris" (1929). Feyder und seine Frau Francoise Rosay bringen den Begabten mit Jacques Prévert zusammen und damit beginnt eine kreative Freundschaft, die das französische Kino der Dreißiger- und Vierzigerjahre wesentlich prägt.

Prévert schreibt das Buch zu Carnés Regiedebütfilm "Jenny" (1936), Barrault und Rosay spielen die Hauptrollen. Die Presse ist begeistert, das Publikum nicht, doch mit dem zweiten Film kommt der Durchbruch: "Drôle de Drame - Ein sonderbarer Fall", eine boshaft-freche, ironisch-augenzwinkernde Satire auf Dreigroschenschriftsteller, Dienstbotengerüchte und Kriminalstories. Für die Franzosen ist "Drôle de Drame", was für die Briten "Ladykillers" und die Amerikaner "Arsen und Spitzenhäubchen" bedeutet. Ein Jahr nach diesem Erfolg beginnt die Epoche des poetischen Realismus, geprägt von Jean Vigo, Marcel Carné und Jacques Prévert. Die Carné-Trilogie "Hafen im Nebel" (1938), "Hôtel du Nord" (1938) und "Der Tag bricht an" (1939) ist das epochale Filmwerk der Dreißiger, neben "Pépé le Moko - Im Dunkel von Algier" von Duvivier.

Das Ende des poetischen Realismus und des französischen Leinwandrealismus fällt vorläufig mit der deutschen Besetzung Frankreichs zusammen. Trotzdem führt diese Zeit grotesker Weise noch einmal zu künstlerischem Aufschwung, denn das Verbot englischer und amerikanischer Filme fördert die nationale Produktion enorm. Es entstehen die Filme "Nacht mit dem Teufel" (1942) und "Kinder des Olymp" (1943). Das Thema des ersten Films hat Prévert einer alten Sage entnommen und zahlreiche Filmhistoriker bezeichenen ihn als heimlichen Resistence-Film, denn es geht um den allegorischen Niedergang Frankreichs. Die Satansboten werden von der Liebe besiegt: Der Teufel verwandelt die Liebenden in Stein, doch ihre Herzen schlagen weiter. "Kinder des Olymp" schließlich eines der schönsten Kinoepen über das Theater gilt als Carnés schönster Film und bleibt das größte Werk des Regisseurs. Er drehte weiter, darunter eine Reihe beeindruckender Filme wie etwa "Pforten der Nacht" (1946), doch den wirklichen Anschluss an die Zeit fand er nie wieder.

1949 entsteht "Marie vom Hafen", eine Dreiecksgeschichte mit Jean Gabin und Nicole Courcel. In den frühen Fünfzigerjahren scheint Carnés Karriere auf dem absteigenden Ast zu sein, die Nouvelle Vague zieht bereits am Horizont auf. Carné versucht sich an der Verfilmung des Emile-Zola-Romans "Thérèse Raquin - du sollst nicht ehebrechen". Simone Signoret spielt die gelangweilte Hausfrau Thérèse, die das Leben mit ihrem bürgerlichem Ehemann als unerträglich empfindet und von einem romantischem Lebenpartner träumt.

1960 widmet sich Carné in "Gefährliches Pflaster" wieder den Gangsterfilmen. Claude Renoir schrieb die Geschichte um die Gang von kleinen Dieben, die aus Profitgier einen zu großen Auftrag annehmen, und daran zugrunde gehen. Carné hört nicht auf, an Projekten zu arbeiten, so entstehen in den folgenden Jahren "Drei Zimmer in Manhattan" (1965), "Wie junge Wölfe" (1968) oder "Mörder nach Vorschrift" (1971). Doch spätestens 1977 nach seinem letzten Streifen "Die Bibel" muss der Altregisseur aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit aufgeben.


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