Mit "W.E." zeigt Madonna eindrucksvoll, wo ihre Kernkompetenzen liegen – definitiv nicht beim Film.

Für ihre Willensstärke muss man Madonna schon bewundern: So oft der Sängerin auch nahegelegt wurde, ihre Filmkarriere an den Nagel zu hängen, Madonna gibt nicht klein bei. Allerdings hat sich die Queen of Pop von der Schauspielerei mittlerweile auf das Regieführen verlegt – ein Weg, der sich ebenfalls als eine Sackgasse zu entpuppen droht: Nachdem Madonnas Erstling "Filth and Wisdom" 2008 von der Kritik zerrissen wurde, gibt es auch über ihr Historiendrama "W.E." nicht viel Nettes zu sagen. Das Erste zeigt ihr enttäuschendes Werk zu später Stunde in einer Free-TV-Premiere.

Die titelgebenden Initialen stehen für Wallis Simpson (Andrea Riseborough), eine zweifach geschiedene Amerikanerin, und König Edward VIII. von Großbritannien (James D'Arcy), der 1936 abdankte, um besagte Dame gegen den Willen des Parlaments ehelichen zu können. Fraglos einer der größeren Skandale im Rahmen der britischen Monarchie.

"The King's Speech" rief die Episode bereits vor einiger Zeit ins Gedächtnis: Edwards stotternder Bruder, für dessen Darstellung Colin Firth 2011 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ging aus dieser Affäre als König Georg VI. hervor. Randfiguren waren Wallis und Edward in Tom Hoopers Kassenschlager, und keine besonders sympathischen. Madonna kehrt den Spieß nun um, degradiert den Stotterer zum Weichei und dessen Frau zur Schlange.

Aber damit erhalten die Eltern von Queen Elizabeth II. in "W.E." zumindest mehr Profil als Edward VIII. Denn Madonna gesteht ihm kaum mehr zu, als der Mann zu sein, durch den Wallis berühmt wird. Die Amerikanerin erobert den Prinzen vor seiner Thronbesteigung so zielstrebig, dass es mehr nach Berechnung als nach großer Liebe aussieht.

Dass ihn diese schlagfertige Frau reizt, lässt sich nachvollziehen, wird sie doch von Andrea Riseborough mit großer Klasse gespielt und von Madonna zum Rockstar ihrer Zeit stilisiert. Nur was, fragt man sich, sieht sie in ihm, außer einem Mann mit großer Bestimmung und noch größerem Vermögen?

Um davon abzulenken, wie wenig der Film über den Herzog und die Herzogin von Windsor zu sagen hat, wie sich das Skandalpaar nach Edwards Abdankung nennen durfte, bauten Madonna und ihr Co-Autor Alek Keshishian eine zweite Zeit- und Handlungsebene ein: Im New York des Jahres 1998 verbringt die unglückliche Wally ihre Tage damit, bei Sotheby's die Besitztümer der Frau zu bestaunen, nach der sie benannt wurde. Abbie Cornish ("Tom Clancy's Jack Ryan") wird in dieser Rolle zur Tatenlosigkeit verdonnert.

Der gewalttätige Ehemann (Richard Coyle), von dem sich Wally emanzipieren muss, erhält hingegen die Aufgabe, die unrühmlichen Verbindungen des Herzogenpaares zu den Nazis anzusprechen – wirklich detailliert wird all dies in Madonnas Ode an Wallis Simpson freilich nicht erwähnt. Sie waren nur naiv, hört man Madonna mit Wallys Stimme sagen, und kann sich nur über die Naivität wundern, mit der die Autorin und Regisseurin das brisante Thema in einem Nebensatz abhandelt.

Wenn irgendwann endlich der Abspann beginnt, erklingt "Masterpiece" – das Lied, für das Madonna 2012 einen Golden Globe erhielt. Wahrscheinlich, um daran erinnert zu werden, wo ihre Kernkompetenzen liegen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst