Am Anfang stand der Traum von der harmlosen und völlig ungefährlichen Schlaftablette: Contergan wurde rezeptfrei an Millionen von Frauen - darunter auch viele Schwangere - abgegeben. Doch aus dem Wunsch- wurde ein Albtraum: 5000 Kinder wurden mit schwersten Missbildungen geboren, nur die Hälfte überlebte. Weltweit sind 12000 Contergan-Opfer registriert.

Schnee von gestern? Nein! Thalidomid, der zentrale Contergan-Wirkstoff, wird weltweit weiter verabreicht. Er wird als angebliches Wundermittel gegen Lepra, Aids und Knochenkrebs eingesetzt und produziert gleichzeitig die nächste Generation von verkrüppelten Kindern. Auch ein anderes Schicksal kommt zur Sprache. Die Karriere des Contergan-Entwicklers Dr. Heinrich Mückter, der nach dem Zweiten Weltkrieg von der polnischen Justiz wegen Fleckfieber-Experimenten an KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern dringend gesucht wird. Mittlerweile jedoch im Westen längst als renommierter Pharma-Wissenschaftler zu Ruhm und Ansehen gekommen ist, wie heute berichtet wird. Der Contergan-Prozess gegen Dr. Mückter und andere Verantwortliche der "Grünenthal Chemie" endete mit einem Freispruch "wegen geringer Schuld"und "wegen geringer Bedeutung für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland". Wohl gemerkt: bei 5000 Contergan-Geschädigten, von denen die Hälfte bereits gestorben ist. Die andere Hälfte erhält - nach Unterzeichnung einer Zwangserklärung, nicht mehr weiter gegen "Grünenthal Chemie" zu klagen - eine monatliche Leibrente zwischen 100 und maximal 500 Euro.