Evelyn Couch ist dick, unglücklich und hat nicht das geringste Selbstbewußtsein. Regelmäßig besucht sie die biestige, alte Tante ihres langweiligen Ehemanns im Altersheim. Dort freundet sie sich mit Ninny Threadgoode an, die ihr eine Geschichte aus den Dreißigerjahren erzählt: Die junge Idgie fällt immer aus dem Rahmen, will keine Frauenkleider tragen und benimmt sich auch sonst recht burschikos. Als sie entdeckt, dass die schüchterne Ruth von ihrem Mann zu Hause ständig verprügelt wird, nimmt sie die Schwangere bei sich auf. Gemeinsam gründen sie das "Whistle Stop Café". Freunde machen sie die beiden im erzreaktionären amerikanischen Süden damit nicht. Noch schlimmer wird es, als sie in ihrem Café auch noch Schwarze bedienen. Die Rassisten im Ort sehen rot ...

Mit "Grüne Tomaten" gelang Regisseur Jon Avnet ein Riesenerfolg, den er nicht mehr wiederholen konnte. Der Versuch, seine Nostalgie-Suppe mit dem aufdringlich belehrenden Costner-Film "Das Baumhaus" am Kochen zu halten, ging gründlich schief und war der erste Nagel im Karrieresarg von Kevin Costner. In "Grüne Tomaten" dagegen traf Avnet genau den Geschmacksnerv des Publikums. Seine mal heitere, mal melancholische Abrechnung mit Vorurteilen rührte viele. Die latent homosexuelle Beziehung von Idgie und Ruth wird dagegen - im Vergleich zur Romanvorlage - kräftig heruntergespielt. Allzu sehr darf man wohl doch nicht auf die Toleranz des amerikanischen Durchschnittspublikums verlassen.

Foto: Kinowelt