Bela Lugosi

Béla Ferenc Dezsö Blaskó
Geboren: 20.10.1882 in Lugos, Banat, seinerzeit Österreich-Ungarn
Gestorben: 16.08.1956 in Hollywood, Los Angeles, Kalifornien, USA

Bela Lugosi ist Dracula. Und wie sein Alter ego, so hat Bela Lugosi etwas erreicht, was ein untrügliches Kennzeichen für Vampire ist: Unsterblichkeit. Die Haare streng nach hinten gelegt. Mit Pomade auf schwarzglänzend getrimmt. Das Make-up aristokratisch-blass, die Kontraste ausdrucksstark. Der Blick aus schattigen Augen, der Mund diplomatisch neutral. Statt Dracula das Gesicht eines monsterähnlichen Untoten zu geben, erscheint Bela Lugosi als charmanter Adeliger, der mit schwarzem Anzug und gutem Benehmen auf jeder Dinnerparty ein gern gesehener Gast wäre. Er ist sympathisch, besitzt eine finstere Würde und man hat beinahe Mitleid mit dem übermächtigen Fürst der Finsternis, der nur auf eines aus ist: rotpulsierende Halsschlagadern unter blasser Frauenhaut. Die Geschichte des ungarischen Schauspielers ist so tragisch wie eine gut inszenierte Hollywoodschnulze oder eines der B-Movies, in denen er zum Ende seiner Karriere mitspielte.

1882 wird Bela Lugosi als Sohn eines Geschäftsmannes in Lugos, Österreich-Ungarn, geboren. Sein Leben ist von seinen Eltern bereits vorausgeplant und die Erziehung durch seine Eltern weist ihm einen klaren Weg. Doch von diesem Weg bricht der junge Béla Ferenc Dezsö Blaskó, wie er eigentlich heißt, aus. Bereits mit zwölf Jahren, als seine Eltern beschlossen hatten, ihn auf ein Gymnasium zu schicken, reißt er von zu Hause aus und schließt sich einem Wandertheater an und spielt auf den verschiedensten Bühnen in ganz Ungarn. Er avanciert in kürzester Zeit zu einem der ganz großen Schauspielstars seiner Zeit, spielt anspruchsvolle Rollen auf der Bühne, u.a. am Ungarischen Nationaltheater, und steht in zahlreichen ungarischen Stummfilmen vor der Kamera.

Seine Karriere erlebt einen kleinen Einbruch, als der Erste Weltkrieg ausbricht und er sich freiwillig für den Kriegsdienst meldet. Nach Kriegsende organisiert er sich in der Kommunistischen Partei und gilt als Mitbegründer einer Schauspieler-Gewerkschaft, eckt mit diesem Verhalten bei ungarischen Politikern an und muss das Land verlassen. Er flüchtet über Wien nach Berlin, wo er seine Schauspielkarriere ohne Unterbrechung fortsetzen kann und u.a. für Marie Luise Droop in einigen Karl May-Verfilmungen (u.a. "Die Todeskarawane" und "Die Teufelsanbeter") vor der Kamera steht. Auch spielte er in F.W. Murnaus als verschollen geltenden Film "Der Januskopf" mit.

Doch auch in Berlin ist er vor politischer Verfolgung nicht sicher, so dass er als Heizer auf einem Frachter nach Amerika weiter flüchtet. Er gelangt nach New York, wo er sich direkt an die Fortsetzung seiner Karriere macht und nach Engagements am Broadway sucht. Durch Kontakte zu anderen ungarischen Emigranten erhält er Rollen u.a. auch in englischsprachigen Stücken, obwohl er zu dem Zeitpunkt noch kaum ein Wort Englisch spricht. Die Texte lernt er nach Lautschrift und überzeugt auch hier recht schnell Publikum wie Kritiker.

Am Broadway trifft er auch erstmals auf sein Alter ego: "Dracula". 1927 wird ihm die Rolle des finsteren Grafen in Hamilton Deanes gleichnamigen Theaterstück angeboten, das nach Motiven von Bram Stokers Roman entstand. Mehr als 250 Aufführungen lang steht er als "Fürst der Finsternis" auf der Bühne, doch als Universal die Verfilmung des Stoffes plant, haben die Filmbosse ihn nicht auf ihrer Liste. Ursprünglich soll der damalige Horrorstar Lon Chaney sen. den Part des transsilvanischen Blutsaugers spielen, doch der "Mann mit den tausend Gesichtern" verstirbt kurz vor den Dreharbeiten und Universal muss einen anderen Darsteller finden. Tod Browning, der Regisseur der Dracula, weigert sich zunächst, Bela Lugosi die Rolle zu geben und lässt mehrere Schauspieler, die er lieber in der Rolle des untoten Grafen sehen würde, vorsprechen. Doch keiner der Kandidaten will den Part übernehmen, so dass die Wahl schließlich doch auf den charmanten Ungarn fällt. Der nimmt die Rolle dankend an - trotz eines lächerlichen Vertrages, der ihm lediglich ein Honorar von 550 Dollar pro Woche zusichert. Eine Gewinnbeteiligung an dem Horrorfilm hätte Bela Lugosis kostspieliges Leben auf alle Zeiten finanziert und er hätte bis zu seinem Tod ausgesorgt. Trotz der Bedenken, die der Regisseur im Vorfeld hatte, wird der Film mit Bela Lugosi ein Erfolg. Er spielt die Rolle, die er schon von der Bühne her kennt, brillant. Er überzeugt durch Mimik, Gestik und durch seinen Akzent. Er gibt Dracula ein Gesicht und ein äußerst elegantes Erscheinungsbild und wird zum Vorbild für alle weiteren Dracula-Verfilmungen.

Der Rest seines Lebens ist nicht so triumphal wie der Erfolg, den er mit der Dracula-Rolle hatte. Durch die "Dracula"-Verfilmung avanciert er zu Hollywoods-Horror-Star Nummer eins und bekommt im Anschluss viele Angebote. Ruhigen Gewissens lehnt er sogar die Rolle als Frankensteins Monster ab, die stattdessen von seinem großen Konkurrenten Boris Karloff gespielt wird. Lugosi lehnt die Rolle ab, weil das Monster in der Verfilmung kaum Text hat und er sein ausdrucksstarkes Gesicht und somit seine schauspielerische Mimik hinter einer Maske "verstecken" sollte. Nach einigen Rollen in verschiedenen Horrorfilmen ebbt der Boom um Grauen und Untote in Hollywood ab. Doch alternative Angebote jenseits von Schreck und Schauder bleiben aus. Die Rolle seines Lebens entpuppt sich für Bela Lugosi als Segen und Fluch gleichzeitig. Der Untergang des Horrorgenres ist auch der Untergang für Lugosis Karriere. Nur einmal - 1939 - sieht man ihn in einer anderen Rolle. An der Seite von Greta Garbo spielt er in der Komödie "Ninotschka", doch scheinbar reicht diese Rolle nicht aus, um zu beweisen, dass er jenseits von Zombies und Monster auch noch andere Parts übernehmen kann.

Mit dem Ausbleiben der Engagements folgt sein finanzieller Abstieg. Um seinen äußerst kostspieligen Lebenswandel finanzieren und seine Familie über Wasser halten zu können, nimmt er immer öfters Rollen in B-Movies an. Einer seiner letzten Erfolge gelingt ihm als Parodie seiner selbst in der Horrorkomödie "Abbott und Costello treffen Frankenstein". Es folgt eine Zeit zwischen Suff und Delirium. Er flüchtet in den Alkohol und wird morphiumabhängig. Erst als seine Frau ihn mit seinem Sohn verlässt, wacht er auf, begibt sich in eine Suchtklinik und nutzt seinen Entzug medienwirksam. Er ist wieder im Gespräch und Ed Wood bietet seinem großen Idol einige Rollen in seinen B-Streifen an. Ed Wood, der als der schlechteste Regisseur der Welt gehandelt wird, erhofft sich durch Bela Lugosi mehr Aufmerksamkeit für seine Filme.

Zum Ende seines Lebens ist der ehemals charismatische, ungarische Schauspieler nur noch ein Schatten seiner selbst. Er tritt als Dracula in Las Vegas auf und gibt Interviews während er in einem Sarg hockt und liefert mit "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti" seinen letzten Film ab, in dem er einen Stummen spielt, da er sich den Text nicht mehr merken konnte.

So dramatisch und chaotisch sein Leben war, so dramatisch war auch seine Beerdigung. Gerüchte besagen, dass Frank Sinatra die Kosten für die Bestattung übernommen habe und dass am Grab zwischen Vincent Price und einem weiteren Horrorstar folgende Worte gefallen sein sollen: "Man sollte ihm vorsichtshalber einen Pfahl durch das Herz treiben." Bela Lugosi wurde in seinem Dracula-Cape beerdigt.

Seine letzte Rolle spielt er einige Jahre nach seinem Tod in Ed Woods "Plan 9 aus dem Weltall". Das zweiminütige Filmmaterial, das Ed Wood noch zu Bela Lugosis Lebzeiten mit ihm abgedreht hat, erweitert der Trash-Regisseur mit einigen Aufnahmen, in denen ein Double Lugosis Rolle übernimmt. Der Chiropraktiker Tom Mason geistert einige wenige Szenen durch das Bild und verdeckt sein Gesicht mit dem weltberühmten Dracula-Cape.

Er war Shakespeare-Darsteller, spielte in hochklassigen Stummfilmen mit, zeigte auf der Bühne seine Vielseitigkeit und überzeugte durch sein Spiel und seine Mimik. Doch all das verschwindet in der Bedeutungslosigkeit, weil ihn diese eine Rolle unsterblich machte. Er war nicht so schaurig-schön wie George Hamilton, nicht so charismatisch wie Christopher Lee, nicht so unheimlich wie Gary Oldman, aber Bela Lugosi ist Kult und mit seiner Dracula-Darstellung hat er für alle Ewigkeit einen Filmmythos geschaffen.

Weitere Filme und Serien mit Bela Lugosi:

1917-1929:
"Nászdal", "Az Ezredes", "A Régiséggyüjtö", "Leoni Leo" (alle 1917), "Casanova", "Lulu", "Álarcosbál", "Küzdelem a létért", "Tavaszi vihar", "Lili", "Az Élet királya", "Die gefahrvolle Wette" (alle 1918), "Die Frau im Delphin, oder 30 Tage auf dem Meeresgrund", "Der Fluch der Menschheit - 1. Die Tochter der Arbeit", "Hypnose", "Der Tanz auf dem Vulkan - 1. Sybil Young", "Der Tanz auf dem Vulkan - 2. Der Tod des Großfürsten", "Nat Pinkerton im Kampf, 1. Teil - Das Ende des Artisten Bartolini", "Lederstrumpf, 1. Teil: Der Wildtöter und Chingachgook", "Der Fluch der Menschheit - 2. Im Rausche der Milliarden", "Auf den Trümmern des Paradieses", "Lederstrumpf, 2. Teil: Der Letzte der Mohikaner" (alle 1920), "Apachenrache, 3. Teil - Die verschwundene Million" (1921), "Ihre Hoheit die Tänzerin" (1922), "The Silent Command" (1923), "The Rejected Woman", "Der Mann, der die Ohrfeigen bekam" (beide 1924), "The Midnight Girl", "Daughters Who Pay" (beide 1925), "Punchinello" (1926), "How to Handle Women" (1928), "The Veiled Woman", "Prisoners", "The Thirteenth Chair" (alle 1929).

1930-1939:
"Such Men Are Dangerous", "Wild Company", "Renegades", "Viennese Nights", "Oh, for a Man" (alle 1930), "50 Million Frenchmen", "Women of All Nations", "Charlie Chan: Der Tod ist ein schwarzes Kamel", "Broadminded" (alle 1931), "Mord in der Rue Morgue", "White Zombie", "Chandu the Magician", "The Death Kiss", "Die Insel der verlorenen Seelen" (alle 1932), "The Whispering Shadow", "Night of Terror", "Hotel International", "Die Legion des Todes" (alle 1933), "Die schwarze Katze", "Gift of Gab", "The Return of Chandu", "The Mysterious Mr. Wong" (alle 1934), "The Best Man Wins", "Das Zeichen des Vampirs", "The Mystery of the Marie Celeste", "Der Rabe", "Murder by Television" (alle 1935), "Tödliche Strahlen", "Postal Inspector" (beide 1936), "S.O.S. Coast Guard" (1937), "The Phantom Creeps", "Frankensteins Sohn", "The Gorilla" (alle 1939).

1940-1949:
"Der Würger von London", "The Saint's Double Trouble", "Schwarzer Freitag", "The Devil Bat", "You'll Find Out" (alle 1940), "Invisible Ghost", "The Black Cat", "Spooks Run Wild", "Der Wolfsmensch" (alle 1941), "Black Dragons", "Frankenstein kehrt wieder", "The Corpse Vanishes", "Night Monster", "Bowery at Midnight" (alle 1942), "The Ape Man", "Frankenstein Meets the Wolf Man", "Ghosts on the Loose" (alle 1943), "The Return of the Vampire", "Voodoo Man", "Return of the Ape Man", "One Body Too Many" (alle 1944), "Zombies on Broadway", "Der Leichendieb" (beide 1945), "Genius at Work" (1946), "Scared to Death" (1947), "Abbott und Costello treffen Frankenstein" (1948), "Suspense" (TV-Serie, 1949).

nach 1950:
"Mother Riley Meets the Vampire", "Bela Lugosi Meets a Brooklyn Gorilla" (beide 1952), "Glen or Glenda" (1953), "Die Rache des Würgers" (1955), "Die Schreckenskammer des Dr. Thosti" (1956).

Zur Filmografie von Béla Ferenc Dezsö Blaskó
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