Heinz Erhardt

Heinz Erhardt, der Dicke mit der Hornbrille. Seine Paraderolle war der albernde Schelm Vergrößern
Heinz Erhardt, der Dicke mit der Hornbrille. Seine Paraderolle war der albernde Schelm
Heinz Erhardt
Geboren: 20.02.1909 in Riga, Russland
Gestorben: 05.06.1979 in Hamburg, Deutschland

"Was bin ich doch heute wieder ein Schelm!" Beleibt, mit Halbglatze und schwarzer Hornbrille ist Heinz Erhardt als TV-Komiker der Fünfziger- bis Siebzigerjahre in Erinnerung geblieben. Seine Karriere begann mit kleinen hintersinnigen Gedichten und Kalauern, die er der wöchentlichem Sendereihe "So was Dummes" beim Norddeutschen Rundfunk zum Besten gab. Seine Gedichtbände wurden Bestseller. Als Gast vieler Shows tingelte er mit seinen Witzen und Wortspielereien auch noch in den Siebzigern durchs Fernsehen und gab "Noch 'n Gedicht" zum Besten.

Heinz Erhardt gilt als die leibhaftige Verkörperung des Wirtschaftswunders: pausbäckig und "rund im Bund". Dabei wollte Heinz, der Komiker, doch mal großer Komponist und Pianist werden! Der Vater war Theaterkapellmeister. Der kleine Heinz beginnt seine Bühnenlaufbahn mit Notenumblättern für viele Stars der internationalen Musikwelt jener Jahre. Von 1926 bis 1928 geht er nach Leipzig, um Musik zu studieren. Als die politische Lage in seiner Heimat Riga schwieriger wird, geht er zunächst nach Danzig. Dort überzeugt er im Funkhaus einige prüfende Herren von seinem Talent als Verfasser von humoristischen Gedichten.

Stationen seiner Karriere waren das Berliner "Kabarett der Komiker", das Musikcorps der Marine, Auftritte im Rahmen der Truppenbetreuung, Radio-, TV- und Theaterarbeit. Anfang/Mitte der Fünfzigerjahre kam Heinz Erhardt schließlich auch zum Film. In seiner ersten Hauptrolle auf der Leinwand tritt er als "Der müde Theodor" (1957) unter der Regie Geza von Cziffras in Erscheinung: Erhardt spielt - wie süß! - einen Marmeladenfabrikanten, der seine Einnahmen als Mäzen verschleudert und dafür nachts als Kellner dazuverdienen muss.

Zugeschnitten auf seinen Sprachwitz und die betuliche Art werden ihm die Rollen des albernden Schelms und Biedermanns auf den Leib geschrieben. Er hat "Drillinge an Bord" (1959), ist der geplagte "Witwer mit fünf Töchtern" (1957), "Der Haustyrann" (1958) und der wetternde Kleinbürger in: "Immer die Radfahrer" (1958), in "Natürlich die Autofahrer" (1959) sowie in "Der letzte Fußgänger" (1960). Klamauk wie in der bekannten Kömödie "Drei Mann in einem Boot" (1961, mit Walter Giller und Hans-Joachim Kulenkampff), "Ach Egon!" und "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" bestimmen sein Geschäft neben der Bühnenarbeit.

In TV-Operetten und Karl May-Verfilmungen ("Der Ölprinz"/"Das Vermächtnis des Inka") taucht er für wenige Minuten mit komischen Einlagen auf. Um aus diesem seichten Fahrwasser herauszukommen, versucht sich der ehemalige Konservatoriumsschüler (Klavier und Komposition) seit 1960 im Mittelpunkt einer eigenen Produktionsfirma. Doch das Unternehmen geht finanziell in die Hose. Nach einem Auftritt in der der Gaunerkomödie "Die Herren mit der weißen Weste" entstehen ab Anfang der Siebziger die so genannten Willi-Filme: "Was ist denn bloß mit Willi los?"), "Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern" (beide 1970), "Unser Willi ist der Beste", "Willi wird das Kind schon schaukeln" (beide 1971). Die Rolle des Finanzbuchhalters Willi Winzig ist das ihm gemäße alter ego des kleinen Mannes, der in die Fallen des Alltags tappt. Am Ende werden mehr als 50 Filme mit dem wohl bekanntesten Komiker seiner Zeit gezählt, der am 5. Juni 1979 an einer Herzattacke starb.

Der hat trotz oder vielleicht sogar wegen der neuen Comedy-Welle nicht nur seine alten Fans behalten, sondern auch viele jüngere hinzugewonnen. Heinz Erhardts Persiflagen aus dem Nierentisch-Zeitalter sind heute Kult. Man denke nur an seinen Song "Das Kornlied", hier ein kurzer Ausschnitt:

Immer wenn ich traurig bin trink ich einen Korn
Wenn ich dann noch traurig bin trink ich noch 'n Korn
Wenn ich dann noch traurig bin trink ich noch 'n Korn
Und wenn ich dann noch traurig bin fang ich an von vorn.


Ein Schicksalsschlag ereilte den großen Komödianten im Dezember 1971: Nach einem Schlaganfall konnte der Meister des Wortes nicht mehr sprechen und zog sich ins Privatleben zurück. Man sah ihn allerdings ein letztes Mal im Fernsehen, als im Februar 1979 sein bereits Mitte der Dreißigerjahre entstandenes Werk "Noch 'ne Oper" in einer ZDF-Fernsehfassung ausgestrahlt wurde.

Weitere Filme mit Heinz Erhardt: "Mädchen mit schwachem Gedächtnis" (1956), "Vater, Mutter und neun Kinder", "So ein Millionär hat's schwer" (alle 1958), "Mein Mann, das Wirtschaftswunder", "Kauf dir einen bunten Luftballon" (beide 1960), "Freddy und der Millionär" (1961), "Die Post geht ab", "Axel Munthe - Der Arzt von San Michele" (1962), "Apartmentzauber" (1963), "Wenn man baden geht auf Teneriffa", "Die große Kür" (beide 1964), "Das gewisse Etwas der Frauen" (1966), "Aktien & Lorbeer" (1967), "Otto ist auf Frauen scharf" (1968), "Klein Erna auf dem Jungfernstieg", "Charleys Onkel" (beide 1969).

Zur Filmografie von Heinz Erhardt
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