Sprechende Schafe

"Tiere sind die besseren Menschen"

03.08.2026, 02.00 Uhr
In der ZDF-Serie "Sheep" leiht Merlin Sandmeyer einem Schaf seine Stimme, das seine Herde vor dem Metzger schützen möchte. Im Interview spricht der Schauspieler über die Herausforderungen seiner ersten großen Sprecherrolle und seinen bewussteren Umgang mit Nachhaltigkeit.

In der ZDF-Serie „Sheep“ spricht Merlin Sandmeyer ein Schaf, das seine Herde vor dem Tod beim Metzger bewahren möchte. Mit prisma unterhielt sich der Schauspieler („Die Discounter“, „Das Kanu des Manitu“) über seine erste große Sprecherrolle und das Thema Nachhaltigkeit.

Was macht die Mini-Serie „Sheep“ so besonders?

Merlin Sandmeyer: Für mich macht die Serie erstmal besonders, dass es echte Schafe sind, die da die Hauptrolle spielen. Diese wurden im Nachhinein von Schauspielerinnen und Schauspielern synchronisiert und dadurch sprecherisch zum Leben erweckt. Die Serie hat einen ganz tollen Humor und gleichzeitig ist sie aber auch total tragisch und stellt große Fragen, mit denen wir Menschen uns beschäftigen. Die Umkehr von den Tieren, die sich auf einmal mit menschlichen Themen auseinandersetzen, macht das Ganze nochmal viel spannender. Wie eine große humoristische Lupe, die man da draufhält.

In der Serie glauben die Schafe, sie seien die Krone der Schöpfung. Völlig absurder Gedanke oder ist doch was dran?

Das könnte schon sein. Es gibt doch bestimmt intelligentere Wesen als uns. Ob das jetzt allerdings Schafe sind, weiß ich nicht.

Die Schafe bezeichnen Menschen als „komplette Psychopathen“, weil sie zum Beispiel Bärchenwurst produzieren und konsumieren. Haben sie Recht?

Naja, wenn man sich die Welt so anguckt, so allgemein – da haben die Schafe schon Recht. Die Menschen sind ganz schön durchgeknallt.

Was tun Sie persönlich, um nachhaltiger zu leben und zu konsumieren? Oder ist das für Sie kein wichtiges Thema?

Ich versuche auf jeden Fall, bewusster zu leben und auch zu konsumieren. Ich muss mich immer wieder an die eigene Nase fassen, weil man dann doch irgendwie immer wieder denkt „ach, das ist jetzt eine Ausnahme“ und es bleibt dann nicht bei diesem einzigen Mal. Wenn es konkret um Essen geht, versuche ich, im Biomarkt einzukaufen. Das muss man sich natürlich auch leisten können. Ich mache das auch nicht ausschließlich, aber mir ist es wichtig, dass ich weiß, wo etwas herkommt. Dafür gibt es ja auch Siegel et cetera. Aber alles in allem ist das nicht so einfach. 

Hat die Serie Sie beeinflusst?

Doch, tatsächlich schon. Also ich bin nicht ganz davon weg, Fleisch zu essen. Ich war mal eine Zeit lang wirklich komplett vegetarisch. Dann hat sich der Fleischkonsum wieder so ein bisschen eingeschlichen. Aber durch die Serie bin ich da auf jeden Fall bewusster und nehme davon nochmal Abstand.

Sie sind für Ihr markantes Erscheinungsbild bekannt. Wie ist es, wenn man auf einmal nur mit seiner Stimme arbeiten soll?

Ich habe noch nicht so viele Erfahrungen im Synchro- oder im Hörspielbereich gemacht. Man merkt einfach, dass man noch mehr spielen und sich noch mehr imaginieren muss, wie sich die Rolle in der jeweiligen Situation anfühlt. Die Herausforderung ist natürlich nochmal größer, weil es eben Schafe sind. Da muss man innerlich erst einmal eine Brücke schlagen und sagen: Ok, das bin ich, so denke ich. Eine menschliche, animierte Figur mit Mimik ist da sicherlich einfacher.

In „Sheep“ sprechen Sie den Widder Oliver. Ist das auch das Tier aus der Herde, mit dem Sie sich selbst am meisten identifizieren oder gibt es da einen anderen Kandidaten?

Ja, den Manfred zum Beispiel. Aber auch Oliver, klar. Die anderen Schafe sind ein bisschen älter, ein bisschen eingesessener. Und er ist noch auf der Suche nach seinem Platz, hinterfragt die Dinge vielleicht immer ein bisschen mehr, ist vielleicht auch ein bisschen unsicherer darin, was er möchte. Das hat dann schon irgendwie auch mit mir zu tun. Also ich glaube insgesamt kann man sehr gut an diesem Hauptschaf Oliver andocken.

In der Serie ist Zusammenhalt in schwierigen Situationen wichtig – wer hat da Ihrer Meinung nach die Nase vorne? Menschen oder Tiere? 

Ich würde mal sagen die Tiere. 

Weil wir Menschen dann doch eher an unsere eigene Haut denken? 

Ja, ich denke schon. Das ist natürlich irgendwie evolutionsbedingt. Ich finde Tiere sind auch irgendwie sympathischere Menschen. Sie leben in so tollen Systemen und haben viele spannende Mechanismen erfunden, sich zu schützen. Zum Beispiel Pinguine, die sich gegenseitig wärmen. So müsste man eigentlich miteinander leben. Aufpassen, Acht geben und sich schützen, und immer für das schwächste Glied auch da sein. Man sagt ja: Die Herde ist so stark wie das schwächste Glied.

Was ist eigentlich Ihr Lieblingstier? 

Ich bin und war schon immer ein großer Pferdefreund.

Wäre die Serie noch besser gewesen, wenn es Pferde statt Schafe gewesen wäre? 

Es hat schon irgendwie einen guten Witz, dass es Schafe sind. Man denkt ja gerne: Ach die blöden Schafe. Außerdem sehen sie irgendwie lustig aus. 

Glauben Sie, dass eine Serie wie „Sheep“ einen langfristigen Eindruck bei den Zuschauern hinterlässt und man dadurch sein Verhalten überdenkt?

Ich denke, man kommt nicht umhin, da einen Gedanken oder mehrere dran zu verschwenden. Ob das jetzt im Endeffekt wirklich etwas verändert und man weniger tierische Produkte konsumiert, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall macht die Serie was mit einem und berührt.

Leichte Unterhaltung oder was mit Tiefgang? Was schauen Sie privat am liebsten? Was hat Sie zuletzt begeistert?

Mal so, mal so, das kann ich gar nicht so genau sagen. Am besten ist guter Humor mit großem Tiefgang. 

Was hat Sie zuletzt so richtig begeistert?

Ich gucke echt wenig tatsächlich. Aber was mir einfällt, ist ein Kinofilm, der etwas unter dem Radar läuft. „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen – ein Low- beziehungsweise No-Budget-Film über das Thema Trauer. Der hat mich wirklich nachhaltig sehr berührt und beschäftigt. 

„Sheep“ – fünf Folgen am Montag, 24. August, 0 Uhr im ZDF, vorab alle in der ZDF-Mediathek verfügbar