ZDFzeit-Doku

"Die großen Kriminalfälle der Bundesrepublik": diese Verbrechen schrieben Geschichte

von Rupert Sommer

Anhand von vier Kriminalfällen zeigt die ZDF-Doku die Ermittlungsarbeit der Polizei in den 50ern, 60ern, 70ern und 80ern, beleuchtet aber auch den Wandel und politische Debatten in Deutschland.

ZDF
ZDFzeit: Die großen Kriminalfälle der Bundesrepublik
Dokumentation • 19.05.2020 • 20:15 Uhr

Es sind Verbrechen, die Kriminalgeschichte schrieben. Anhand von vier Ermittlungsarbeiten und Prozessen rund um schlagzeilenträchtige Gewalttaten aus den 50er-, 60er-, 70er- und 80er-Jahren beleuchtet die sehenswerte neue Dokumentation "ZDFzeit: Die großen Kriminalfälle der Bundesrepublik" auch den gesellschaftlichen Wandel und politische Debatten im Land.

Dabei hat die "ZDFzeit"-Redaktion vier Fälle ausgewählt, die auch exemplarisch für den jeweiligen Zeitgeist stehen sollen. So verwundert es nicht, dass sich in den prüden Nachkriegsjahren die Gemüter am Mord an der Prostituierten Rosemarie Nitribitt stark erhitzen. Sie wurde am 1. November 1957 leblos in ihrer Frankfurter Wohnung aufgefunden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei, die sich später im Sande verliefen, führten zunächst in die höchsten Wirtschaftskreise. Der Fall Nitribitt wurde bislang nie aufgeklärt.

Im Sommer 1966 wird in Wuppertal der gerade mal 19-jährige Serientäter Jürgen Bartsch verhaftet. Nach und nach kommt heraus, dass er vier kleine Jungen in eine Falle gelockt hatte, um sie dort zu missbrauchen und grausam zu ermorden. Schnell hing dem Sexualmörder das Etikett einer "Bestie" um. Was aus heutiger Sicht irritiert: Die Rolle seiner eigenen trostlosen Kindheit und die oft brutalen Erziehungsmethoden der Zeit, die Bartsch vermutlich auch prägten, wurden seinerzeit vor Gericht so gut wie nicht berücksichtigt. Der Prozess wäre dieser Tage vermutlich anders gelaufen.

Politisch hochbrisant ist der Fall des linken Studenten Ulrich Schmücker, der am 5. Juni 1974 im Berliner Grunewald erschossen aufgefunden wurde. Wie erst später herauskam, war der junge Mann vom Berliner Verfassungsschutz wegen eines geplanten Attentats selbst zunächst verhaftet und dann zum V-Mann "umgedreht" worden. Nun lag nahe, dass Schmückers Spitzeltätigkeit in der linken Szene aufflog und er als Verräter sterben musste. Doch welche Rolle spielte der Verfassungsschutz wirklich? Der Schmücker-Prozess entwickelte sie im aufgeheizten Klima der 70er-Jahre zum längsten Strafprozess in der Geschichte der Bundesrepublik.

Vor Gericht selbst ereignete sich die abschließende schockierende Bluttat: Am 6. März 1981 zückt Marianne Bachmeier mitten im Lübecker Prozesssaal eine Waffe und erschießt einen jungen Mann, der ihre Tochter missbraucht und ermordet haben soll. Anfänglich wird Bachmeier in der Boulevardpresse gefeiert. Doch dann kommen immer mehr Details über ihr chaotisches Familienleben auf – und der Blick wandelte sich: Marianne Bachmeier gilt in der hysterisch aufgewühlten öffentlichen Diskussion plötzlich als überforderte "Rabenmutter". Der Wahrheitsfindung dürften beide plakative Zuschreibungen nur wenig gedient haben.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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