Die Tour de France ist der Traum, eine der härtesten Sportveranstaltungen der Welt zu gewinnen das Ziel. Lance Armstrong hat es erreicht. Siebenmal in Folge, von 1999 bis 2005. Das machte den US-Profi zum erfolgreichsten Radrennfahrer der Geschichte. Bis ihn seine Geschichte einholte. Eine Geschichte von systematischem Doping, von Lügen und Drohungen – und von der Selbstdemontage eines Denkmals. Eine Geschichte, die der britische Regisseur Stephen Frears erstmals in fiktionalisierter Form umsetzte. Sein ansehnlicher Sportkrimi "The Program – Um jeden Preis" (2015), der von David Walshs Sachbuch "Seven Deadly Sins" faktisch untermauert ist, wird nun – nach kaum erwähnenswertem Leinwanderfolg – bei 3sat ausgestrahlt.

Der irische Sportjournalist Walsh (Chris O'Dowd) hatte schon früh Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mannes, für den nur Siege zählten und in dem die ganze Welt unbedingt ein Idol sehen wollte. Dabei war er nach der ersten Begegnung mit Armstrong (Ben Foster) noch ganz angetan von dem ehrgeizigen Jungspund. Dass der aber nach einer krebsbedingten Chemotherapie ab 1999 die Tour de France dominieren würde, machte Walsh stutzig.

"Icon" sollte der Film eigentlich heißen: Lance Armstrong war in der Tat eine Ikone – ein Mann, dessen sportliche Leistungen (zunächst) bestaunt und dessen Sieg über den Krebs bewundert wurde. Ein Mann auch, dessen Engagement für soziale Projekte integer wirkte. Aber wie die Zeit und immer bessere Dopingtests zeigen sollten: Er war vor allem ein Schummler und Selbstbetrüger – mit dem Trotzkopf eines kleinen Jungen und den Allüren eines Despoten.

Dabei zeichnet Hauptdarsteller Ben Foster den gefallenen Helden keineswegs als unmenschliches Monster – im Gegenteil. Auch wenn Lance Armstrong im Fortgang der Geschichte immer unausstehlicher wird, behält er doch seine menschlichen Züge. Fosters Darstellung ist der emotionale Kitt, der die geradlinig inszenierte Faktensammlung als Film zusammenhält. Wirklich unterhaltsam und spannend wird das alles aber erst durch die Zwischentöne, durch die Szenen hinter den Kulissen. Dort, wo die Dinge passiert sind, die nicht auf den Sportseiten standen und in denen sich die Filmemacher Interpretationsspielräume gönnen konnten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst