"Deutschland ist sicherer geworden": Ausgerechnet Innenminister Horst Seehofer überraschte Anfang Mai bei der Vorstellung der Kriminalstatistik mit durchaus erfreulichen Nachrichten. Der CSU-Mann sah sich allerdings genötigt, im selben Atemzug hinzuzufügen, es gebe "zur Entwarnung keinen Anlass". Zumal die Deutschen rein subjektiv ein ganz anderes Gefühl von der Lage im Land haben: 44 Prozent, so der Minister, fühlten sich einer Umfrage zufolge weniger sicher als noch vor ein paar Jahren. Schuld daran haben wohl auch mehrere erschütternde Fälle von Gewalt durch Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren und Monaten für Schlagzeilen sorgten. Zwei dieser Gewalttaten beleuchtet die Dokumentation "Das Mädchen und der Flüchtling" aus der Primetime-Reihe "Was Deutschland bewegt".

Der Film von Christian Gropper und Kai Diezemann erzählt von zwei Vorfällen, die im vergangenen Jahr das Land erschütterten. Am 22. Dezember wurde eine 17-jährige Darmstädterin das Opfer einer Messerattacke, die sie schwer verletzt überlebte. Wenige Stunden nach der Tat wurde ein 16-Jähriger festgenommen: ein afghanischer Flüchtling, dem sein Opfer als Deutsch-Patin beim Erlernen der Sprache geholfen hatte. Nur fünf Tage später tötete im südpfälzischen Kandel ein ebenfalls afghanischer Flüchtling die 15 Jahre alte Mia. In beiden Fällen kannten sich Täter und Opfer. Von normalen Beziehungstaten wollten allerdings nur die wenigsten sprechen.

Schon bald stand die Frage im Vordergrund, welche Rolle die Herkunft der Täter und vor allem ihr Frauenbild bei den Verbrechen spielten. Auch die Dokumentation, eine Koproduktion von HR und SWR, meidet diese heikle Frage nicht: War es möglicherweise fahrlässig, einem jungen Afghanen eine 17-Jährige als Deutsch-Patin an die Seite zu stellen? Und wie sieht das Frauenbild muslimischer Zuwanderer, jenseits von Klischees, wirklich aus?

In der 9000-Einwohner-Gemeinde Kandel sitzt auch ein halbes Jahr nach dem Tod von Mia der Schock noch tief. Regelmäßig treffen sich hier Bürger, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. Aber es melden sich auch andere Stimmen zu Wort, von jenen, die von schrecklichen Einzelfällen sprechen. Sie glauben: Man dürfe sich nach den Taten nicht verunsichern lassen und schon gar nicht verallgemeinern. Aber auch in Darmstadt hat sich seit der Messerattacke Angst breit gemacht. 216 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hatte die Stadt aufgenommen, insgesamt leben hier 4000 Geflüchtete. Wie ist die Stimmung in der Hessenmetropole? Viele Bürger, auch das zeigt der Film, lassen ihre Töchter abends nicht mehr unbegleitet auf die Straße.


Quelle: teleschau – der Mediendienst