Zendaya und Robert Pattinson in „Das Drama“: Der glücklichste Tag ihres Lebens?
Kein anderes Ereignis im Leben eines gutbürgerlichen Menschen ist so mit Erwartungen aufgeladen wie die eigene Hochzeit. Als „schönster Tag überhaupt“ gepriesen, muss er für überzeugte Eheleute in spe möglichst perfekt ablaufen. Dazu zählen sich offensichtlich auch die Buchhändlerin Emma und ihr Verlobter Charlie, der als Museumsdirektor arbeitet. In den Tagen vor der Hochzeit stehen deshalb noch so einige letzte Vorbereitungen an: der Termin beim Floristen, der DJane, in der Tanzschule oder auch bei der Hochzeitsfotografin.
Noch vor den meisten dieser To-dos kommt das glückliche Paar mit seinen Trauzeugen Mike (Mamoudou Athie) und Rachel (Alana Haim) zum Probedinner zusammen. Ein aktueller Anlass sowie die vom Alkohol gelöste Stimmung bringt die vier schließlich auf eine heikle Frage: Was ist das Schlimmste, das du jemals gemacht hast? Eine der Antworten darauf löst eine Krise aus – und das so kurz vor der Heirat.
„Das Drama“: Der ‚Twist‘ kommt gleich zu Beginn
Vor diesem verhängnisvollen Probedinner erzählt „Das Drama – Noch einmal auf Anfang“ davon, wie sich Emma und Charlie kennenlernen und ineinander verlieben. Im Schnelldurchlauf, aber dabei sehr charmant. Bis der große Twist kommt, den die zuständigen PR-Agenturen im Vorfeld versprochen hatten, vergehen nur etwa 20 Minuten. So ist es kein Twist im klassischen Sinne, sondern eher das Fundament für das titelgebende Drama. Und das hat es wirklich in sich – und bricht clever mit den Vorstellungen von einer romantischen Hochzeit mit der großen Liebe.
Mit diesem Motiv und der dazugehörigen Ästhetik hatte schon die Marketingkampagne zu „Das Drama“ gekonnt gespielt. Eines der Poster zeigt die breit grinsenden Robert Pattinson und Zendaya in Wrack und weißem Hochzeitskleid. Darüber steht die Tagline „Ihr seid herzlich eingeladen“. Die Produktionsgesellschaft A24 – bekannt für originelle und künstlerisch anspruchsvolle Filme – postete zudem in den sozialen Medien im Dezember 2025 ein erstes Foto im Stile eine Schnappschusses, auf dem Zendaya an der Seite von Pattinson ihre rechte Hand mit dem Verlobungsring in die Kamera hält.
Zendaya und Robert Pattinson brillieren in „Das Drama“, das tatsächlich eines ist
Oberflächlich betrachtet erinnert das alles an das Marketing für eine romantische Komödie. Schon im ersten Trailer lassen A24 (und in Deutschland Leonine) die Fassade allmählich bröckeln. Im finalen zweiten Trailer bekommt sie schließlich tiefe Risse. Der Konflikt wird konkret angedeutet, in Teilen werden auch die Auswirkungen gezeigt. Spätestens jetzt ist allen klar: Das wird keine klassische RomCom. Empfehlenswert ist es, so unbelastet und unwissend wie möglich in „Das Drama“ zu gehen. Es wird sich lohnen. Zu verdanken ist das neben dem starken Drehbuch in erster Linie den Darstellerleistungen.
Allen voran Zendaya und Robert Pattinson wirken als Emma und Charlie uneingeschränkt authentisch – sowohl in ihrer Liebe und Anziehung zueinander als auch in ihrer sich im Laufe des Films immer weiter steigernden Verzweiflung. Beide zeichnen sich auch über ihre teils skurrilen Eigenarten aus. Es sind Macken von der Sorte, die man liebt, weil man so stark für den dazugehörigen Menschen empfindet. „Das Drama“ vermittelt all das innerhalb kürzester Zeit – elegant erzählt, unter anderem über die Hochzeitsrede von Charlie, die dieser mit seinen Freund und Trauzeugen Mike bespricht.
Mein schlimmstes Geheimnis: Wie würde sie/er reagieren?
„Das Drama“ macht es einem einfach, Charlie und Emma in sein Herz zu schließen und baut somit eine deutliche Fallhöhe auf. Wir leiden mit beiden Charakteren und stellen uns gleichzeitig selbst die wesentlichen Fragen, die der Film aufwirft: Wie würde ich in dieser Situation reagieren? Was ist eigentlich das Schlimmste, was ich jemals getan habe – und was wäre, wenn meine Partnerin oder mein Partner davon erfahren würde? Auch mithilfe dieser Gedankenspiele gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Kristoffer Borgli (u.a. „Dream Scenario“ mit Nicolas Cage) sein Publikum aufzuwühlen.
Geboten wird uns ein packendes und intensives Filmerlebnis, das einen über die gut einhundertminütige Laufzeit hinaus nicht loslässt. Wegen der effizienten Inszenierung des Kennen- und Liebenlernens von Emma und Charlie bleibt anschließend noch genug Zeit für den eigentlichen Konflikt in all seinen Facetten. Dabei punktet „Das Drama“ auch mit einer oft absurden, schwarzhumorigen Komik, die jedoch nie über die dahinterliegende Tragik hinwegzutäuschen versucht.
„Das Drama“ oder auch eine der besten Leistungen von Robert Pattinson und Zendaya
In einer frühen Szene sagt Charlie zu Emma, wie sehr er es liebt, dass sie es immer schafft, sein Drama in eine Komödie zu verwandeln. Je länger der Film läuft, desto mehr verkehrt er selbst sich zu einer Tragödie. Aus Anziehung droht Abstoßung zu werden – und das obwohl oder auch gerade deswegen, weil der eine die andere noch besser kennenlernt. Was „Das Drama“ so intensiv macht, sind die enormen Spannungen zwischen den Charakteren. Diese haben es so sehr in sich, dass man sich bei den schwarzhumorigen Momenten zwischendurch für ihr Auflockern persönlich bedanken möchte.
„Das Drama“ fordert uns in vielerlei Hinsicht: Es weckt unsere Empathie, lässt uns unsere eigenen Moralvorstellungen und Glaubenssätze hinterfragen und konfrontiert uns mit einer enorm tragischen Handlung. All das entlädt sich in einem aufwühlenden Finale, abgerundet von einem emotionalen Schlusspunkt. Nicht zum ersten Mal stellen Zendaya und Robert Pattinson ihr Können unter Beweis. Sie beide liefern eine der besten Leistungen ihrer bisherigen Karrieren ab.
Die zwei Ausnahmeschauspieler sind neben „Das Drama“ in diesem Jahr in zwei weiteren Filmen zusammen auf der Leinwand zu sehen: in „Dune 3“ von Denis Villeneuve sowie in Christopher Nolans „Die Odyssee“. Immerhin ein schwacher Trost nach diesem emotionalem Drama.
„Das Drama“ mit Zendaya und Robert Pattinson läuft seit dem 2. April 2026 in den deutschen Kinos.