Im Interview

"Finde meinen Handykonsum schwierig": Judith Hoersch plädiert für ein Social-Media-Verbot

02.04.2026, 10.10 Uhr
Judith Hoersch, bekannt als Hebamme Lena Lorenz in der ZDF-Serie, spricht über die Herausforderungen des Berufs, die Bedeutung von Social Media und ihren persönlichen Weg zu Gleichberechtigung und innerem Frieden.

Ärzte und Ärztinnen werden "Götter in Weiß" genannt. Für Hebammen, die fast jedem Menschen auf die Welt helfen, gibt es kein vergleichbar lobendes Synonym. Und man weiß: Nicht nur das Pflegepersonal ist chronisch unterbesetzt, auch Hebammen kämpfen mit einem Mangel an Kolleginnen und Kollegen sowie mit hohen Einstiegshürden. Was sie entlasten könnte, erklärt Judith Hoersch (45), die seit 2019 die Titelheldin und Land-Hebamme in der beliebten ZDF-Heimatreihe "Lena Lorenz" verkörpert, im Interview. Die Schauspielerin setzt sich nicht nur für Hebammen ein, ihr geht es im Gespräch auch um die Aufklärung im Umgang mit Sozialen Medien, sie macht sich für Mütter und für Frauen im Allgemeinen stark. Die gebürtige Kölnerin lebt im halbjährlichen Wechsel in Berlin und im Berchtesgadener Land, erzieht eine Tochter und schreibt Bücher. Wie sie alles unter einen Hut bringt und wie sie es im Laufe der Jahre schaffte, inneren Frieden zu finden, erklärt sie anlässlich des Starts der zwölften Staffel am Donnerstag, 9. April, um 20.15 Uhr.

prisma: Frau Hoersch, vor drei Jahren kritisierten Sie im Interview unter anderem die Einstiegshürden für Hebammen. Seitdem ist ein Bachelorstudium Voraussetzung für den Berufszugang. Wie stehen Sie heute dazu?

Judith Hoersch: Ich stehe der Akademisierung dieses Berufs skeptisch gegenüber. Man könnte auch darüber nachdenken, mehr Frauen den Einstieg in angrenzende Berufe zu erleichtern – etwa als Mütterpflegerin. Das sind keine Hebammen, sie arbeiten aber eng mit ihnen zusammen. Viele sind zusätzlich Stillberaterin, helfen aber auch im Haushalt, erledigen Einkäufe und können mit Neugeborenen umgehen. Sie arbeiten genau an der Schnittstelle, an der der Hebammenberuf oft an seine Grenzen stößt. Eine Hebamme hat nur ein begrenztes Zeitkontingent.

prisma: Sind Hebammen sowohl in einer Klinik als auch in ihrer freiberuflichen Tätigkeit oft überlastet?

Hoersch: Ja, im Normalfall bleibt oft nur ein Terminfenster von etwa 45 Minuten. Wenn eine junge Mutter sich zum Beispiel nach einem Kaiserschnitt kaum bewegen kann, vielleicht noch ein älteres Kind hat und das Baby wenig schläft, stellt sich die Frage: Was kann die Hebamme in dieser kurzen Zeit wirklich leisten? Gerade in solchen Situationen brauchen viele Mütter zusätzliche Unterstützung. Mütterpflegerinnen können diese Hilfe bieten – und werden teilweise auch über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet.

"Oft fühlen sich Frauen mit ihren Problemen und Sorgen alleingelassen"

prisma: Inwiefern kann die Reihe "Lena Lorenz" auf die Gesellschaft einwirken?

Hoersch: Ich finde es wichtig, dass man sieht, wie hart Hebammen arbeiten. Ebenso wichtig ist es, dass jeder weiß, dass nicht immer alles glattläuft. Oft fühlen sich Frauen mit ihren Problemen und Sorgen alleingelassen. Wir zeigen: Alles ist sehr menschlich. Wir Frauen sollten uns viel mehr untereinander austauschen. Eine Bilderbuch-Geburt, wenn man es so nennen möchte, erleben Frauen nur in seltenen Fällen. Darum ist eine Hebamme, die keine geregelten Arbeitszeiten hat und mit den Problemen des Lebens jonglieren muss, eine passende Hauptfigur. Für mich ist diese Art Frau eine wahre Heldin.

prisma: Frauen, die mit Alltagsproblemen zu kämpfen haben?

Hoersch: Frauen, die kleine Kinder haben oder ihre Eltern pflegen, leisten oft Unglaubliches. Viele von ihnen gehen zusätzlich arbeiten und stellen sich selbst ganz hinten an. Wir sind noch lange nicht auf einem wirklich gleichberechtigten Level. Natürlich gibt es Serien mit starken, weiblichen – manchmal auch polarisierenden – Hauptfiguren, aber dass sich eine Reihe so lange mit einer Frau im Zentrum trägt, finde ich bemerkenswert. Auch deshalb, weil wir viele Themen enttabuisieren.

prisma: So wie in der kommenden Staffel. Unter anderem Online-Spielsucht und emotionale sowie körperliche Ausbeutung junger Frauen werden thematisiert. Wird "Lena Lorenz" politischer?

Hoersch: Die Mischung macht's. Es wird auch weiterhin Folgen geben, die unbeschwert daherkommen. Gleichzeitig greifen wir aber auch immer wieder schwierigere Themen auf. Dabei geht es uns jedoch nicht darum, politischer zu werden. Wir wollen vielmehr ein möglichst breites Spektrum abdecken. Dazu gehören eben auch Themen wie Sternenkinder, Kaiserschnittgeburten, suchtkranke Menschen oder ungewollte Schwangerschaften. Manche vermissen bei leichteren Folgen jedoch die Tiefe. Man kann es nie allen recht machen. Wir lassen die Zuschauer aber nicht mit sozialen Dramen allein ins Bett gehen. Meist steht am Ende ein Happy End – oder zumindest ein versöhnliches Ende, das sich an aktuellen Themen orientiert.

prisma: So wie in Folge zwei, "Loverboy". Passend dazu gibt es eine aktuelle Präventionskampagne des BKA, die sich vor allem an junge Frauen unter 21 Jahren richtet, die Gefahr laufen, auf diese gleichnamige Masche hereinzufallen.

Hoersch: Aufklärung ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig! Ich glaube, dass einige junge Frauen dafür anfällig sind, weil es zu wenige gute Vorbilder gibt. Oder sie suchen sich online die falschen Vorbilder. Das liegt daran, dass sie zu jung in die Onlinewelt eingetaucht sind. Als Erwachsene kann ich besser unterscheiden, was echt ist und was gefährlich werden könnte. Gerade jungen Mädchen – eher mit zwölf oder dreizehn als mit einundzwanzig – fehlt jedoch oft die Unterstützung, sei es aus dem Elternhaus, aus der Schule oder durch andere Bezugspersonen. Genau dort setzt die sogenannte Loverboy-Masche an.

"Wir erwarten von unseren Kindern einen Regulationsmodus, den wir selbst nicht haben"

prisma: Das ist zwar kein neues Phänomen, hat aber durch das Internet an Bedeutung gewonnen.

Hoersch: Das, was in der Folge recherchiert wird, basiert auf einem Text, der tatsächlich genauso im Internet zu finden ist. Wir haben ihn nicht erfunden. Die Täter wählen ihre Opfer sehr gezielt aus – oft mit Erfolg, da vielen Jugendlichen unter anderem die Medienkompetenz fehlt.

prisma: Haben Sie für sich schon eine Antwort auf die folgenden Fragen gefunden? "Wann bekommt meine Tochter ein Handy, und wann darf sie in die Social-Media-Welt eintauchen?"

Hoersch: Ich würde das Handy so spät wie möglich erlauben und Social Media am liebsten so lange es geht verbieten, wenn ein Gesetz erlassen würde. Natürlich bin ich mir aber darüber im Klaren, dass ich Diskussionen mit meinem Kind haben werde. Ich finde meinen eigenen Handykonsum ja schon schwierig. Stichwort Instagram. Ich scrolle und scrolle ... und frage mich dann: "Was tue ich meinem Gehirn damit an?" Natürlich ist Instagram für mich ein wichtiges Tool, um meine Arbeit vorzustellen und Kontakte zu knüpfen. Ich bin jedoch ganz klar für ein Verhängen von Verboten – wie beim Alkohol, auch wenn das nicht das Problem an der Wurzel löst.

prisma: Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren?

Hoersch: Ich finde 14 immer noch zu früh, 16 wäre besser. Ich weiß, das klingt hart. Aber wir erwarten von unseren Kindern einen Regulationsmodus, den wir selbst nicht haben. Damit meine ich nicht, dass wir ihnen das Handy vorenthalten sollen, denn natürlich müssen sie auch irgendwie kommunizieren können. Ach, ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich sehe die Alarmzeichen einfach deutlicher als die Chancen.

prisma: Ist das nicht etwas rückständig heutzutage?

Hoersch: Ganz ehrlich: Das Argument von Eltern, ihre Kinder könnten technisch nicht mehr mithalten, wenn sie erst ab einem gewissen Alter ein eigenes Smartphone oder Zugang zu sozialen Medien erhalten, ist Quatsch. Meine sechsjährige Tochter weiß zum Beispiel schon, wie man ein Handy entsperrt und wie die Spotify-App aussieht. Kinder wachsen mit Technik auf, weil wir sie als Eltern permanent nutzen. Es steht und fällt mit der Aufklärung und unserem Bildungssystem. Wir müssen diese Diskussion weiterführen und auf die Gefahren aufmerksam machen.

"Wer anders aussieht, hat schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein"

prisma: Wenn wir über Social Media sprechen, dann müssen wir zwangsläufig auch über Schönheitsideale sprechen. Fühlen Sie sich unter besonderem Druck, einem Ideal zu entsprechen?

Hoersch: Nicht mehr. Ich finde es wichtig, meinem eigenen Kind ein gesundes Selbstbild vorzuleben. Dazu gehört, mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich bin schon lange im Geschäft und entspreche vermutlich dem klassischen Schönheitsideal: Ich bin groß, blond und schlank. Mit den Werten, die ich vermitteln möchte, fühle ich mich Kate Winslet durchaus nahe. Aber dorthin zu kommen, war ein Prozess. Lange habe ich – wie viele in der Branche – darauf geachtet, möglichst dünn zu sein. Dieses Ideal ist sehr präsent, und trotzdem spricht kaum jemand darüber.

prisma: Obwohl man in den letzten Jahren eine Entwicklung hin zu mehr Bodypositivity beobachten konnte?

Hoersch: Ich freue mich immer, wenn ich Kolleginnen sehe und denke: "Ach, eine ganz normale Frau – wie schön, die gibt es also auch noch." Damit meine ich nicht, dass es keine dünnen Schauspielerinnen mehr geben soll. Aber so vielfältig, wie die Besetzungen insgesamt sein sollen, so vielfältig sollten auch die Körperformen sein. Auch wir Schauspielerinnen sind Vorbilder. Wenn im deutschen Fernsehen überwiegend Menschen zu sehen sind, die Kleidergröße 32, 34 oder 36 tragen, wird unterschwellig ein bestimmtes Schönheitsbild vermittelt. Wer anders aussieht, hat schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das ist ein generelles Problem, das nicht nur das Fernsehen betrifft, sondern auch Instagram, TikTok und die Medien insgesamt.

prisma: Ein Problem, mit dem Sie mittlerweile nicht mehr kämpfen müssen?

Hoersch: Mit der Zeit merkte ich, wie ich mich immer mehr gegen utopische Erwartungen, Druck und Schönheitsbilder sträubte. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe auch schon jede Diät ausprobiert, die es auf diesem Planeten gibt, bis mir klar wurde: Das bin einfach nicht ich. Ich habe einen sportlichen Körper, und das ist schön. Ja, ich kenne das Wertesystem, nach dem man sich super fühlt, wenn man sehr dünn ist. Aber das ist krank. Ich mache da nicht mehr mit. Irgendwann habe ich damit aufgehört und mir gesagt: Ich werde jetzt 45 Jahre alt, ich mache diesen Beruf seit über 25 Jahren. Irgendwann ist Schluss. Ich möchte nicht diese Frau sein, die dieses Bild für andere Frauen projiziert. Das heißt nicht, dass ich mich gehen lasse – im Gegenteil, ich achte sehr genau auf mich.

"Ich gewinne auch ein kleines Stück Freiheit zurück"

prisma: Und das in einem turbulenten Leben als Karrierefrau und Mutter zwischen Set und Schreibtisch – wird es entspannter, wenn die Kinder älter werden?

Hoersch: Es wird ein bisschen einfacher, da Kinder mit jedem Jahr selbstständiger werden. Sie haben eigene Freundeskreise und soziale Strukturen. Natürlich habe ich weiterhin großen Einfluss, aber ich gewinne auch ein kleines Stück Freiheit zurück. Wie bekomme ich alles unter einen Hut? Ich glaube, mit einer Mischung aus minutiöser Planung und großer Flexibilität. Früher durfte nichts dazwischenkommen, wenn ich schreiben wollte. Heute ist das anders. Wenn ich weiß, dass ich eine Stunde Zeit habe, dann nutze ich diese eben zum Schreiben.

prisma: Wo bleibt da noch Zeit für Freizeit?

Hoersch: Nicht allzu viel (lacht). Ich bin auch einfach nicht wie die anderen Schauspieler und Schauspielerinnen, die abends ins Hotel gehen und noch ein Bierchen trinken. Ich schreibe dann eben noch. Ich glaube, dass das Schreiben für mich keine Bürde ist, sondern etwas, das mein Leben extrem bereichert. Es ist einfach eine Frage des Wollens und des Durchhaltens.

"Wir Frauen dürfen uns ruhig öfter auf unseren Instinkt verlassen"

prisma: Viele Influencerinnen zeigen sich betroffen darüber, dass Kritik am eigenen Lebensmodell vor allem von anderen Frauen und Müttern kommt. Nehmen Sie das auch so wahr?

Hoersch: Vor allem ältere Frauen sind oft davon überzeugt, für jede von uns den richtigen Weg zu kennen, ohne zu differenzieren. Natürlich meinen es viele Leute gut, beispielsweise Freunde und Familie, aber ein Ratschlag ist eben auch ein Schlag. Ich kenne auch Situationen, in denen andere über das Ziel hinausgeschossen sind.

prisma: Zum Beispiel?

Hoersch: Als ich einmal abends unterwegs war, fragte mich ein Bekannter, wo meine Kinder seien. Er hat auch Kinder, so viel vorweg. Ich antwortete: "Wo sind denn deine Kinder?" Er schien ganz verblüfft: "Bei meiner Frau natürlich." Daraufhin entgegnete ich: "Ja, siehst du! Und meine Tochter ist bei ihrem Vater." Warum müssen wir Frauen und Mütter uns in vergleichbaren Situationen eigentlich immer noch rechtfertigen? Das ist einfach anstrengend.

prisma: Was raten Sie jungen Müttern, die sich in ähnlichen Diskussionen wiederfinden?

Hoersch: Jeder sollte einfach etwas mehr in sich selbst reinhorchen, als nur auf andere zu hören. Wir Frauen dürfen uns ruhig öfter auf unseren Instinkt verlassen.

prisma: Ist Mutterschaft heute freier oder komplizierter?

Hoersch: Beides. Einerseits ist Mutterschaft freier, weil es heutzutage mehr Möglichkeiten gibt. Es ist glücklicherweise anerkannt, dass Frauen in ihren Beruf zurückkehren wollen – teilweise müssen sie es sogar. Die Doppelbelastung in vielen Familien, weil es nicht mehr ausreicht, wenn nur einer verdient, ist für viele eine große Herausforderung. Andererseits sehen wir Frauen uns einer anderen Art von Druck ausgesetzt, einer moderneren Art. In den sozialen Medien wird uns permanent gezeigt, was alles "perfekt" sein muss. Wenn sich dann eine der Royals wieder drei Tage nach der Geburt im Zweiteiler auf acht-Zentimeter-Manolo-Blahniks zeigt, frage ich mich unweigerlich: "Was stimmt hier nicht?" Ich bin also generell einfach für mehr Authentizität und Realität – nicht nur online ...

"Wenn wir mit Normen und vorgelebten Mustern brechen, wird es holprig"

prisma: In Ihrem Debütroman "Niemands Töchter" setzen Sie sich mit genau diesen Konflikten rund um die Themen Mutterschaft und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben auseinander. Hatten Sie selbst Schwierigkeiten bei dieser Suche?

Hoersch: Ja, natürlich. Wie jeder andere Mensch auch. Wenn wir mit Normen und vorgelebten Mustern brechen, wird es holprig. Ich hatte Glück, weil meine Eltern selbst Ausreißer waren, die letzten Hippies sozusagen (lacht). Sie wollten damals einfach weg aus der sehr katholischen Eifel. Sie lebten mir immer vor, wie wichtig es ist, seinen Interessen zu folgen. Nicht immer ist die Kernfamilie das Zuhause eines Menschen. Viele finden ihr Zuhause erst später in Freundschaften oder im Partner. Ich brauche beispielsweise die innere Sicherheit, zu wissen, wer ich wirklich bin, und den Frieden mit mir selbst.

prisma: Was würden Sie Ihrem 20-jährigen Ich mit dem Wissen von heute raten?

Hoersch: Der 20-jährigen Judith würde ich sagen, dass sie sich entspannen kann. Alles wird sich fügen. Mit 20 war ich sehr getrieben. Manche sind Frühblüher und haben ihre besten Jahre in den Zwanzigern – ich zähle einfach nicht zu dieser Gruppe Menschen (lacht).

prisma: Ans Aufhören mit "Lena Lorenz" denken Sie noch nicht?

Hoersch: Nein, ans Aufhören denke ich nicht. Gerade in einer Medienwelt, die sich so stark verändert, empfinde ich es als großes Glück, eine solche Rolle spielen zu dürfen. Mir ist bewusst, dass es auch ganz anders laufen könnte. Ich kenne viele großartige Schauspielerinnen und Schauspieler, die kaum wissen, wie sie ihre Miete bezahlen sollen – und das hat nichts mit ihrer Qualität zu tun. Natürlich ist es auch schön, zwischendurch etwas anderes zu machen – und zu merken: Der Muskel funktioniert noch.

"Bei aller Tiefe gibt es aber auch eine Vereinbarung mit dem Publikum: Am Ende wird alles gut"

prisma: Sie leben immer noch im Halbjahreswechsel zwischen Berlin und dem Berchtesgadener Land?

Judith Hoersch: Ja, genau. Aktuell bin ich allerdings in Köln und drehe für den "Tatort Münster". In der Jubiläumsfolge habe ich eine schöne Episodenrolle. Danach geht es kurz nach Berlin zum Packen, das wird sportlich (schmunzelt). Und dann geht es nach Berchtesgaden.

prisma: Geht Ihnen das Hin und Her nicht irgendwann auf die Nerven?

Hoersch: Nein, ehrlich gesagt freue ich mich immer auf den Wechsel. Es war ein wundervolles, sehr ereignisreiches halbes Jahr. Mein Roman kam raus, ich nahm dazu das Hörbuch auf ... Deshalb freue ich mich zwischendurch auf gute Landluft und Ruhe.

prisma: Berchtesgaden ist dafür die richtige Anlaufstelle – und mit ein Grund, warum Zuschauende einschalten. Was macht die Reihe sonst so erfolgreich?

Hoersch: Ich kann nur mutmaßen. Meiner Einschätzung nach berührt das Thema jedoch sehr viele Menschen. Als Hebamme ist Lena Lorenz immer ganz am Anfang dabei – beim Start ins Leben. Ob Familiengründung oder Familienprobleme: Das betrifft irgendwie alle. Ich glaube, deshalb gewinnen wir auch zunehmend ein jüngeres Publikum.

prisma: Etwas, das im Hinblick auf Konkurrenzfähigkeit mit Streamingdiensten immer wichtiger wird.

Hoersch: Ja, genau. Wir versuchen, moderne Geschichten zu erzählen. Gleichzeitig gibt es die zentrale Lena-Lorenz-Familie, die alles andere als perfekt ist. Es ist also nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Bei aller Tiefe gibt es aber auch eine Vereinbarung mit dem Publikum: Am Ende wird alles gut. In einer Zeit voller Krimis und Thriller sehnen sich viele Menschen vielleicht auch nach Geschichten über Zusammenhalt, nach einer Familie, die trotz aller Konflikte füreinander einsteht. In einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, ist das, glaube ich, ein sehr ansprechendes Thema.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das könnte dich auch interessieren