Astrid Lindgren

Astrid Anna Emilia Ericsson
Lesermeinung
Geboren
14.11.1907 in Vimmerby, Schweden
Gestorben
28.01.2002 in Stochholm, Schweden
Sternzeichen
Biografie

Wenn Astrid Lindgren geahnt hätte, wieviel Erfolg sie mit ihren Kinderromanen einmal haben würde, hätte sie vermutlich eher mit dem Schreiben begonnen. Die schwedische Kinderbuchautorin verfasste erst mit 37 Jahren ihr erstes Buch: "Britt-Marie erleichtert ihr Herz" erschien 1944. Schon drei Jahre zuvor hatte sie die lustigen Geschichten mit "Pippi Langstrumpf" erfunden – oder besser gesagt, ihre Tochter Karin erfand die kecke Göre. Karin lag krank im Bett und dachte sich einfach den Namen "Pippi Langstrumpf" aus und schon war eine der berühmtesten Figuren der Kinderbuchliteratur geboren.

Der Weg von der Geburt der kleinen, liebenswerten Rebellin hin zwischen zwei Buchdeckel dauerte allerdings noch ein wenig. Erst im März 1944 reichte Astrid Lindgren die Geschichte der frechen Seemannstochter beim Albert Bonniers Förlag ein, erhielt aber eine Absage. Ein Jahr später hatte sie bei "Rabén & Sjögren" mehr Erfolg. Ein Erfolg, der nicht aufhörte und auch viele Jahrzehnte später – auch nach Lindgrens Tod – noch anhält. Die Abenteuer des sommersprossigen Rotschopfes kamen bei den Lesern derart gut an, dass man aus den Pippi-Abenteuern 1969 eine erste Kinderserie strickte – weitere filmische Versuche folgten, kamen jedoch nie an die Version mit Inger Nilsson als Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf heran.

Astrid Lindgren hatte einen Kinderbuchklassiker geschaffen, der auch 2020, 75 Jahre nach dem ersten Erscheinen, noch aktuell wirkt, und immer noch von Kindern (und vielen Erwachsenen) heiß und innig geliebt wird. Doch bei all den Erfolgen und Lobhudeleien, an Pippi scheiden sich die Geister – nicht jeder Pädagoge heißt die "Rebellin in Ringelstrümpfen" gut und Lindgrens Wortwahl wurde in den letzten Jahrzehnten des Öfteren der Politischen Korrektheit angepasst. Ein Schicksal, dem sich viele Bücher – vor allem Kinderbücher – ergeben mussten. Dass sich das neunjährige Mädchen zur Ikone der Kinderbewegung erhob und mit ihrem nonkonformistischen Verhalten auch als Autonome oder Anarchistin gefeiert wurde, ist nur eine Seite.

Die andere ließ Pippi zum literarischen Vorbild für die Frauenbewegung werden, da sie mit den gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen bricht. Pippi ist stark, verwegen und ungehemmt und sagt Mädels ganz klar: "Habt Spaß und glaubt an euch selbst und eure Fähigkeiten!"

Es ist fast schon ein bisschen enttäuschend, denn wenn man als Pippi-Fan auf das restliche Œuvre Lindgrens schaut, dann vermisst man ähnlich starke Heldinnen in ihren anderen Geschichten. Lindgren war ungemein kreativ und konnte sich hervorragend in die Phantasie der Kinder hineindenken. Produkte ihres Könnens: "Wir Kinder aus Bullerbü", die Streiche des Lausbuben "Michel", des fliegenden "Karlsson" und "Ronja, die Räubertochter". Alles bekannte Erzählungen, die auch auf Zelluloid gebannt wurden, und doch verblassen sie ein wenig hinter der grellbunten Pippi-Langstrumpf-Welt.

Zum anderen – und das ließ seinerzeit aufhorchen: Bei Oettinger erschien im Oktober 2007 die "Ur-Pippi (bei Amazon bestellen)", die Erstfassung des Welterfolgs, die zu drucken in den Fünfziger Jahren kein Verlag wagte. Der nackte Aufruhr, die pure Anarchie, ein Appell nicht zur Schule zu gehen und weder Eltern noch Polizisten zu gehorchen. Ein anarchisches Programm.

Ein Werk, das in einer besonderen Weise hervorsticht, und im Gegensatz zu den vielen heiteren Kindergeschichten durch eine durchgehend melancholische Stimmung in Erinnerung bleibt, ist die Geschichte der Brüder Löwenherz, das 1973 erschien. Einmal mehr sorgte Astrid Lindgren für einen Aufschrei. Der Abenteuerroman, ein Märchen über den Kampf zwischen Gut und Böse, ein Roman, der vom Tod handelt, aber auch vom Widerstandskampf gegen einen Unterdrücker, war den Rezensenten nicht realistisch genug, nicht zeitgemäß. Doch auch Krümel und Jonathan fanden ihre Fans unter den treuen Astrid-Lindgren-Anhängern.

Astrid Lindgren war über so viele Jahrzehnte die Geschichtenerzählerin mehrerer Generationen und doch nie der klassische Großmuttertyp. Sie war immer eine Spur tougher, emanzipierter und weit entfernt von den Großeltern, wie sie in ihren Büchern auftauchten. Wenn man an Astrid Lindgren denkt, dann kann man sie sich eher als Streiterin für Kinderrechte, denn als kuchenbackende Omi vorstellen.

Die Idylle ihrer Bücher, die Bullerbü-Romantik, das leichte Sommerschweden von Saltkråkan, fand sich nicht in ihrem eigenen Leben. Das war nie so rosig, wie sie es selbst gern darstellte. So entzaubert Maren Gottschalk in ihrer Biographie "Jenseits von Bullerbü. Die Lebensgeschichte der Astrid Lindgren (bei Amazon bestellen)" die heile Welt der wahren Astrid Lindgren recht drastisch: Mit 19 hat sie abhauen müssen aus Vimmerby, diesem vermeintlichen Paradies, weil sie ein uneheliches Kind von einem verheirateten Mann erwartete, dem Chef der Zeitung "Vimmerby Tidning". Pikant und nicht ungefährlich, weil Ehebruch im Schweden der Zwanzigerjahre noch ein Straftatbestand war. Die ersten drei Jahre hat sie ihren kleinen Sohn in einer ziemlichen Nacht-und-Nebel-Aktion nach Kopenhagen verbannt.

2018 sorgte genau diese Geschichte, verfilmt von Pernille Fischer Christensen, für Schlagzeilen. Das Leben Astrid Lindgrens, das so gar nicht vom Bullerbü-Idyll geprägt war, rüttelte zu sehr an dem Bild, das man sich all die Jahre von der schwedischen Geschichtenerzählerin gemacht hatte. Darf man die Realität so scharf zeichnen? Lindgrens Tochter Karin kritisierte den Film (Astrid) scharf. Er sei zu privat.

Der Film endet in den 30er Jahren und somit weit vor den Autoren-Erfolgen Lindgrens. Auch in den folgenden Jahren war ihr Leben nicht rosarot. Die spätere Ehe mit Sture Lindgren: trostlos. 1952 wurde sie Witwe. Der Mann starb im Alkohol-Delirium. Bullerbü, das Schweden der Kindergeschichten, war nicht zuletzt als Gegenentwurf zur realen Existenz zu lesen.

Astrid Lindgren schrieb insgesamt mehr als 70 Kinderbücher, Drehbücher und Theaterstücke, die in 106 Sprachen übersetzt und über 165 Millionen mal verkauft wurden. Alleine in Deutschland liegt die Gesamtauflage bei weit über 20 Millionen Exemplaren. 1978 erhielt sie als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im Oktober 1994 wurde ihr zudem der Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises verliehen. Darüberhinaus wählte man sie 1999 zur "Schwedin des Jahrhunderts".

Am 28. Januar 2002 starb Astrid Lindgren im Alter von 94 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in Vimmerby im südschwedischen Småland.

Filme nach Büchern von Astrid Lindgren: "Kalle Blomquist lebt gefährlich" (1953), "Kalle und das geheimnisvolle Karussell" (1956), "Kalle Blomquist - sein schwerster Fall" (1957), "Die Kinder von Bullerbü" (1961), "Die Kinder von Bullerbü" (1961, TV-Serie), "Ein Wiedersehen auf Bullerbü" (1961), "Ferien auf Saltkrokan - Ferien auf der Kräheninsel" (1962), "Ferien auf Saltkrokan: Der verwunschene Prinz" (1964), "Ferien auf Saltkrokan: Das Trollkind" (1965), "Ferien auf Saltkrokan: Die Seeräuber" (1966), "Ferien auf Saltkrokan - Glückliche Heimkehr" (1967), "Pippi Langstrumpf" (1968), "Pippi Langstrumpf: Pippi geht von Bord" (1968), "Pippi im Taka-Tuka-Land" (1969), "Pippi außer Rand und Band" (1970), "Michel in der Suppenschüssel" (1971), "Michel aus Lönneberga" (1972, TV-Serie), "Immer dieser Michel" (1972), "Michel bringt die Welt in Ordnung" (1973), "Karlsson auf dem Dach" (1974), "Die Brüder Löwenherz" (1977), "Madita" (1979), "Madita und Pim" (1980), "Rasmus und der Vagabund" (1981), "Ronja, die Räubertochter" (1984), "Wir Kinder aus Bullerbü" (1986), "Neues von uns Kindern aus Bullerbü" (1986), "Pippi Langstrumpfs neueste Streiche" (1987), "Mio, mein Mio" (1987), "Allerliebste Schwester" (1988), "Goldi" (1989), "Gute Nacht, Herr Landstreicher" (1989), "Im Wald sind keine Räuber" (1989), "Wer springt am höchsten?" (1989), "Etwas Lebendiges für den lahmen Peter" (1989), "Nils Karlsson Däumling" (1990), "Pelle zieht aus" (1990), "Peter und Petra" (1990), "Lotta aus der Krachmacherstraße" (1992), "Lotta" (1992, TV-Serie), "Lotta: Umzug auf den Dachboden" (1992), "Polly hilft der Großmutter" (1992), "Lotta: Weihnachtsmänner zu Ostern" (1992), "Lotta zieht um" (1993), "Kalle Blomquist - Sein neuester Fall" (1997), "Meisterdetektiv Kalle Blomquist lebt gefährlich" (1997), "Pippi Langstrumpf" (1997, Trick), "Pippi Langstrumpf in der Südsee" (1999, Trick), "Karlsson vom Dach" (2002, Trick), "Tomte Tummetott und der Fuchs" (2007).

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