Lena Endre

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Lena Endre als Erika Berger in der "Millennium-Reihe" nach Stieg Larsson
Lena Endre
Geboren: 08.07.1955 in Lidingö, Stockholms län, Schweden
Sternzeichen: Krebs

Ingmar Bergman fragte einst einen berühmten Geiger, warum es für ihn so wichtig sei, auf einer Stradivari zu spielen. Der berühmte Geiger antwortete, dass die Stradivari mit ihm spiele und ihm erklären würde, was er zu tun habe. Diese Erklärung zog Ingmar Bergman hinzu, als es darum ging, Lena Endre zu charakterisieren. Große Schauspieler seien wie eine Stradivari. Sie würden Impulse zurückgeben, den Regisseur anregen und inspirieren. Es würde eine gewisse Magie entstehen, wenn man mit einem großen Schauspieler arbeiten darf und Lena Endre sei eine solche große Schauspielerin - eben eine Stradivari. Dass sie den "Segen" des großen schwedischen Regisseurs hatte, wurde schon recht früh deutlich. Als Lena Endre nach ihrer Ausbildung an der Theaterschule in Stockholm eine durchgehende Hauptrolle in der Fernsehserie "Varuhuset" (1987-88) erhielt, fiel sie nicht nur dem breiten Publikum auf, sondern auch dem genialen Filmemacher, der in einem späteren Interview über Lena Endre sagte, dass er die Fernsehserie nur ihretwegen geschaut habe.

Dass die hübsche Schwedin mit den graugrünen Augen ihren Weg auf die Bühne und vor die Kamera fand, war nicht von Anfang an klar. In der Schule bekam sie Herzklopfen, sobald sie vor einer Gruppe reden musste, Auftritte auf Familienfeiern hasste sie ebenfalls. Nach dem Gymnasium studierte sie Meeresbiologie - Jacques Cousteau war ihr Vorbild -, brach das Studium jedoch nach wenigen Monaten ab. Anschließend suchte sie, wie sie selbst einmal in einem Interview sagte, den Sinn ihres Lebens, wohnte in einem Kollektiv, heiratete einen Musiker, erlebte eine herzzerreißende Liebesgeschichte und floh für eine kurze Zeit nach Marokko, wo sie ihr Leben in den Griff bekommen wollte. Nach ihrer Rückkehr nach Stockholm arbeitete sie als Sekretärin, obwohl sie keinerlei Berufserfahrungen vorweisen und noch nicht einmal tippen konnte. Der Job war für Lena Endre der Sprung ins kalte Wasser. War sie vorher eher schüchtern, so sorgte ihr Chef nun dafür, dass sie viele Dinge ausprobieren und Arbeiten erledigen musste, für die ihr die Kenntnisse fehlten.

Bei einem Besuch in New York lernte sie Robert Broberg, einen schwedischen Sänger und Komponisten, kennen, der von ihr wissen wollte, wie sie sich ihr Leben vorstelle. Spontan antwortete Lena Endre: "Ich will die weltbeste Schauspielerin werden." Zurück in Stockholm nahm sie ihren neuen Berufswunsch in Angriff. Sie begann ihre Laufbahn als Amateurschauspielerin in Inge Waerns Theaterstudio. Hier lernte sie das Handwerk der Schauspielerei. Außerdem gründete sie mit einigen Freunden die freie Theatergruppe "Bellankåm", mit der sie in erster Linie Auftritte in Schulen und Kindergärten hatte. 1983 bewarb sie sich an der Schauspielschule in Stockholm und erhielt im ersten Anlauf einen Ausbildungsplatz. Zwei Jahre später gab sie ihr - unbeachtetes - Filmdebüt in "Inside Man - Der Mann aus der Kälte" an der Seite von Hardy Krüger. Zeitgleich stand sie im Rahmen ihrer Theaterausbildung in Malmö auf der Bühne, wo sie vor allem Aufsehen durch die Ballett-Inszenierung "Bad de deux" - ein Ballett in Rasierschaum - erregte. Die Inszenierung sollte ein Protest gegen das staubige Institutionstheater sein. 1986 erhielt sie den bereits erwähnten Part in der Fernsehserie "Varuhuset" ("Das Warenhaus"), der ihren Durchbruch bedeutete. Bevor sie auf die Figur der Ingrid Persson, einer Verkäuferin für Damenmode, festgelegt werden konnte, gab sie die Serien-Rolle jedoch auf.

Obwohl sie die "weltbeste Schauspielerin" werden wollte, nahm sie 1987 ein Engagement beim Königlich Dramatischen Theater (Dramaten) an, anstatt den Schritt nach Hollywood zu wagen. Sie bevorzugte das Spiel auf heimischen Bühnen unter Anleitung schwedischer Regisseure den B-Movie-Rollenangeboten aus Amerika. Eine Entscheidung, die für Lena Endres Karriere von großer Bedeutung war, da sie von Anfang an in Ingmar Bergman den entscheidender Förderer fand. Das Lob, dass sie vom Altmeister des schwedischen Films erhielt, gab sie Zeit seines Lebens an ihn zurück. Ihre erste gemeinsame Theaterarbeit war Eugene O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht " (1988). Lena Endre spielte hier eine kleine Rolle an der Seite von Peter Stormare. Es folgten größere Rollen unter der Leitung der schwedischen Regielegende: Solveig in "Peer Gynt" (1991), Marie Steuber in "Die Zeit und das Zimmer" (1993) und Elisabeth in "Maria Stuart" (2000). Zeitgleich sah man Lena Endre aber auch auf der Kinoleinwand und in schwedischen Fernsehserien. Dabei war sie durchaus nicht auf ernste Rollen festgelegt, sondern stellte auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis, so zum Beispiel in der Fernsehserie "Lorry" (1989).

1992 stand sie unter der Regie von Bille August für Ingmar Bergmans "Die besten Absichten" vor der Kamera. Im gleichen Jahr entstand Daniel Bergmans "Die Sonntagskinder" - ebenfalls nach einem Buch von Ingmar Bergman. In "Kristin Lavranstochter" (1995) und "Juloratoriet" (1996) schlüpfte sie einmal mehr in die Rolle einer starken, selbstständigen Frau. Für ihre Darstellung in Bille Augusts "Jerusalem" erhielt 1996 den schwedischen Filmpreis Guldbagge für die beste weibliche Nebenrolle. In "Ogifta par - en film som skiljer sig" (1997) zeigte sie sich erneut von ihrer komischen Seite. Außerdem konnte man sie in Ingmar Bergmans "Dabei: Ein Clown" sehen. Mit dem Thriller "Flucht ohne Ausweg" (1997) lieferte sie ihre erste gemeinsame Arbeit mit Richard Hobert ab. 1998 folgte mit "Das Auge" erneut eine Zusammenarbeit. Doch Lena Endre wollte nicht nur in den Filmen des schwedischen Regisseurs eine Rolle spielen, sondern auch in seinem Leben. Nach ihrer Trennung von Thomas Hanzon, mit dem sie von 1988 bis 1998 verheiratet war und mit dem sie zwei gemeinsame Kinder hat, heiratete sie im Juni 2000 Richard Hobert. Im gleichen Jahr folgte mit "Födelsedagen" die dritte berufliche Kooperation der beiden.

Für "Die Treulosen" erhielt sie 2000 ihren zweiten Guldbagge. In dem Ehedrama, das Liv Ullmann nach Ingmar Bergmans Drehbuch verfilmte, schlüpfte Lena Endre in die Rolle der Marianne, die mit Markus (gespielt von Thomas Hanzon) einem Dirigenten verheiratet ist, aber eine Affäre mit David, dem besten Freund der Familie, beginnt. Was folgt sind hässliche Szenen einer Ehe. In der Rolle das David sieht man Krister Henriksson, mit dem Lena Endre auch schon für Astrid Lindgrens "Pelle zieht aus" (1990), "Juloratoriet" und "Momente der Wahrheit" (1998) vor der Kamera stand.

2002 sah man die schwedische Charakerdarstellerin in Unni Straumes "Musik für Hochzeiten und Begräbnisse". Der schwedischen Regisseurin gelang hier ein beeindruckend inszeniertes Drama, das tief in das Seelenleben seiner Protagonistin hineinleuchtet. In der Hauptrolle der vom Leben gebeutelten Sara, die am Ende doch noch neuen Mut schöpft, konnte Lena Endre einmal mehr überzeugen, die zudem für ihre beeindruckende schauspielerische Leistung mit dem norwegischen Filmpreis Amanda ausgezeichnet wurde. Mit "Everyone Loves Alice" (2002) folgte erneut eine Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Richard Hobert. An ihrer Seite in dieser schwedischen Produktion: Pernilla August, Marie Richardson und Mikael Persbrandt, mit dem sie auch schon für "Gossip" (2000) vor der Kamera stand. 2004 folgten zwei weitere Filme an der Seite des beliebten schwedischen Darstellers: Richard Hoberts Historiendrama "Tre solar" und in Simon Stahos "Dag och natt". Darüber hinaus sah man Lena Endre in Paprika Steens Regiedebüt "Aftermath".

In den Verfilmungen von Stieg Larssons Millennium-Reihe: "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" schlüpfte sie in die Rolle der Herausgeberin Erika Berger, deren Part - entgegen ihrer Bedeutung für die Roman-Reihe - in den Filmen auf ein Minimum reduziert wurde. Überdies sah man sie 2009 erneut an der Seite von Krister Henriksson. Als neue Staatsanwältin Katarina Ahlsell gibt sie in "Mankells Wallander" den weiblichen Gegenpol zum Ystader Hauptkommissar: "Mankells Wallander - Die Schuld", "Mankells Wallander - Rache", "Mankells Wallander - Der Kurier", "Tjuven", "Cellisten", "Mankells Wallander - Eifersucht", "Mankells Wallander - Das Leck", "Mankells Wallander - Der Scharfschütze" und "Mankells Wallander - Todesengel". 2010 folgen weitere Episoden aus der Reihe rund um den südschwedischen Polizisten: ""Mankells Wallander - Das Gespenst", "Mankells Wallander - Das Erbe", "Mankells Wallander - Inkasso" und "Mankells Wallander - Die Zeugin". Lena Endre ist seit ihrem Debüt festes Ensemble-Mitglied am Königlich Dramatischen Theater (Dramaten).

Weitere Filme und Serien mit Lena Endre: "Mio, mein Mio" (Sprecherin, 1987), "The Visitors - Besucher im Haus", "Kråsnålen" (Mehrteiler, beide 1988), "Istanbul" (1989), "Trappen" (Mehrteiler, 1991), "Hedda Gabler" (1993), "Yrrol" (1994), "The Return of Jesus, Part II" (1996), "Svenska hjältar" (1997), "Från regnormarnas liv" (1998), "Fatimas tredje hemlighet", "Jävla Kajsa" (beide 1999), "Tystnadens röst" (2002), "Harrys döttrar" (2005), "Göta kanal 2 - Kanalkampen" (2006), "Himlens hjärta" (2008), "Engelen" (2009).

Foto: Yellowbird/Knut Koivisto


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