Ingmar Bergman

Ernst Ingmar Bergman
Geboren: 14.07.1918 in Uppsala, Uppland, Schweden
Sternzeichen: Krebs
Gestorben: 30.07.2007 in Fårö, Schweden

"Alles kann geschehen, alles ist möglich und wahrscheinlich. Die Gesetze von Raum und Zeit sind aufgehoben; die Wirklichkeit steuert nur eine geringfügige Grundlage bei, auf der die Phantasie weiter schafft und neue Muster webt, ein Gemisch von Erinnerungen, Erlebnissen, freien Erfindungen, Ungereimtheiten und Improvisationen". Es ist das Vorwort zum "Traumspiel" von Strindberg und es spielt in Ingmar Bergmans Spielfilm "Fanny und Alexander" von 1982 eine Schlüsselrolle, denn der kleine Alexander, dem Helena diese Zeilen vorliest, ist niemand anders als der kleine Ingmar, der später viele "Traumspiele" inszeniert hat - unter anderem diesen meisterhaften Film. Es sollte - wieder einmal - sein letzter sein, doch Dokumentarfilme und TV-Filme sind anschließend noch entstanden.

Ingmar Bergman, geboren als Sohn eines evangelisch-lutherischen Pfarrers am 14. Juli 1918 in Uppsala, wächst in einer Atmosphäre strengster Religiosität auf. Das Theater interessiert ihn schon früh, er inszeniert beim Studenten-Theater, später bei einer experimentellen Amateurbühne und schließlich geht er als 26-jähriger an die Städtischen Bühnen. Damals entstehen auch schon die ersten Drehbücher, er ist Regieassistent bei Alf Sjöberg und ein Jahr später selbst Regisseur: "Kris" (1945), "Es regnet auf unsere Liebe" (1946) und "Ein Schiff nach Indialand" (1947) heißen die ersten drei Arbeiten, Versuche - wie Bergman es selbst nennt. Die Themen entsprechen seinem Interessenbereich: Jugendliche im Konflikt mit der etablierten Welt der Erwachsenen. Meist sind es deprimierende Studien, hart realistisch, regnerisch-zugige Stimmungen, nur ganz hauchdünne Hoffnung.

Später wendet sich Bergman der Hoffnung und Hoffnungslosigkeit der Erwachsenen zu, mischt kunstvoll Studien des Alltags mit Szenen von überhöhter Lebensphilosophie, wobei stets ein tiefer Pessimismus als Grundstimmung bleibt, wenn diese auch gelegentlich durch Hoffnungsschimmer konterkariert wird. Typische Beispiele solcher Düsternis sind die Trilogie "Wie in einem Spiegel" (1960), "Licht im Winter (1961) und "Das Schweigen" (1962) und der ein paar Jahre später nach einem langen Sanatoriumsaufenthalt entstehende Ausdruck absoluter Leere "Persona". In seiner sehr beeindruckenden Monographie geht Hauke Lange-Fuchs sehr behutsam auf die Frage ein, wie sehr sich die Lebenserfahrungen und Kindheitstraumata in Bergmans Werke spiegeln und wie offen, verschlüsselt oder gar widersprüchlich sich Spuren des Gelebten in der Kunst wiederfinden, und dabei kommt der Autor zu dem Schluss: "Viele Zeugnisse aus seiner Heimat legen die Annahme nahe, dass Bergman die Fakten manipuliert, wie er es jeweils braucht. Oder empfindet". Das ist nicht der Vorwurf eines Falschmünzertums, sondern der Hinweis darauf, dass Bergman, wie jeder vielinterpretierte Künstler, sich um eine Mimikry bemüht.

Bei uns ist Bergman nur mittelbar über die Franzosen um die "Cahiers du Cinema" entdeckt worden. Jean-Luc Godard nennt ihn den "originellsten Autor des europäischen Films", Eric Rohmer bezeichnet "Das siebente Siegel" (1956) als Ingmar Bergmans "Faust": Die Kritiker und Regisseure der "Nouvelle Vague" haben in ihm wie bei vielen Klassikern des internationalen Films die Größe erkannt. In Cannes war er 1956 für "Das Lächeln einer Sommernacht" mit dem Großen Preis ausgezeichnet worden. In unserer maroden Kinolandschaft konnten erst "Skandale" wie die Vergewaltigungsszene in "Die Jungfrauenquelle" (1959) und Sex-"Stellen" im "Das Schweigen" (1962) Kinoerfolge provozieren. Ernsthaftes Interesse auf breiter Basis findet schließlich 1973 Bergmans Fernseharbeit "Szenen einer Ehe". Die sechsteilige Fernsehserie wird in einer Szenen einer Ehe zum Kinoerfolg in ganz Europa. Jetzt erkennt man auch bei uns Bergman als Erzähler realer Geschichten, in denen sich ein breites Publikum wiederfindet. Bald danach kommt die Presse wieder mit einem Skandal auf ihre Kosten: Bergman wird bei einer Theaterprobe verhaftet und wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Er zieht sich in eine psychatrische Klinik zurück und wandert in die Bundesrepublik aus. Der hier entstandene Film "Das Schlangenei" (1977) ist kaum vom bundesdeutschen Kinomief angesteckt.

1976 geschieht bei uns erstmals etwas mit Bergman, dass einem Skandal fernliegt: Die Stadt Frankfurt zeichnet ihn mit dem Goethe-Preis aus. Ein Preis, der deutlich macht, wie stark und wie direkt sich Bergmans Arbeit auf das moderne intellektuelle Kino ausgewirkt hat. Oft wird bei uns, wenn man von Woody Allens Kino spricht, auf Ingmar Bergman verwiesen und Allen selbst hat den großen Schweden immer als eines seiner Vorbilder bezeichnet. Selten aber hat man Gelegenheit, diese Bewunderung und die Einflüsse des frühen Bergman so verblüffend nahe nachzuvollziehen wie bei einem Film wie "Sehnsucht der Frauen" von 1952. Denkt man an "Hannah und ihre Schwestern" oder an "September" so wird man im frühen Bergman nicht nur Spuren wiedererkennen, sondern auch Woody Allens Meisterschaft bewundern können, wie er sein Vorbild in die moderne amerikanische Gesellschaft überführt. Ingmar Bergman - war einer der bedeutendsten Filmkünstler unserer Zeit, der von Kollegen wie Luis Buñuel und Akira Kurosawa bewundert wurde.

Weitere Filme von Ingmar Bergman: "Musik im Dunkeln", "Die Hafenstadt" (beide 1948), "Gefängnis", "Durst" (beide 1949), "An die Freude", "Menschenjagd" (beide 1950), "Einen Sommer lang" (1951), "Die Zeit mit Monika" (1952), "Abend der Gaukler" (1953), "Lektion in Liebe" (1954), "Frauenträume" (1955), "Bakomfilm smultronstället", "Herr Sleeman kommer", "Wilde Erdbeeren" (alle 1957), "Venetianskan", "Nahe dem Leben", "Rabies", "Das Gesicht" (alle 1958), "Die Jungfrauenbrücke", "Das Teufelsauge" (beide 1960), "Ett Drömspel", "Ach, diese Frauen" (beide 1963), "Don Juan" (1965), "Die Stunde des Wolfs" (1966), "Daniel" (Episode "Stimulantia", 1967), "Schande", "Der Ritus" (beide 1968), "Passion" (1969), "Fårödokument 1969", "Berührungen" (beide 1970), "Schreie und Flüstern" (1972), "Misantropen" (1974), "Die Zauberflöte", "Von Angesicht zu Angesicht" (beide 1975), "Herbstsonate" (1978), "Fårö-dokument 1979" (1979), "Aus dem Leben der Marionetten" (1980), "Hustruskolan", "Nach der Probe" (beide 1983), "Karins ansikte", "Dom Juan" (1984), "Die Gesegneten" (1986), "Markisinnan de Sade" (1992), "Backanterna" (1993), "Sista skriket" (1995), "Dabei: Ein Clown" (1997), "Bildmakarna" (2000) und "Sarabande" (2002).

Er verfasste fast alle Drehbücher zu seinen Filmen selbst und lieferte außerdem die Drehbücher oder Vorlagen zu den Filmen: "Die Hörige" (1944), "Kvinna utan ansikte" (1947), "Eva" (1948), "Medan staden sover" (1950), "Frånskild" (1951), "Junge Herzen im Sturm" (1956), "Nattens ljus" (1957, ungenannt), "Lustgården" (1961, als Buntel Eriksson), "Trämålning" (1963), "Reservatet", "The Lie" (beide 1970), "A Little Night Music" (1990), "Die besten Absichten", "Die Sonntagskinder" (beide 1992), "Enskilda samtal" (1996), "Die Treulosen" (1999) und "Bergmanova sonata" (2005). Produziert hat er darüber hinaus Filme wie Gunnel Lindbloms "Paradistorg" (1977) und "Sally und die Freiheit" (1981), Erland Josephsons "Rätt ut i luften" (1978) und Kjell Gredes "Min älskade" (1979).


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