René Clair

René-Lucien Chomette
Geboren: 11.11.1898 in Paris, Frankreich
Sternzeichen: Skorpion
Gestorben: 15.03.1981 in Hauts-de-Seine, Île-de-France, Frankreich

Mit zärtlichen kleinen Komödien, schwerelos, poesievoll gestaltet, hat er Filmgeschichte geschrieben: René Clair. Seine frühen Filme scheinen eher zeitlos - doch stets bleibt ihm der Übermut des Komödianten erhalten. Es ist der leichte Schwermut, die verspielte Eleganz, die seine Filme auszeichnet. Mittelpunkt seines fast magischen Kosmos war Paris. Die poesievoll pittoresken Bilder der kleinen Straßen und Gässchen von Paris erzählen die Geschichte vom Taxifahrer Jean und dem Blumenmädchen Anna, die den "Vierzehnten Juli" (1933) gemeinsam feiern, vom Straßensänger Albert und der hübschen Pola "Unter den Dächern von Paris" (1930), vom Herrn Emile und seinem jugendlichen Schützling Madeleine. Es ist immer eine abgeschlossene reale Welt, in der die Wirklichkeit nicht durch ein aufgesetztes Happy-End verändert wird.

Typisch für Clairs Stil ist der Schluss von "Der Vierzehnte Juli": Nach vielen Verwirrungen, Eifersüchteleien und kleinen Seitenwegen treffen sich die beiden Liebenden nach einem Jahr wieder, und es ist alles wie beim ersten Mal - Glück, Liebe, Hoffnung, doch ohne jede Gewissheit. Etwas absolut Gültiges, Verbindliches gibt es nicht in René Clairs kleiner Filmwelt. René-Lucien Chomette kommt in Paris im Viertel um die Markthallen zur Welt. Mit sieben Jahren schreibt das Wunderkind gemeinsam mit seinem Bruder Henri Stücke für das eigene Puppentheater. Dann folgen Schule, Gymnasium, Philosophie-Studium. Im Ersten Weltkrieg geht er als Sanitäter an die Front. Der Tag des Waffenstillstands ist sein 20. Geburtstag.

Clair geht zur Lokalredaktion des "L'Intransigeant". Er wird auch ab und zu ins Kino geschickt und begegnet in dieser Zeit einem der berühmtesten Regisseure, Louis Feuillade. Bei ihm darf er kleine Rollen spielen wie in "Orpheline" (1921) und "Parisette" (1921) - beide schon unter seinem Künstlernamen "René Clair". Zu Beginn dieser neuen Karriere ist er noch immer Journalist, Kulturredakteur bei "Treize". Er schreibt eine Novelle im "Mercure de France" ("Die Insel der Monster") und Chansons für die Sängerin Damia, mit der er auch in einem Film auftritt. Am längsten aber bleibt er - neben der immer häufigeren Filmarbeit - der Filmkritik und Filmtheorie treu.

1923 beginnt Clair, seine eigenen Filme zu schreiben und zu inszenieren. Er dreht für Henri Diamant-Berger den 61-Minuten Film "Paris schläft". Die nächsten 20 Jahre dreht Clair die wohl originellsten und die meisten bewundertesten Werke des frühen französischen Films, darunter der Avantgarde-Streifen "Zwischenspiel" (1924). Mit seinem achten Spielfilm, dem "Florentiner Hut" (1927), auch "Der italienische Strohhut" genannt, erlebt René Clair seinen ersten großen Erfolg, der sich auch auf Albert Prejan und Olga Tschechowa, seine Hauptdarsteller, auswirkte. Mit dem Tonfilm 1927 kommt für viele bekannte Filmkünstler das große Verhängnis. Doch Clair gelingt es, wie Charles Chaplin, in seinem ersten Tonfilm "Unter den Dächern von Paris" (1930), eine Geschichte in Bildern zu komponieren, in der der Ton sparsam verwendete künstlerische Beigabe ist. Und auch in seinen beiden nächsten Werken, "Es lebe die Freiheit" und "Die Million" (beide 1931), bleibt das Optische beherrschend. Clair verfällt nicht der Geschwätzigkeit der neuen Technik.

Für zehn Jahre verlässt René Clair Frankreich, um in England und den USA zu arbeiten. Zwar ist er desillusioniert angesichts der Bekanntschaft mit der Neuen Welt, doch er setzt sich über die Hindernisse hinweg und dreht mit Marlene Dietrich "Die Abenteurerin" (1941) und mit Robert Pirosh als Autor die köstlich hintergründige Komödie "Meine Frau, die Hexe" (1942) mit Dudley Nichol. 1944 wirkt er als Regisseur und Co-Autor in "Es geschah morgen" mit. Ein Jahr später inszeniert er noch einmal mit Nichol zum Abschluss seines USA-Aufenthalts Agatha Christies "Das letzte Wochenende". Nach Frankreich zurückgekehrt, gelingen Clair seine besten Filme: "Schweigen ist Gold" (1947), "Der Pakt mit dem Teufel" (1950) und "Die Mausefalle" (1956), sein letzter persönlicher Film, eine Art Abschiedswerk.

Dass er nicht nur der Regisseur des leichten, spielerischen Films war, zeigt das 1955 entstandene Drama "Das große Manöver", scheinbar eine scheiternde Liebesgeschichte, doch dahinter verbirgt sich eine todtraurige Katastrophe. René Clair, ein Dichter hinter der Kamera, wird schließlich in die "Académie Francaise" aufgenommen - als erster Mann vom Film. Er starb am 15. März 1981 in seiner Geburtsstadt Paris. Weitere Filme von René Clair: "Die Schönen der Nacht" (1952) und "Alles Gold dieser Welt" (1961).


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