Verführerisch wie ehedem! Martine Carol als Lola 
Montez
Fotoquelle: RBB/WDR

Martine Carol

Marie-Louise Jeanne Nicolle Mourer
Lesermeinung
Geboren
16.05.1920 in Saint-Mandé, Val-de-Marne, Frankreich
Gestorben
06.02.1967 in Monte Carlo, Monaco
Sternzeichen
Biografie

Zu Beginn der Fünfzigerjahre war Martine Carol Frankreichs populärste Schauspielerin und auch über Frankreichs Grenzen hinweg ein Inbegriff für Schönheit und Freizügigkeit. Zuvor hatte sie viele Jahre relativ unbeachtet als Schauspielerin gearbeitet. Erst ihr Selbstmordversuch 1947 brachte ihr Schlagzeilen ein und sorgte dafür, dass sie kurzfristig im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand.

Anfang der Zwanzigerjahre (1920 oder 1922, die Quellen sind sich diesbezüglich nicht sicher und auch über den Geburtsort gibt es Unklarheiten) wurde Martine Carole als Marie-Louise Jeanne Nicolle Mourer geboren. Ihre berufliche Laufbahn begann sie als Fotomodell. Als sie den französischen Schauspieler André Luguet kennen lernte, beschloss sie Schauspielerin zu werden, schloss sich der Theatertruppe um Gaston Baty an und nahm Unterricht bei Rene Simon, Robert Manuel, später bei René Clair und Jean Wall. Ihr Theaterdebüt gab sie 1940 unter dem Künstlernamen Maryse Arley. In den frühen Vierzigerjahren gehörte sie zu den Ensembles des Pariser Théâtre de la Renaissance und des Théâtre Montparnass. Bis sie 1941 erstmals auf der Leinwand zu sehen war - in Pierre Ramelots antisemitischen Propagandafilm "Les corrupteurs" - spielte sie unter anderem in Theaterstücken wie "La Route du tabac" neben Marcel Mouloudji, "Phaidra", Alfred de Mussets "Les Caprices de Marianne" oder William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung". Nach ihrem Filmdebüt folgten weitere kleinere Rollen in weniger spektakulären Filmprojekten wie in Georges Lacombes "Sie waren Sechs" (1941) und in Henri Decoins "Das unheimliche Haus" (1942). Mit Richard Pottiers "La ferme aux loups" (1943) gelang es ihr erstmals, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Doch auch der neue Künstlername - zum ersten Mal in ihrer Laufbahn nannte sie sich Martine Carol - sorgte nicht dafür, dass sie eher als agierende Akteurin, denn als fotogene Schönheit in Erinnerung blieb. Schnell hatte sie den Ruf eines Pin-Up-Girls und wurde gerade deshalb von den Filmemachern besetzt. Es blieb jedoch bei unbedeutenden Nebenrollen.

Die unglückliche Liebe zu ihrem verheirateten Schauspielkollegen Georges Marchal ließ Martine Carol depressiv werden und war der Grund für den bereits erwähnten Selbstmordversuch. Als die junge Actrice keinen anderen Ausweg mehr sah, ließ sie sich in einem Taxi an die Seine chauffieren, stieg dort aus und sprang - unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss - ins Wasser, konnte aber vom anwesenden Taxifahrer gerettet werden. Die Boulevardpresse hatte ihre Story und Martine Carol die Aufmerksamkeit, die eine hübsche Jungdarstellerin als Karriereanschub benötigt. Kurze Zeit später lernte sie den US-amerikanischen Schauspieler und Regisseur Stephen Crane kennen. Der Ex-Ehemann von Lana Turner wurde 1948 der erste Ehemann von Martine Carol. Nach einer erfolgreichen Nasenkorrektur und einigen Ehejahren schaffte sie 1951 ihren Durchbruch als Schauspielerin, als sie die Hauptrolle in Richard Pottiers "Im Anfang war nur Liebe" bekam. Der Film, der das Leben der Caroline de Bièvre und ihrer amourösen Liebschaften thematisiert, war ein großer Erfolg an den französischen Kinokassen. Die recht freizügigen Oben-ohne-Aufnahmen sorgten dafür, dass Martine Carol über Nacht zum Star und gefeierten Sexsymbol wurde. Allerdings legte man sie daraufhin auf die Rolle der blonden Verführerin fest. Mit "Lucrezia Borgia" (beide 1952), "Mein Leben für die Liebe" (1953), "Madame Dubarry" (1954) und "Nana" (1955) untermauerte sie diesen Ruf.

Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte die Französin in der Titelrolle der Max-Ophüls-Produktion "Lola Montez". Ophüls stellte die berühmte Kurtisane und Geliebte von Franz Liszt und Ludwig I. von Bayern in seiner letzten Regiearbeit als verbrauchte Tänzerin vor ein US-amerikanisches Zirkuspublikum. Die Filmbiografie gilt als künstlerisches Meisterwerk, das jedoch an den Kinokassen durch fiel und die horrenden Produktionskosten nicht einspielen konnte. Mitte der Fünfzigerjahre begann Martine Carols Stern zu sinken. Mit Brigitte Bardot übernahm eine andere französische Schauspielerin die Rolle des Sexsymbols und sorgte dafür, dass der Typ Frau, den Martine Carol verkörperte, bald schon als überholt galt. Trotz einiger Versuche mit internationalen Produktionen (unter anderem "In 80 Tagen um die Welt", 1956; "Operation Tiger", 1957 und "Vor uns die Hölle", 1959) im Gespräch zu bleiben, wurde es bald ruhiger um sie. Lediglich mit "Nathalie spielt Geheimagentin" (1959) gelang ihr noch einmal ein Erfolg, ansonsten spielte sie in eher mittelmäßigen bis belanglosen Filmen. Die ausbleibenden Erfolge und die fehlende Beachtung durch die Medien führten bei ihr erneut zu schweren Depressionen. Außerdem überschatteten Skandale während ihrer gesamten Karriere ihr Privatleben. 1953 hatte sie sich von Stephen Crane scheiden lassen, von 1954 bis 1959 folgte ihre Ehe mit dem Regisseur Christian-Jaque und von 1959 bis 1962 war sie mit dem sehr jungen Arzt André Rouveix verheiratet. Schließlich gab sie 1966 dem englischen Milliardär Mike Eland das Ja-Wort. Doch nur wenige Monate nach der Hochzeit fand er seine Ehefrau tot in ihrem Hotelzimmer in Monaco. Vermutungen, sie sei an einer Medikamentenüberdosis gestorben, konnten nie bestätigt werden. Offiziell starb sie an Herzversagen. Zwei Jahre nach ihrem Tod kam Martine Carols letzter Film, das 1966 entstandene britische Krimidrama "Hell is empty", in die Kinos.

Weitere Filme mit Martine Carol: "Bifur 3", "L'extravagante mission" (beide 1945), "Trente et quarante" (1946), "La fleur de l'âge", "Miroir", "Voyage surprise", "En êtes-vous bien sûr?", "Carré de valets" (alle 1947), "Les souvenirs ne sont pas à vendre" (1948), "Die Liebenden von Verona", "Je n'aime que toi" (beide 1949), "Une nuit de noces", "Der galante Abenteurer" (beide 1950), "Wir brauchen einen Mann" (1951), "Liebenswerte Frauen?", "Die Schönen der Nacht" (beide 1952), "Liebe, Frauen und Soldaten", "Der Skandal", "Versailles - Könige und Frauen", "Dürfen Frauen so sein?" (alle 1954), "Das Tagebuch des Mister Thompson" (1955), "Difendo il mio amore" (1956), "Nathalie" (1957), "Nächte auf Tahiti" (1958), "Die erste Nacht" (1958), "Austerlitz - Glanz einer Kaiserkrone" (1959), "Die Französin und die Liebe" (1960), "Un soir sur la plage" (1961), "Der Herr mit den Millionen", "Der furchtlose Rebell" (beide 1961), "Inspektor Kent haut auf die Pauke" (1962), "I dongiovanni della Costa Azzurra" (1962).

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