Roberto Rossellini

Roberto Rossellini
Geboren: 08.05.1906 in Rom, Italien
Sternzeichen: Stier
Gestorben: 03.06.1977 in Rom, Italien

Roberto Rossellini ist das älteste von vier Kindern des Architeken Angelo Giuseppe Rossellini (1880-1931) und seiner Frau Elettra Belan. Der Vater hat die römischen Kinos Corso und Barberini gebaut, Robertos Bruder Renzo wird ein bekannter Komponist und dessen Sohn Franco wiederum wird Regieassistent bei seinem Onkel.

Rossellinis Eltern haben Kontakt zum Filmgeschäft, schon früh ist Roberto damit konfrontiert. Ein bleibendes Kinoerlebnis aus der Jugend sind King Vidors realistische Alltagsfilme "Ein Mensch der Masse" (1927) und "Hallelujah" (1929). 1917 - 23 besucht Rossellini das Gymnasium, dann das klassische Lyzeum im Nazarener Internat in Rom. Er wird krank und bricht die Schule ab, erbt das Vermögen des Großvaters, ist reich, aber bald wieder mittellos, denn sein Lebensstil ist aufwändig. Roberto unternimmt Reisen, ist fasziniert von Autorennen, erst der plötzliche Tod des Vaters und die Beschlagnahmung des Familienvermögens durch die Faschisten kommt bringt Roberto zur Besinnung.

In den Folgejahren arbeitet er als Bildhauer, Maler, Bühnentechniker, durch Freunde kommt er in Kontakt mit der Filmindustrie, wird Tontechniker, arbeitet in der Synchronisation und schließlich als Cutter. 1936 entsteht sein erster Kurzfilm "Prelude a l'apres midi d'un faune" - der Film wird von der Zensur verboten. Für den Propagandafilm "Luciano serra pilota" (1938) schreibt er mit dem Regisseur Geofreddo Alessandrini das Drehbuch. 1941/42 ist er in der Drehbuchabteilung der Anonima Cinematografica Italiana (ACI) tätig.

Unter der Leitung des Marineoffiziers, Regisseurs und Autors Francesco De Robertis entsteht 1941 der halbdokumentarische Film "La nave bianca", der wie die beiden folgenden Filme zu den Propagandafilmen zählt. Rossellini hat jetzt ein festes Team: Eraldo da Roma ist sein Cutter, Bruder Renzo schreibt die Musik. "Rom, offene Stadt" (1944) bedeutet Rossellinis Durchbruch - auch im Ausland. Und mit Rossellini wird auch Anna Magnani bekannt. Der Film wird in italienischer und deutscher Sprache gedreht - ursprünglich sollte es ein Dokument über das Leben des Priesters Don Morosini werden, der von den Nazis erschossen wurde.

Die filmhistorische Bedeutung des Films ist auch, dass er auf den Stil des Neorealismus verweist, dem Rossellini in seinen folgenden Filmen "Paisà" (1946, Oscar-Nominierung) und "Deutschland im Jahre Null" (1947) verbunden bleibt. Gemeinsam mit Federico Fellini, Luchino Visconti, Pietro Germi und anderen entstehen Filme, deren Thema der Alltag, deren Stil dem Dokumentarischen verpflichtet ist. Rossellinis eigener Stil inmitten der neuen Richtung ist bei aller Darstellung des kollektiven Elends die Bedeutung des Einzelnen. Doch Rossellini wendet sich schon früh vom Neorealismus ab, begeht "Verrat" - wie es seine Freunde nennen. Filme wie "Amore" und "Die geliebte Stimme" - ein Film in zwei Erzählungen (1947/48), den er der Kunst der Anna Magnani widmet, und "Die Maschine, die die Bösen tötet" entstehen.

"Stromboli" von 1949 ist die erste Zusammenarbeit mit Ingrid Bergman. Anna Magnani hatte die Hoffnung, den Film drehen zu können, doch sie rächte sich: im gleichen Jahr spielte sie die Hauptrolle unter der Regie von William Dieterle in dem Konkurrenzfilm "Vulcano". Die Bergmann wird - für sechs Filme - Rossellinis Star und seine Frau - Isabella Rossellini ist beider Tochter. Die Ehe wird wie schon ihre Liebesbeziehung zum Skandal: Rossellini ist Katholik, die Bergmann eine geschiedene Protestantin.

Vor allem das puristische amerikanische Publikum ächtet seinen einstigen Lieblingsstar. Rossellini und Bergmann werden geächtet, ihre Filme sind Pleiten: Nach "Stromboli"entstehen "Europa 51" (1951/52), "Wo ist die Freiheit?" (1952), "Reise in Italien" mit George Sanders (1953), "Giovanna D'arco al rogo" (1954) und "Angst" (1954). Mit dieser Stefan-Zweig-Verfilmung endet die berufliche und private Bindung der beiden Künstler. Ein Film über berühmte Rennfahrer bleibt bei den ersten Aufnahmen stehen, eine Thomas-Mann-Verfilmung bleibt ohne Geldgeber und auch die Verfilmung über das Leben Aga Khans mit Rita Hayworth scheitert. Ein weiterer Film wird wegen Streit mit dem Produzenten von einem anderen Regisseur gedreht. In Indien dreht Rossellini zwei Filme, wird aber wegen einer Affäre mit der Frau des Produzenten um ein Haar ausgewiesen.

Erst ganz am Ende seines Schaffens erreichen Rossellinis Filme noch einmal die alte Kraft: seine historischen Fernsehfilme "Die Machtergreifung Ludwig XIV." (1966), "Atti degli apostoli" (1968), "Sokrates" (1970), "Blaise Pascal" (1971) und "Anno uno" (1974) tragen noch einmal die Handschrift des großen Dokumentar-Spielfilm-Regisseurs: Sie sind in ihrem Bemühen, Geschichte ohne große Dramatisierung aus ihrer nüchternen Rekonstruktion heraus wirken zu lassen, auch eine konsequente Fortsetzung seiner Kinoarbeit. Weitere Filme von Roberto Rossellini: "Der falsche General" (1959), "Es war Nacht in Rom", "Viva L'Italia" (beide 1960), "Der furchtlose Rebell" (1961) und "Der Messias" (1975).


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