Vittorio De Sica

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Regisseur und Darsteller Vittorio De Sica mit der schönen Gina Lollobrigida
Vittorio De Sica
Geboren: 07.07.1902 in Sora, Latium, Italien
Gestorben: 13.11.1974 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich

Auf den Trümmern des Faschismus hat Vittorio De Sica gemeinsam mit Cesare Zavattini, Roberto Rossellini, Luchino Visconti und anderen ein neues Kino geschaffen, den neorealistischen Film. Es waren Geschichten von Menschen, in ihrer "Bedeutungslosigkeit" von der Gesellschaft negiert; wie etwa die Jungen in "Schuhputzer", der arme Pensionär "Umberto D.", oder der Arbeiter in "Fahrraddiebe", der selbst zum Dieb wird, als er den Dieb seines Fahrrads nicht belangen kann.

Um diese Filme zu finanzieren, hat Vittorio De Sica immer wieder kleine und größere Komödiantenrollen bei seinen Kollegen angenommen, oft in minderwertigen Filmen. Als de Sica 1974 in Paris starb, war er einer der ganz großen Filmemacher in der Geschichte des Kinos. Diesem Ruf schädigte es auch nicht, als er in den Siebzigerjahren oberflächliches Amüsierkino produzierte, und selbst wenn er mit Titeln wie "Sonnenblumen" oder "Duft deiner Haut" Lelouch-Stoffe realisierte, hat er Gefühle und Leidenschaft immer mit großer Kunstfertigkeit inszeniert. Seine wichtigen Werke bleiben unvergänglich.

De Sica, Jurastudent mit großer Theaterleidenschaft, begann als Komiker, Sänger und Kabarettist, trat in Komödien von Mario Camerini auf und arbeitete Ende der Dreißigerjahre als Drehbuchautor. 1939 führte er erstmals Regie. Der Durchbruch gelang ihm nach Ende des Mussolini-Regimes in der Zusammenarbeit mit Cesare Zavattini. Es war die Zeit der "Schuhputzer", "Fahrraddiebe", des "Das Wunder von Mailand" und des "Umberto D:" - Meilensteine des italienischen Nachkriegskinos. Nach dem großen Erfolg mit "... und dennoch leben sie" (1960) drehte er zwei Jahre später in Zusammenarbeit mit dem Berliner Ensemble nach Jean-Paul Sartre den Film "Die Eingeschlossenen von Altona". Als im Herbst 1962 - kurz nach de Sicas 60. Geburtstag - auch bei uns diese große Abrechnung mit dem Faschismus im Kino gezeigt wurde - allerdings in einer, wie es damals üblich war, weitgehend entschärften Fassung - beschimpfte man ihn als einen italienischen Meckerer. Er solle doch auch daran denken, dass die deutschen Feriengäste einen wesentlichen Anteil zum wirtschaftlichen Aufschwung seines Landes beitrügen.

De Sica war entsetzt und verbittert über diese Reaktion, den Unmut von Presse und Publikum, glaubte er noch daran, dass gerade für jene, die den Faschismus im eigenen Lande gespürt hatten, die Abrechnung mit jener Zeit wichtigste und humanste Aufgabe war. Trotz aller kommerziellen Zugeständnisse, die er mit seinen Filmen danach machte, mit "Gestern, heute und morgen" oder mit "Hochzeit auf Italienisch" (beide 1964), wendete er sich immer wieder dem Thema Faschismus zu. 1970 drehte er mit "Der Garten der Finzi Contini" noch einmal einen aufrechten, vielfach verkannten Film über eine jüdische Familie und ihre Freunde in Ferrara 1938, ein Film, der in schönen Bildern das Grauen verschärft. Während draußen auf den Straßen der Faschismus im Stechschritt marschiert, treffen sich die Finzi Contini mit den jüdischen Freunden zum Tennis, abgeschirmt durch die hohen Gartenmauern. Sie glauben nicht - wie viele andere Mitläufer und Gleichgültige - an die Gefahren und marschieren mit wachen Augen in den Untergang, weil sie der Welt mit naivem Unverständnis begegnen.

De Sicas Verzweiflung und Trauer über die Sturheit der Menschen, über ihre Gleichgültigkeit, über ihr Nicht-verstehen- und Nicht-lernen-Wollen kommt gerade in diesem Film zum Ausdruck. Wie Claude Chabrol, Jacques Demy, Federico Fellini, Pier Paolo Pasolini, Roger Vadim, Luchino Visconti und viele andere, war De Sica ein Meister der Filmnovelle - so stammt von ihm die wundersame Episode "Una sera comele altre" in "Hexen von heute" (1966).

Weitere Filme von und mit Vittorio De Sica: "Liebe, Brot und Fantasie" (1953), "Liebe, Brot und Eifersucht", "Das Gold von Neapel", "Rom, Station Termini" (alle 1954), "Boccaccio 70" (1961, Episode), "Jagt den Fuchs" (1965), "Siebenmal lockt das Weib" (1967), "Die Reise nach Palermo" und "Ein kurzer Urlaub" (beide 1973). Weitere Filme mit Vittorio De Sica: "Das Lied der Sonne" (1933), "Madame de ...", "Villa Borghese", "Liebe, Brot und Fantasie", "Römischer Reigen" (alle 1953), "Liebe, Brot und Eifersucht" (1954), "Eine Frau für schwache Stunden", "Liebe, Brot und 1000 Küsse", "Schade, dass du eine Kanaille bist", "Vier Herzen in Rom" (alle 1955), "Monte Carlo Story", "Väter und Söhne", "Wie herrlich, eine Frau zu sein" (alle 1956), "Casino de Paris", "Die Schuldigen", "Drei Mädchen erobern Rom", "In einem anderen Land", "Liebe und Geschwätz", "Anna von Brooklyn" (alle 1957), "Austerlitz - Glanz einer Kaiserkrone", "Der falsche General", "Liebe als Alibi", "Mein schöner Ehemann" (alle 1959), "Die Millionärin", "The Angel Wore Red", "Es begann in Neapel" (alle 1960), "Aladins Abenteuer", "Der junge General" (beide 1961), "Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders" (1965), "Die Platinbande" (1966), "In den Schuhen des Fischers", "So reisen und so lieben wir" (beide 1968), "Zwölf plus eins" (1970), "Bankraub am Monte Rosa", "Tödliche Schlagzeilen" (beide 1971), "Pinocchio" (1972), "Ein kurzer Urlaub" (1973).

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