Heinz Reincke

Den norddeutschen Dickkopf spielte er mit Bravour:
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Den norddeutschen Dickkopf spielte er mit Bravour: Heinz Reincke
Karl-Heinz Reincke
Geboren: 28.05.1925 in Kiel, Deutschland
Sternzeichen: Zwillinge
Gestorben: 13.07.2011 in der Nähe von Wien, Österreich

Millionen Fernsehzuschauer kannten ihn als Pastor Eckholm in der beliebten und erfolgreichen ZDF-Familienserie "Der Landarzt". Eine Rolle, die sich fast schon zur Lebensaufgabe entwickelte. Seit 1987 stand er für die beliebte Reihe rund um die Arztpraxis in Deekelsen vor der Kamera. 2010 - nach 23 Jahren - war Drehschluss für Heinz Reincke, den sympathischen norddeutschen Darsteller. Am 13. Juli 2011 verstarb der gern gesehene Volksschauspieler an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Österreich.

Er war das, was man als typisch schnoddrigen Norddeutschen bezeichnen kann. Er besaß eine Art, die man schätzte und liebte. Dass der namhafte Darsteller sich bereits mit 17 Jahren für die Bühne entschied, wissen nur wenige. Doch bevor er erste Rollen am Theater erhielt, versuchte er sich zunächst als Souffleur, Inspizent und Operettenbuffo. Als Theaterdarsteller zog er durch ganz Deutschland, bevor er von 1955 bis 1965 ein dauerhaftes Engagement am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter Gustaf Gründgens erhielt. Es waren eher Charakterrollen in die er schlüpfte, Rollen, die weit entfernt von dem Bild sind, das Fernsehzuschauer im Laufe der Jahre von ihm entwickelt haben. Auf Hamburg folgte Wien. Von 1968 bis 1985 gehörte er dem Ensemble des Burgtheaters an und überzeugte als Leon in Franz Grillparzers Lustspiel "Weh dem, der lügt!" und als Einstein in Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker". Seinen Abschied von der Bühne nahm er als Wilhelm Voigt in "Der Hauptmann von Köpenick".

Neben seiner Bühnenarbeit zog es Reincke schon recht früh zu Film und Fernsehen. Er war in allen Genres zu Hause: überzeugte im Jugendfilm, im Krimi und in der Komödie. 1955 sah man ihn in der TV-Produktion "Das heiße Herz", ein Jahr später in "Ein Herz kehrt heim". 1957 folgte mit "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ein früher Publikumserfolg mit Horst Buchholz in der Titelrolle, bei dem Reincke allerdings nur in einer Nebenrolle zu sehen war. Im Kriminalfilm "Nasser Asphalt" stand er 1958 erneut neben Horst Buchholz vor der Kamera. Zwei Jahre später erhielt er die Rolle als Frosch in der Verfilmung der Inszenierung von Goethes "Faust" durch Gustaf Gründgens am Hamburger Schauspielhaus und stellte einmal mehr unter Beweis, dass er als Charakterdarsteller überzeugen konnte. Einen ersten Ausflug in das internationale Filmgeschäft unternahm er im grandios besetzten, episodisch angelegten Kriegsfilm "Der längste Tag" (1961), wurde als Col. Josef 'Pips' Priller allerdings nicht im Abspann erwähnt. In den späten Sechzigerjahren stand er mit großer Regelmäßigkeit vor der Kamera und wurde beim Publikum immer bekannter. Wie schon die Jahre zuvor, wechselte er auch in dieser Zeit zwischen den Genres. Er übernahm Angebote für Kriminalfilme, war in Verfilmung von Theaterinszenierungen und sogar in Musikfilmen auf der Leinwand und dem Bildschirm zu sehen. Außerdem übernahm er die Hauptrolle in der ersten Fernsehserie, die in Deutschland komplett in Farbe ausgestrahlt wurde: "Adrian der Tulpendieb" (1966). Und stand sowohl für "Der Arzt von St. Pauli" (1968), als auch für "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1969), "Der Pfarrer von St. Pauli" (1970) und "Käpt'n Rauhbein aus St. Pauli" (1971) gemeinsam mit Curd Jürgens vor der Kamera. 1969 sah man ihn auch in John Guillermins bekannten Kriegsfilm "Die Brücke von Remagen" neben Robert Vaughn und Peter Van Eyck.

Heinz Reincke entwickelte sich mehr und mehr zum Garant für gute Unterhaltung und wurde zur festen Größe in leichten TV-Komödien und Familienfilmen. Eine Entwicklung, die sich 1973 fortsetzte, als er als "Der Nichtraucher" in der Erich Kästner Verfilmung "Das fliegende Klassenzimmer" neben Joachim Fuchsberger zu sehen war. Der liebenswerte Kinderfreund, der verständnisvolle Erwachsene, der Kumpeltyp, der leidgeprüfte Witwer - all das war Bestandteil der Rolle des Dr. Robert Uthofft. "Der Nichtraucher" wurde ein Begriff für Generationen von Kindern, die mit der beliebten (und oft wiederholten) Verfilmung aufwuchsen. Doch immer wieder unternahm er Ausflüge ins ernste Fach, ließ sich nicht auf einen Rollentyp festlegen und präsentierte dem Publikum ganz unterschiedliche Gesichter. In Alfred Vohrers Fallada-Verfilmung "Jeder stirbt für sich allein" überzeugte Reincke ebenso wie in der Agentenparodie "Auch Mimosen wollen blühen", für die er einmal mehr neben Curd Jürgens vor der Kamera stand. Zwei Jahre später sah man Reincke in der Serien-Umsetzung von Johannes Mario Simmels Roman "Es muß nicht immer Kaviar sein".

Zu Beginn der Achtzigerjahre kamen verstärkt Engagements für Serien auf Heinz Reincke zu. Er übernahm in vielen deutschen TV-Produktionen Episodenrollen, war in "Derrick" (1984), in "Die Schwarzwaldklinik" oder "Der Alte" zu sehen. Außerdem trat er in dem norddeutschen Profil "Geschichten aus der Heimat" (1986) auf. 1987 übernahm er dann erstmals den Part als Pastor Eckholm in der Familienserie "Der Landarzt" und stand damals neben Christian Quadflieg, Gila von Weitershausen und Antje Weisgerber vor der Kamera. Im Laufe der Jahre wechselte die Besetzung der beliebten Reihe, doch Pastor Eckholm blieb - bis 2010. Eine weitere durchgehende Serienrolle übernahm er an der Seite von Elmar Wepper und Uschi Glas in "Zwei Münchner in Hamburg" (1989-1993) und gab einmal mehr das, was ihm stets so bravourös gelang: den Norddeutschen. Sein Ruf als Volksschauspieler wurde auf diese Weise immer weiter gefestigt, wozu auch norddeutsch geprägte Serien und TV-Specials wie "Sylter Geschichten" (1996) und "Heimatgeschichten" (1995 bis 2001) beitrugen. Von 2007 bis 2010 stand er für das österreichische Fernsehen für die Familienproduktion "Oben ohne" vor der Kamera und mimte das, was ein über 80-Jähriger aus dem Effeff beherrschen sollte: einen Opa. Außerdem machte sich Heinz Reincke einen Ruf als Hörspielsprecher und lieh gelegentlich James Coburn, Marlon Brando und Alec Guinness seine markant-sonor-rauchige Stimme.

Weitere Filme und Serien mit Heinz Reincke: "So süß ist kein Tod" (1956), "Tolle Nacht", "Die Angst vor der Gewalt" (beide 1957), "Penelope oder Die Lorbeermaske", "Kanonen-Serenade", "Der Dank der Unterwelt" (alle 1958), "Die Caine war ihr Schicksal" (1959), "Der Untergang der 'Freiheit'", "Die Friedhöfe" (beide 1960), "Ein Mond für die Beladenen" (1961), "Der rote Hahn", "Der tolle Tag" (1962), "Heimweh nach St. Pauli", "Unterm Birnbaum", "Warten auf Godot" (alle 1963), "Herrn Walsers Raben", "Wartezimmer zum Jenseits", "Freddy, Tiere, Sensationen" (alle 1964), "Die Flasche", "Die echten Sedemunds" (beide 1965), "Apfelsinen", "Jerry Cotton: Der Mörderclub von Brooklyn" (beide 1966), "Haifischbar" (TV-Serie), "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" (beide 1967), "Polizeirevier 21", "Himmelfahrtskommando El Alamein" (beide 1968), "Heintje - Ein Herz geht auf Reisen" (1969), "Der Kommissar - In letzter Minute" (TV-Serie), "Heintje - Einmal wird die Sonne wieder scheinen", "Passion eines Politikers", "Jedermann", "Heintje - Mein bester Freund" (alle 1970), "Mein Vater, der Affe und ich", "Die Lümmel von der ersten Bank - Morgen fällt die Schule aus", "Wenn der Vater mit dem Sohne" (TV-Serie), "Heiße Spur St. Pauli", "Hochwürden drückt ein Auge zu" (alle 1971), "Was geschah auf Schloß Wildberg", "Kinderarzt Dr. Fröhlich", "Meine Tochter - Deine Tochter", "Immer Ärger mit Hochwürden", "Tatort - Die Samtfalle", "Fritz Muliar Schau" (TV-Serie), "Ein Käfer gibt Vollgas", "Die blutigen Geier von Alaska" (alle 1972), "Rudi, laß das Mausen sein", "Die Reise nach Wien", "Wenn jeder Tag ein Sonntag wär" (alle 1973), "Hallo - Hotel Sacher... Portier!" (TV-Serie), "Der Kommissar - Ohne auf Wiedersehen zu sagen" (TV-Serie, beide 1974), "Dorothea Merz", "Der Lord von Barmbeck" (beide 1976), "Pariser Geschichten" (TV-Serie), "Preussenkorso" (beide 1977), "Vor Gericht seh'n wir uns wieder", "Lady Dracula", "Hurra - Die Schwedinnen sind da" (alle 1978), "Ein verrücktes Paar" (TV-Serie, 1979), "Der Alte" (TV-Serie), "Liebe bleibt nicht ohne Schmerzen", "Love-Hotel in Tirol" (alle 1980), "Die Fischer von Moorhövd" (TV-Serie, 1982), "Mensch, Berni" (1983), "Kurtheater Holtendiek" (TV-Serie, 1983), "Die unendliche Geschichte" (Sprecher, 1984), "Vier Männer und ein Kamel" (1986), "Wer ist dran?" (1987), "Kasse bitte!" (TV-Serie), "Ede und das Kind" (beide 1988), "Der Bastard" (Mehrteiler, 1989), "Baldur Blauzahn" (TV-Serie, 1990), "Großstadtrevier" (TV-Serie, 1991), "Unsere Hagenbecks" (TV-Serie, 1992), "König & Consorten", "Schlussabrechnung" (beide, 1993), "Cornelius hilft" (TV-Serie), "Ein Fall für zwei" (TV-Serie, beide 1994), "Zwischen Tag und Nacht" (TV-Serie), "Begegnungen der anderen Art" (beide 1995), "Die Männer vom K3 - Der Deichmörder" (TV-Serie, 1996), "Geschichten aus dem Leben", "Eine Frau mit Pfiff" (beide 1998), "Zwei Asse und ein König" (1999), "Großstadtrevier" (TV-Serie, 2001).

Foto: ZDF/Herbert Began


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