Sonja Ziemann

Erfolgreich als Sekretärin und das liebe Kind aus dem Schwarzwald: Sonja Ziemann Vergrößern
Erfolgreich als Sekretärin und das liebe Kind aus dem Schwarzwald: Sonja Ziemann
Sonja Alice Selma Toni Ziemann
Geboren: 08.02.1926 in Eichenwalde bei Berlin, Deutschland
Sternzeichen: Wassermann

Sie ist das nette Mädel von nebenan, heiter, unkompliziert, eine Freude für die Umgebung. Rudolf Prack und Sonja Ziemann, das ist zu Beginn der Fünfzigerjahre das beliebteste Publikumspaar. Das "Schwarzwaldmädel" Bärbele (1950) und die sympathische Tochter des Heimatvertriebenen, der sich in "Grün ist die Heide" (1951) eine neue Existenz aufbaut, das sind jene unbeschwerten Figuren, die im Deutschland der Nachkriegsjahre ankommen: 15 Millionen Besucher sehen "Grün ist die Heide".

"Schwarzwaldmädel" ist der erste deutsche Farbfilm nach dem Krieg, der erste deutsche Heimatfilm der Fünfzigerjahre. Er entsteht nach der Operette von August Neidhardt und Leon Jessel, die Georg Zoch 1933 erstmals verfilmt hatte. Der Film löst einen Boom in diesem Genre aus. Die beiden Schauspieler Rudolf Prack und Sonja Ziemann steigen zum Traumpaar der Fünfzigerjahre auf. Prack spielt den Maler Hans Hauser, der sich auf einem Ball in ein adrettes Schwarzwaldmädel Sonja verliebt und ihr ins heimatliche Postkartendorf St. Christoph folgt. Bevor er die Schöne als die Seine in die Arme schließen darf, muss er es noch mit mehreren Nebenbuhlern aufnehmen.

In "Grün ist die Heide" (1951) zieht der adrette Förster Rudolf Prack durch die Lüneburger Heide und erspäht das liebenswerte Mädel Sonja Ziemann, in das er sich Hals über Kopf verliebt. Zwar gibt es noch ein paar kleine Probleme, denn der Herr Papa ist ein wildernder Flüchtling. Drei Trottel vom Dienst und die Lieder von Hermann Löns vervollständigen den Genuss an diesem klassischen Heimatfilm. Etwaige Übereinstimmungen mit einer Realität wären rein zufällig, versteht sich!

Doch Sonja Ziemann lässt sich nicht verschleißen. Sie hat eine solide Ausbildung und strebt ganz allmählich nach anderen Rollen. In Peter Paul Brauers "Die Jungfrau von Bischofsberg" (1943) nach Gerhard Hauptmann hatte sie schon eine der vier Bräute gespielt. Sie ist die Ursula, die in "Liebe ohne Illusion" (1955) von Erich Engel ihre Schwester mit deren Mann betrügt. Nach einem Auftritt in der Komödie "Die Zürcher Verlobung" spielt sie die Studentin Agniezka in Aleksander Fords zeitkritischen Film "Der achte Wochentag" (1958) nach Marek Hlasko, den sie 1961 heiratet - der polnische Schriftsteller stirbt 1969 im Alter von 35 Jahren. Im Remake des Garbo-Films "Menschen im Hotel" (1932), das Gottfried Reinhardt 1959 inszeniert, tritt sie überzeugend als Hotelsekretärin Flämmchen auf, einst Joan Crawfords Rolle. Weider eine Sekreträrin ist sie als Lieschen Müller in Helmut Käutners "Der Traum von Lieschen Müller" (1961).

Sonja Ziemann bleibt nicht auf den deutschen Film angewiesen: 1960 spielt sie neben Richard Widmark und Senta Berger in Phil Karlsons "Geheime Wege", 1968 in John Guillermins "Die Brücke von Remagen". In deutschen Filmen tritt sie nur noch auf, wenn die Themen ihr behagen, so wie in Frank Wisbars "Hunde, wollt ihr ewig leben?" (1958) und "Nacht fiel über Gotenhafen" (1959). Die Krisenerscheinung im deutschen Film beeinträchtigt auch Sonja Ziemanns Karriere. Seit Mitte der Sechzigerjahre sieht man sie nur noch sporadisch im Fernsehen, so 1971 in Rolf Sydows dreiteiligen Thriller "Das Messer" und 1973 in dem Serien-Krimi "Der Kommissar". Ihre Ausbildung erfährt die kleine Sonja als Ballettratte mit zehn bei Tatjana Gsovsky in Berlin, wodurch sie bereits mit 15 an der Plaza debütiert. Als Soubrette und Revuestar sieht man sie in Operetten und Revues, nach dem Krieg dann im Kabarett und an Theatern. Sie hat Bühnenengagements in Zürich, München und Köln. Seit 1941 spielt sie kleine Rollen in zahlreichen Filmen.

Typische Fünfzigerjahre-Filme mit Sonja Ziemann: In "Die Privatsekretärin" (1953) von Paul Martin, ebenfalls mit Rudolf Prack, kommt Gerda (Sonja Ziemann) aus der Provinz und möchte eine erfolgreiche Sekretärin werden. Natürlich hat sie weder Beziehungen, noch Zeugnisse, aber Glück: Julius der Portier (Paul Hörbiger) hilft ein bisschen nach. Er gibt ihr den Tip, es beim Schürzenjäger Ostermann zu probieren - und schon klappt es. Nur Ostermann kommt nicht auf seine Kosten, dafür hat sie bei Rudolf Prack, dem Bankdirektor, um so mehr Glück. Naiv symphatische Unterhaltung. In "Meine Schwester und ich" (1954) von Paul Martin mit Adrian Hoven ist sie die südamerikanische Prinzessin, für die man einen geeigneten Mann auf Adelsebene sucht und die sich in den bürgerlichen Ingenieur verliebt, dem sie sich - um ihn zu angeln - als Schuhverkäuferin ausgibt. Unterhaltsam oberflächliche Verfilmung eines Bühnenschwanks.

"Strafbataillon 999" (1959) von Harald Philipp stammt vom Erfolgsautor in Sachen Ostfront, Heinz G. Konsalik ("Der Arzt von Stalingrad"). Der Film erzählt die effektvolle Story um deutsche Soldaten auf dem Rußlandfeldzug, die als Kanonenfutter geopfert werden sollen. Das Kriegsgeschehen wird zwar stets als grausam abgeschildert, doch es bleibt bei reiner Abbildung, eine Antikriegs-Botschaft ist damit nicht verbunden. "Ihr schönster Tag" (1961) von Paul Verhoeven (nicht der "Robocop"-Verhoeven!) mit Inge Meysel, Rudolf Platte und Götz George ist die volkstümliche Verfilmung von Curt Flatows "Das Fenster zum Flur". Aus dem Kellerfenster heraus betrachtet die Portiersfrau Wiesner die Welt, und so sieht sie auch nur einen kleinen Ausschnitt und nicht das, was in der Familie vorgeht: Das Lenchen hat gar keinen Millionär geheiratet, Sohn Herbert studiert nicht mehr Medizin, und ihr Mann, der Straßenbahnfahrer, kann bald nichts mehr sehen. Doch der Film bekommt sein Happyend, zwar erweist sich der Traum zum Glück am Ende als Illusion, doch die wird nicht als solche empfunden, denn was geschieht, hat seine Ordnung. Zum Schluss weiß der Zuschauer: Auch wenn man alles falsch macht, ist es schon richtig. Lebenslüge als Komödie.


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