Hans Deppe

Lesermeinung
Geboren
12.11.1897 in Berlin, Deutschland
Gestorben
23.09.1969 in Berlin, Deutschland
Sternzeichen
Biografie
Was war das Schnulzenkino vor "Rosen Resli" und dem "Förster im Silberwald"? Vor dem "Schwarzwaldmädel" und "Grün ist die Heide"? Hans Deppe hat sie inszeniert. Mit ihm war das Kino der Ära Adenauer wieder was, und Sonja Ziemann und Rudolf Prack waren das deutsche Traum-Paar. Deppes Filme führten lange Zeit die Erfolgsliste an. Dabei war dem Berliner die Schnulze bei Leibe nicht in die Wiege gelegt: Nach der Schule begann der Junge eine kaufmännische Lehre, legte mit 16 erfolgreich die Prüfung für das Max-Reinhardt-Seminar in Wien ab und kam mit 20 als Volontär ans Königliche Schauspielhaus in Berlin. Von 1921 bis 1928 war er ein beliebter Charakterdarsteller am Deutschen Theater, dann gründete er mit Werner Fink und Rudolf Platte das Kabarett "Die Katakombe".

Als Schauspieler sieht man ihn in "Berlin, Alexanderplatz" (1931). Seinen ersten Kinofilm, "Der Schimmelreiter" (1933), drehte er gemeinsam mit dem Dokumentaristen Curt Oertel. Zwar war das Spukhafte und Gespenstische der Theodor-Storm-Novelle durch Schicksalhaftigkeit ersetzt, wie es im Deutschland der 30er Jahre üblich war, doch die Kraft der Bilder, die an den Stummfilm erinnernde Wortkargheit waren Versprechen, die der erfolgreiche Filmregisseur später nicht einlöste. Im Gegenteil! Was Hans Deppe in der "Katakombe" satirisch aufgespießt und zugespitzt hatte, wurde zum Stil seiner Erfolgsarbeiten. Doch während sich für die Produzenten die Kassen füllten, blieb Deppe ein bescheidener Mann, ein Unikum und Einzelgänger.

In seinem Haus in Machnow baute er sich ein Puppentheater, das er alleine bespielte, die Dialoge übernahm er mit verstellter Stimme selbst, ein genialer Mann. Doch bald war er pleite, arm und einsam, jahrelang - bis man ihn zurückholte auf die Bühne, den Charakterkomiker von seltener Brillanz. Der Berliner Kritikerpapst Friedrich Luft nannte die Typen, die er in den Tournee-Aufführungen spielte "spitzweghaft" und bezeichnete Deppe in seinem Nachruf als "richtigen Hippie, als es den Begriff noch nicht gab". Wer ihn 1966 in Berlin in Joe Ortons "Seid nett zu Mr. Sloane" sah, wird das verstehen. Hans Deppe war ein Künstler, der immer im eigenen Schatten stehen blieb und nur anderen Erfolg brachte.

Weitere Filme von Hans Deppe (Auswahl): "Straßenmusik", "Der Jäger von Fall" (beide 1936), "Das schöne Fräulein Schragg", "Das Schweigen im Walde", "Gewitter im Mai" (alle 1937), "Das Ekel", "Die kluge Schwiegermutter" (beide 1939), "Der Sündenbock" (1940), "Der laufende Berg" (1941), "Der Ochsenkrieg" (1942), "Der kleine Grenzverkehr" (1943), "Man spielt nicht mit der Liebe" (1949), "Schwarzwaldmädel" (1950), "Grün ist die Heide" (1951), "Das Land des Lächelns", "Der Fürst von Pappenheim", "Ferien vom Ich" (alle 1952), "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (1953), "Die 7 Kleider der Katrin", "Heideschulmeister Uwe Karsten", "Tausend Melodien" (alle 1954), "Sohn ohne Heimat" (1955), "Der Bauer vom Brucknerhof", "Solange noch die Rosen blüh'n" (beide 1956), "Unter Palmen am blauen Meer" (1957), "13 kleine Esel und der Sonnenhof", "Der Haustyrann", "Immer die Radfahrer" (alle 1958), "Gitarren klingen leise durch die Nacht", "Kein Mann zum Heiraten", "Mandolinen und Mondschein" (alle 1959), "Wenn die Heide blüht" (1960), "Robert und Bertram" (1961). Sein letzter Film als Regisseur war "Muss i denn zum Städtele hinaus" (1962) mit Vico Torriani.

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