Hans-Joachim Kulenkampff

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Prägende Gestalt deutscher TV-Geschichte: Hans-Joachim Kulenkampff
Hans-Joachim Kulenkampff
Geboren: 27.04.1921 in Bremen, Deutschland
Gestorben: 18.08.1998 in Salzburg, Österreich

Sein Großvater ist Musikprofessor und Pianist, der Vater ein fleißiger Kaufmann, ihn selbst, der im Kriegsjahr 1939 das Abitur machte, zog es zur Bühne, den Bruder zur Medizin. Hans-Joachim Kulenkampff war eines der großen Showtalente des Fernsehens. Dass er nicht nur im eigenen Land ankam und Anerkennung fand, das beweist sein Ansehen in Frankreich, England und den USA, obwohl er dort nie gewirkt hat. Der französische Komödienstar Louis de Funès sprach ebenso ehrfurchtsvoll von dem "ernsten großen Deutschen" wie der amerikanische Schauspieler und Regisseur Gene Wilder; man zeichnete ihn mit dem "Goldenen Bildschirm", der "Goldenen Kamera", dem Fernseh-Bambi und der "Goldenen Rose von Montreux" aus. 1985 erhielt er den angesehenen Adolf-Grimme-Preis.

Kulenkampffs Karriere begann mit Rundfunkarbeiten: hier ein Hörspiel, dort eine Lesung oder ein Schulbuchbeitrag. Eine Quiz-Sendung beim Hessischen Rundfunk gab den Startschuss zu Höherem. Zuvor hatte Kulenkampff Theater gespielt, das war seine Leidenschaft, doch der Militärdienst riß ihn heraus. Zwar trat er noch nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft als Tempelherr in Lessings "Nathan der Weise" und als Orest in der "Iphigenie" auf, doch eine richtige Karriere wurde nicht mehr daraus.

In den 50er Jahren und frühen Sechzigerjahren trat Kulenkampff gelegentlich in Kinofilmen auf, so Hans Deppes "Immer die Radfahrer" (1958), an dessen Drehbuch er maßgeblich mitschrieb, und - vom selben Regisseur - "Kein Mann zum Heiraten" (1959), ferner Fritz Remonds "Immer die Mädchen" (1959) und "Drei Mann in einem Boot" (1961) von Helmut Weiss. Danach sah man ihn noch hin und wieder in TV-Spielen wie "Ay, ay, Sheriff" (1976) oder "Das Spukschloß von Baskermore" (1977). Doch ist erster Linie bleibt Kulenkampffs Namen mit Showsendungen verbunden.

"Wer gegen wen?" hieß 1953 Kulis erstes Fernseh-Quiz. Mehrfach unterbrach er die Erfolgssendung, weil es ihm an der Zeit schien, damit aufzuhören. Doch er machte weiter, immer wieder. 1964 begann er mit "Einer wird gewinnen". Das lief bis 1966, dann kam eine schöpferische Pause, und 1968 ging es weiter - für zwei Jahre. Und Kulenkampff pausierte wieder, zehn Jahre diesmal. 1981 steht er mit ungebrochenem Elan wieder vor der Kamera. Die besondere Qualität seiner Sendung: Sie war aus dem Ärmel geschüttelt, gibt jedem das Gefühl, damit klar zu kommen und überfordert nicht.

Die hohen Einschaltquoten hat sich Kulenkampff nie mit falschen Tricks und Kniffen, mit Sensationslust oder Schiebereien ergaunert; sein selbstbewußtes Auftreten als Conferencier ging einher mit einer persönlichen Bescheidenheit, auch wenn die Frauenzeitschrift "Emma" ihn einmal zum "Pascha des Monats" ernannte. Das war sicher nicht unverdient, wenn man berücksichtigt, wie er schöne Frauen anschaute und ab und an eine zweideutige Bemerkung vom Stapel ließ, doch er stand dazu und darüber.

Kulenkampff war einer der wenigen Fernsehunterhalter, die keine Vorsicht kannten, wenn ihn etwas störte, dann sagte er seine Meinung: Er konnte sich darüber aufregen, wenn Menschen anderen etwas vormachen, wenn Mächtige Macht missbrauchen. Große Worte und hinterhältiges Verhalten hat er stets unbarmherzig aufgespießt. Politisches Verhalten auf der Bühne? - Ja, wenn es darum geht, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten, doch parteipolitische Propaganda gehört da nicht hin. Kulenkampff nahm jedoch in seinen Shows nie ein Blatt vor den Mund. Als die DDR noch "Ost-Zone" hieß und von Springers Presseorganen noch nicht einmal in Gänsefüßchen genannt wurde, begrüßte Kuli die "lieben Fernsehfreunde in der DDR". Er verhalf dem von ihm bewunderten Willy Brandt mit seinem Namen und seiner Redegewandtheit ins Kanzleramt, sagte dem aus dem Amt scheidenden Bundespräsidenten Carstens die Moderation einer Showsendung ab - es sei denn, der Herr trete in SA-Uniform auf, und für Ronald Reagan fand er keine sehr freundlichen Worte.

Die Klo-Frau, der Hausmeister, die Garderobiere im Theater, die streng nach dem Partei-Buch ausgesucht werden, das war es, was Kuli ärgerte, ihn provozierte, zum Protest animierte. Dennoch sagte er: "Für mich ist der Freiraum im Fernsehen nicht geringer geworden, denn ich bin ja in der Unterhaltung. Wenn ich 'Monitor' oder 'Report' machen würde, da hätte ich schon öfters Ärger. Da kriegen ja selbst Leute Ärger, die für den Frieden sind." Schlimm war für Kulenkampff die Gegenwart in der Politik, schlimm auch die Zukunft des Show-Geschäfts. Er, der von Anfang an mitgestrickt hatte, sah das alles nicht rosig: "Wir haben ja schon Probleme, eine ordentliche Show auf die Beine zu stellen, wie soll das denn dann ausgehen, wenn wir ein, zwei, drei Dutzend Kanäle haben, die alle Unterhaltung bieten sollen?"

Eine Fernsehwirklichkeit, die von "Schwarzwaldklinik", Dieter Thomas Heck und "Blauem Bock" bestimmt wird, wo außer einem reaktionären Eiferer (ein Trost für Kuli, daß zu der Zeit, als er die TV-Szene verläßt, auch "ZDF-Magazin"-Löwenthal geht) jeder, der ein Wort zuviel und zu deutlich sagt, in die Schranken verwiesen wird, die droht sich schon zu verändern, wenn ein Hans Joachim Kulenkampf nicht mehr als Publikumsattraktion fungiert. Denn - zugegeben - von der Sache her war "Einer wird gewinnen" trotz der Einschaltquote keine riesige Sache. Es war konservative Fernsehunterhaltung, allerdings mit einigem Pep serviert. Später trat er noch ein paar mal auf, machte sehr zum Ärger der ARD einen "RTL-Buchclub", moderierte - nicht sehr lange - eine von Kritikern wenig freundlich aufgenommene Quizreihe "Zwischen gestern und morgen" und sagte schließlich im Sommer 1998 alle Termine ab. Er war seit langen Jahren schwer krebskrank. Kulenkampffs Person, seine Persönlichkeit, sein Ego werden nach seinem Abtritt in der Fernsehlandschaft fehlen.


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