Martin Held

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Martin Held in "Rosen für den Staatsanwalt"
Martin Erich Fritz Held
Geboren: 11.11.1908 in Berlin, Deutschland
Gestorben: 31.01.1992 in Berlin, Deutschland

Nach einer Lehre als Feinmechaniker bei Siemens, für die er sich seinem Vater zuliebe entschlossen hatte, fand Martin Held 1929 den Weg an die Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Für seine zweijährige Ausbildung, die ihm der damalige Staatstheater-Intendant Leopold Jessner empfohlen hatte, erhielt er ein Stipendium. Im Anschluss gab er sein Debüt in Gerhard Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang". Innerhalb von kürzester Zeit entwickelte sich Martin Held zum gefeierten Charakterdarsteller an Berliner Theatern, nachdem er zuvor mit Wanderbühnen ist Ost- und Westpreußen unterwegs war und erste Engagements in Dresden, Bremerhaven, Darmstadt und Frankfurt am Main erhalten hatte. In der dortigen Inszenzierung von Carl Zuckmayers "Des Teufels General" überzeugte er Publikum und Kritiker gleichermaßen. Fortan war er ein Bühnenstar, brillant in jeder Rolle, die er spielte. Er war pompös, aufbrausend, aber auch leise und im Gegensatz zu seiner imposanten körperlichen Erscheinung auch in der Lage feine Nuancen darzustellen.

Martin Held kam erst relativ spät zum Film. Im Vergleich zu seiner eindrucksvollen Bühnenkarriere kann seine Arbeit im Kino durchaus als zweitrangig bezeichnet werden, dennoch ist sie nicht weniger beachtlich. Nach seinem Debüt in dem Melodram "Schwarze Augen" (1951) dauert es nicht lange, bis ihm auch in diesem Bereich der Durchbruch gelingt. Bereits mit seinem dritten Film "Canaris" (1954) erreichte er all das, was er schon im Vorfeld auf der Bühne erreicht hatte: Ehre, gute Kritiken und Anerkennung. Für seine Darstellung des SD-Chef Reinhard Heydrich erhält er das Filmband in Gold. In den folgenden Jahren steht er mindestens zweimal pro Jahr für einen Kinofilm vor der Kamera, nebenbei sieht man ihn auch weiterhin auf den Berliner Bühnen. Seine Filmauftritte sind ebenso vielseitig wie seine Bühnenrollen, ebenso anspruchsvoll und interessant. Fern vom Sechzigerjahre-Kitsch- und Heimatfilmkino steht er für zeitkritische und die deutsche Vergangenheit bewältigende Werke vor der Kamera. In seiner leicht ironischen Weise überzeugt er als Nazi-Scherge, Vertreter des Wirtschaftswunders, aber auch als gerechtigkeitsorientierter Polizeikommissar oder unsympathischer, aalglatter Mörder. Er spielt intrigante Schwiegersöhne mit der gleichen Überzeugung wie zwielichtige Honorationen.

Seinen wohl besten und bekanntesten Film liefert er 1959 mit "Rosen für den Staatsanwalt" ab. Die bissige Satire, die für Martin Held eine große Herausforderung darstellte, ist auch heute noch eng mit dem Namen des sympathischen Darstellers verknüpft. Er mimt einen Staatsanwalt, der durch und durch die deutsche Nazi-Vergangenheit verkörpert. Danach nimmt Held mehr und mehr humorige Rollen an. Ab Mitte der Sechzigerjahre steht er fast ausschließlich in unterhaltenden Filme vor der Kamera, außerdem konzentriert er sich in dieser Zeit wieder verstärkt auf seine Bühnenarbeit.

"Die Herren mit der weißen Weste", eine Komödie die 1970 in die Kinos kam, hat eine ähnliche Wirkung wie "Rosen für den Staatsanwalt". Trotz hochklassiger Darsteller wie Heinz Erhardt, Rudolf Platte und Mario Adorf ist es vor allem Martin Helds brillante Darstellung, die im Gedächtnis haften bleibt. Auf Grund von Krankheit, u.a. Altersdiabetes, zieht er sich in den Siebzigerjahren immer mehr aus dem Filmgeschäft zurück und konzentriert sich auf die Bühnenarbeit. 1978 sieht man ihn in seinem letzten Kinofilm "Der Pfingstausflug". 70-jährig spielt er zusammen mit Elisabeth Bergner ein alterndes Seniorenpaar, das aus dem Altersheim ausbricht und beim Ausflug eine Bilanz ihrer 63-jährigen Ehe zieht.

Nach mehr als 60 Jahren Theaterarbeit und fast 40 Jahren vor der Kamera konnte Martin Held Ende der Achtzigerjahre ein positives Resümee seiner eindrucksvollen Karriere ziehen. In Erinnerung geblieben ist nicht nur seine seine brillante und vitale Darstellungskraft, sondern auch seine imposante Stimme, die er des öfteren als Synchronsprecher oder Rezitator einsetzte. Nach seinem Abschied von der Schauspielerei sah man Martin Held noch bei einigen Dichterlesungen, zuletzt 1991 im Schillertheater. Nach längerer Krankheit verstarb er 1992 in Berlin-Dahlem.

Weitere Filme und Serien mit Martin Held: "Heimweh nach dir" (1952), "Die Schule der Väter", "Alibi" (beide 1955), "Vor Sonnenuntergang", "Der Hauptmann von Köpenick", "Friederike von Barring", "Spion für Deutschland" (alle 1956), "Ein besserer Herr", "Banktresor 713", "Der Fuchs von Paris" (alle 1957), "Ein Glas Wasser", "Nasser Asphalt" (beide 1958), "Meine Tochter Patricia" (1959), "Bumerang", "Der letzte Zeuge" (beide 1960), "Die Ehe des Herrn Mississippi", "Frau Cheneys Ende", "Der Traum von Lieschen Müller" (alle 1961), "Der Walzer der Toreros", "Neunzig Minuten nach Mitternacht", "Das schwarz-weiß-rote Himmelbett" (alle 1962), "Liebe will gelernt sein", "Ein fast anständiges Mädchen", "Das große Liebesspiel" (alle 1963), "Spätsommer", "Die Festung" (beide 1964), "Michael Kramer", "Die Hose" (beide 1965), "Spätsommer", "Gespenster", "Lange Beine - Lange Finger" (alle 1966), "Die Mission", "Das älteste Gewerbe der Welt", "Fast ein Held - Die Abenteuer des braven Kommandanten Küppers" (alle 1967), "Dr. med. Fabian - Lachen ist die beste Medizin", "Der Sturm", "Spion unter der Haube", "Rumpelstilz" (alle 1969), "Endspurt", "Das letzte Band" (beide 1970), "Yvonne, Prinzessin von Burgund" (1971), "Der Kommissar" (TV-Serie), "Flint", "Hauptsache Ferien", "Frohe Ostern" (alle 1972), "Eines langen Tages Reise in die Nacht", "Die Schlange" (beide 1973), "Unter einem Dach" (TV-Serie), "Strychnin und saure Drops" (beide 1974), "Unordnung und frühes Leid", "Heinrich Zille" (beide 1977), "Der Pfingstausflug", "Play of the Month" (TV-Serie, 1978), "Niemandsland", "Unsere kleine Welt", "Der große Karpfen Ferdinand und andere Weihnachtsgeschichten" (alle 1978), "Niemandsland", "Der Alte" (TV-Serie, beide 1981), "Der Raub der Sabinerinnen" (1983), "Was zu beweisen war" (1986), "Derrick" (TV-Serie, 1987).

Foto: Kinowelt


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