Jean-Pierre Léaud

Oft scheu, schüchtern, ein wenig verklemmt:
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Oft scheu, schüchtern, ein wenig verklemmt: Jean-Pierre Léaud
Jean-Pierre Léaud
Geboren: 05.05.1944 in Paris, Frankreich

Mit 14 entdeckt ihn François Truffaut für seinen autobiographischen Film "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959), seither ist er als Antonie Doinel in vier weiteren Filmen immer wieder das alter ego des Regisseurs. Obwohl er sich sehr bald aus hochbegabter Schauspieler etabliert, spielt er gerne die von Truffaut angelegte Figur: den scheuen, schüchternen, ein wenig verklemmten jungen Mann, der die Mädchen liebt, sie - gerade durch seine Unsicherheit, die nicht selten spielerisch verstärkt wird, bezirzt.

Was Léaud kann, erkennt man immer dann, wenn er im Film eine andere Rolle spielt, sich ganz plötzlich anders gibt: hart, unerbittlich, böse, grausam. Seine Vielseitigkeit lässt er aufblitzen in Jean-Luc Godards "Masculin - féminin" (1965), in "Mata Hari, Agent H 21", in Godards "Lemmy Caution gegen Alpha 60" (1965) alias "Alphaville" oder in Truffauts "Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent" (1971) oder in "Die amerikanische Nacht" (1972, mit Jacqueline Bisset) des gleichen Regisseurs.

Überraschende Gegensätze: der Filmregisseur an der Seite von Marlon Brando und Maria Schneider in Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" (1972), der junge Mann in Jean Eustaches "Die Mama und die Hure" (1973), die Titelfigur in Aki Kaurismäkis "Vertrag mit meinem Killer" (1990) und schließlich der alternde Porno-Regisseur in "Der Pornograph" (2001).

Léaud wächst als Sohn des Drehbuchautors Pierre Léaud und der Schauspielerin Jacqueline Pierreux auf. Über seine Kindheit und Jugend erzählt er die unterschiedlichsten Geschichten, alle abenteuerlich, verworren, als stammen sie aus dem Drehbuch von Truffaut. Und das entspricht wohl auch eher der Wahrheit. Léaud gibt sich meist und gern als Phantast - wie in den Filmen, beredt, die Worte heraussprudelnd und dabei immer intelligent, phantasievoll und verblüffend. Léaud spielt keine Rolle, er spielt Kino, er ist Kino.

Weitere Filme mit Jean-Pierre Léaud (Auswahl): Jean Cocteaus "Das Testament des Orpheus" (1960), Godards "Elf Uhr nachts" (1965), "Der Weihnachtsmann hat blaue Augen", Godards "Made in U.S.A.", "Die Chinesin", "Weekend" (beide 1967), Truffauts "Geraubte Küsse" (1968), Pier Paolo Pasolinis "Der Schweinestall" (1969), Truffauts "Tisch und Bett" (1970), "Umarmungen und andere Sachen" (1975), Traffauts "Liebe auf der Flucht" (1978), Godards "Détective" (1985) mit Nathalie Baye und Claude Brasseur, "Glanz und Elend eines kleines Kinounternehmers" (1986) mit Jean-Pierre Mocky,"Catherine Breillats Jugendfilm "Lolita '90" (1987),Josiane Balaskos "Die Strichakademie" (1987), Agnès Vardas "Jane B. ... wie Birkin" (1987), Peter Patzaks "Der Gorilla und die Operation Poker" (1989), Olivier Assayas' "Paris erwacht" (1991) mit Judith Godrèche, Aki Kaurismäkis "Das Leben der Bohème" (1992), Marion Vernouxs "Überdreht und durchgeknallt" (1993), Vardas "Hundert und eine Nacht" (1994), Danièle Dubroux' "Tagebuch eines Verführers" (1995), Lucas Belvaux' "Liebe, Rache usw." (1996) mit Ornella Muti, Olivier Assayas' "Irma Vep" (1996), "Mein Mann" (1996), "What Time Is It There?" (2001), "Die Träumer" (2003), "J'ai vu tuer Ben Barka" (2005), "Fred Vargas: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord", "Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague" (Dokumentarfilm, beide 2009), "Le Havre" (2011).


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