Jean-Paul Belmondo

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Markenzeichen des französischen Films: Jean-Paul Belmondo
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Jean-Paul Belmondo
Geboren: 09.04.1933 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich

Wer an Belmondo denkt, sieht erst einmal den "Der Greifer" (1975) mit der Boxernase, den Draufgänger, der nur selten ein Double brauchte, den "Der Profi" (1981), das "Das Ass der Asse" (1982)... Ein Typ in engen Jeans und knapper Jacke mit hochgestelltem Kragen. Immer gut für einen trockenen Spruch. Die wulstigen Lippen umspielt ein überlegenes Lächeln, und sein breites Grinsen zeigt jedem unmissverständlich, dass hier einer über allem steht - mag der Blödsinn im Film noch so unerträglich sein.

So wurde Belmondo zu einem Markenzeichen des französischen Films. Auch wegen seines Engagements fürs Filmgeschäft und für die französischen Schauspielergewerkschaft wurde der Exportartikel Belmondo Ritter der Ehrenlegion und Träger des "Ordre national du Mérite et des Art et des Lettres".

Der Sohn eines Bildhauers lernte viel im Atelier seines Vaters. Boxer wollte Jean-Paul werden. Es blieb bei einem Versuch. Mehr als die Schule lag dem unruhigen Jugendlichen die Schauspielerei. Bereits mit 17 sammelte er Bühnenerfahrung. Nach drei Jahren an einer Wanderbühne findet er im zweiten Anlauf Aufnahme am Pariser Konservatorium und lässt sich weiter ausbilden. Es folgen Rollen an verschiedenen Theatern in Paris, seit 1956 auch einige Filmrollen (so etwa 1959 "Ein Engel auf Erden"mit Romy Schneider oder "Schritte ohne Spur"), bis zu einem Paukenschlag: Jean-Luc Godard, unterstützt von François Truffaut und Claude Chabrol, dreht mit ihm dem Kultfilm "Außer Atem" (1959).

Auch finanziell ein Riesenerfolg. Belmondo spielt einen Gangster auf der Flucht vor der Polizei. Das Mädchen (Jean Seberg), das er liebt, verpfeift ihn. Enttäuscht geht der junge Mann trotzdem seinen Weg - bis in den gewollten Tod. Nicht die an sich banale Geschichte, sondern die moderne collagenhafte Machart des Films (Nouvelle Vague) und der trotzig-selbstbewusste Charakter des jungen Helden nach Humphrey Bogart sorgten für Furore und machten Belmondo über Nacht bekannt. Hauptrollen winkten: "Eine Frau ist eine Frau" (1960), "Das Haus in der Via Roma" (1959) mit Claudia Cardinale, "... und dennoch leben sie" mit Sophia Loren, "Eva und der Priester" (1961).

Die Filme sind eher durchschnittlich, aber mit prominenter Besetzung. Belmondo ist sich für keine Rolle zu schade. Er probiert alles aus und dreht von 1961 bis 1966 ohne Unterbrechung. Er ist Priester, Gangster und Gauner ("Cartouche, der Bandit" - 1961), Spitzel, Verführer, Wegelager, Betrüger.

Philippe de Brocas "Abenteuer in Rio" (1963) wird zu einem Wendepunkt. Belmondo spielt einen Luftwaffensoldaten, der Zeuge wird, wie seine Verlobte nach Rio entführt wird. Die Verfolgungsabenteuer zeigen einen James Bond-Typen, weltmännisch und unerschütterlich. Aus dem Antihelden wird der Tausendsassa, der die besten Regisseure anzog: Godard, Melville ("Der Teufel mit der weißen Weste", "Die Millionen eines Gehetzten", "Eva und der Priester"), Sautet ("Der Panther wird gehetzt"), Bolognini, Verneuil.

Die Fans gründen einen Belmondo-Club mit Präsidenten, Vizepräsidenten. 1000 feste Mitglieder werden gezählt. Belmondo ist gefragt wie nie zuvor: Jean-Luc Godards "Elf Uhr nachts", "Die tollen Abenteuer des Monsieur L." (beide 1965), "Geliebter Schuft", "Der Dieb von Paris", die James-Bond-Persiflage "Casino Royale" (alle 1966), "Die Nr. 1 bin ich" (1968), "Borsalino" mit Alain Delon, "Das Geheimnis der falschen Braut" (beide 1969) mit Catherine Deneuve, "Der Coup" (1971) mit Omar Sharif, "Der Mann aus Marseille" mit Claudia Cardinale", "Der Draufgänger", "Der Halunke" (alle 1972), Alain Resnais' anspruchsvoller Film über den Hochstapler "Stavisky", de Brocas Agentenpersiflage "Der Teufelskerl" (beide 1973), "Angst über der Stadt" (1974) von Verneuil, "Der Greifer", "Der Unverbesserliche" (beide 1975), "Der Körper meines Feindes" (1976), "Ein irrer Typ" (1977) mit Raquel Welch, "Der Windhund", "Der Puppenspieler" (beide 1979), "Der Profi" (1981), "Das Ass der Asse" (1982), "Der Außenseiter" (1983), "Der Boss" (1985). "Der Profi II" (1986) war ein großer Flop und mag als Beleg dienen, dass auch der Belmondo-Typus in fünfzehn Jahren Abnutzungserscheinungen aufweisen musste. 1992 sah man Belmondo dann wieder in dem Kriminalfilm "Das unheimliche Haus", 1994 in Agnès Vardas Komödie "Hundert und eine Nacht", 1995 in Claude Lelouchs Victor-Hugo-Literaturverfilmung "Les Misérables" sowie Patrice Lecontes Komödie "Alle meine Väter" (1998) und "Amazone" (1999).

1987 nimmt Belmondo wieder seine Theaterarbeit auf und wird u. a. in der Rolle als Cyrano von Bergerac gefeiert. Aus seiner Ehe mit Renée Constant (1959 bis 1966), genannt Elodie, stammen drei Kinder: Patricia, Florence und Paul.

Weitere Filme mit Jean-Paul Belmondo: "Molière" (1956), "Sonntagsfreunde", "Der unfreiwillige Raketenflieger", "Leben und lieben lassen" (alle 1957), "Sei schön und halt den Mund", "Die sich selbst betrügen", "Charlotte und ihr Typ" (alle 1958), "Die drei Musketiere" (1959), "Riskanter Zeitvertreib", "Die Nacht vor dem Gelübde", "Die Französin und die Liebe", "Stunden voller Zärtlichkeit" (alle 1960), "Sie nannten ihn Rocca", "Galante Liebesgeschichten" (alle 1961), "I dongiovanni della Costa Azzurra", "Un coeur gros comme ça" (Gastauftritt), "Ein Affe im Winter", "Il giorno piu corto" (beide 1962), "100.000 Dollar in der Sonne", "Verrückte Seefahrt", "Heißes Pflaster", "Bonbons mit Pfeffer" (alle 1963), "Dünkirchen, 2. Juni 1940", "Jagd auf Männer", "Der Boss hat sich was ausgedacht" (alle 1964), "An einem heißen Sommermorgen", "Brennt Paris?" (1965) "La bandeà Bebel" (Kurzfilm, 1967), "Le Démoniaque" (ungenannt, 1968), "Das Superhirn", "Dieu a choisi Paris", "Der Mann, der mir gefällt" (alle 1969), "Musketier mit Hieb und Stich" (1971), "Der Erbe" (1972), "Die Glorreichen" (1983), "Fröhliche Ostern" (1984), "Der Löwe" (1988), "Désiré" (1996), "Peut-être" (1999), "L'aîné des Ferchaux" (2001), das TV-Remake von "Die Millionen eines Gehetzten", "Ein Mann und sein Hund" (2008).


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