Markenzeichen des französischen Films: Jean-Paul Belmondo
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Jean-Paul Belmondo

Lesermeinung
Geboren
09.04.1933 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich
Gestorben
06.09.2021 in Paris
Sternzeichen
Biografie

Wer an Belmondo denkt, sieht erst einmal den "Der Greifer" (1975) mit der Boxernase, den Draufgänger, der nur selten ein Double brauchte, an "Der Profi" (1981) oder "Das Ass der Asse" (1982)... Ein Typ in engen Jeans und knapper Jacke mit hochgestelltem Kragen. Immer gut für einen trockenen Spruch. Die wulstigen Lippen umspielt ein überlegenes Lächeln, und sein breites Grinsen zeigt jedem unmissverständlich, dass hier einer über allem steht - mag der Blödsinn im Film noch so unerträglich sein.

So wurde Belmondo zu einem Markenzeichen des französischen Films. Auch wegen seines Engagements fürs Filmgeschäft und für die französische Schauspielergewerkschaft wurde der Exportartikel Belmondo Ritter der Ehrenlegion und Träger des "Ordre national du Mérite et des Art et des Lettres".

Der Sohn eines Bildhauers lernt viel im Atelier seines Vaters. Boxer will Jean-Paul werden. Es bleibt bei einem Versuch. Mehr als die Schule liegt dem unruhigen Jugendlichen die Schauspielerei. Bereits mit 17 sammelt er Bühnenerfahrung. Nach drei Jahren an einer Wanderbühne findet er im zweiten Anlauf Aufnahme am Pariser Konservatorium und lässt sich weiter ausbilden. Es folgen Rollen an verschiedenen Theatern in Paris, seit 1956 auch einige Filmrollen (so etwa 1959 "Ein Engel auf Erden" mit Romy Schneider oder "Schritte ohne Spur"), bis zu einem Paukenschlag: Jean-Luc Godard, unterstützt von François Truffaut und Claude Chabrol, dreht mit ihm den Kultfilm "Außer Atem" (1959).

Auch finanziell ein Riesenerfolg. Belmondo spielt einen Gangster auf der Flucht vor der Polizei. Das Mädchen (Jean Seberg), das er liebt, verpfeift ihn. Enttäuscht geht der junge Mann trotzdem seinen Weg - bis in den gewollten Tod. Nicht die an sich banale Geschichte, sondern die moderne collagenhafte Machart des Films (Nouvelle Vague) und der trotzig-selbstbewusste Charakter des jungen Helden nach Humphrey Bogart sorgen für Furore und machen Belmondo über Nacht bekannt. Hauptrollen winken: "Eine Frau ist eine Frau" (1960), "Das Haus in der Via Roma" (1959) mit Claudia Cardinale, "... und dennoch leben sie" mit Sophia Loren, "Eva und der Priester" (1961).

Die Filme sind eher durchschnittlich, aber mit prominenter Besetzung. Belmondo ist sich für keine Rolle zu schade. Er probiert alles aus und dreht von 1961 bis 1966 ohne Unterbrechung. Er ist Priester, Gangster und Gauner ("Cartouche, der Bandit" - 1961), Spitzel, Verführer, Wegelager, Betrüger.

Philippe de Brocas "Abenteuer in Rio" (1963) wird zu einem Wendepunkt. Belmondo spielt einen Luftwaffensoldaten, der Zeuge wird, wie seine Verlobte nach Rio entführt wird. Die Verfolgungsabenteuer zeigen einen James Bond-Typen, weltmännisch und unerschütterlich. Aus dem Antihelden wird der Tausendsassa, der die besten Regisseure anzog: Godard, Melville ("Der Teufel mit der weißen Weste", "Die Millionen eines Gehetzten", "Eva und der Priester"), Sautet ("Der Panther wird gehetzt"), Bolognini, Verneuil.

Die Fans gründen einen Belmondo-Club mit Präsidenten, Vizepräsidenten. 1000 feste Mitglieder werden gezählt. Belmondo ist gefragt wie nie zuvor: Jean-Luc Godards "Elf Uhr nachts", "Die tollen Abenteuer des Monsieur L." (beide 1965), "Geliebter Schuft", "Der Dieb von Paris", die James-Bond-Persiflage "Casino Royale" (alle 1966), "Die Nr. 1 bin ich" (1968), "Borsalino" mit Alain Delon, "Das Geheimnis der falschen Braut" (beide 1969) mit Catherine Deneuve, "Der Coup" (1971) mit Omar Sharif, "Der Mann aus Marseille" mit Claudia Cardinale", "Der Draufgänger", "Der Halunke" (alle 1972), Alain Resnais' anspruchsvoller Film über den Hochstapler "Stavisky", de Brocas Agentenpersiflage "Der Teufelskerl" (beide 1973), "Angst über der Stadt" (1974) von Verneuil, "Der Greifer", "Der Unverbesserliche" (beide 1975), "Der Körper meines Feindes" (1976), "Ein irrer Typ" (1977) mit Raquel Welch, "Der Windhund", "Der Puppenspieler" (beide 1979), "Der Profi" (1981), "Das Ass der Asse" (1982), "Der Außenseiter" (1983), "Der Boss" (1985). "Der Profi II" (1986) ist ein großer Flop und mag als Beleg dienen, dass auch der Belmondo-Typus in fünfzehn Jahren Abnutzungserscheinungen aufweisen muss. 1992 sieht man Belmondo dann wieder in dem Kriminalfilm "Das unheimliche Haus", 1994 in Agnès Vardas Komödie "Hundert und eine Nacht", 1995 in Claude Lelouchs Victor-Hugo-Literaturverfilmung "Les Misérables" sowie Patrice Lecontes Komödie "Alle meine Väter" (1998) und "Amazone" (1999).

1987 nimmt Belmondo wieder seine Theaterarbeit auf und wird u. a. in der Rolle als Cyrano von Bergerac gefeiert. Aus seiner Ehe mit Renée Constant (1959 bis 1966), genannt Elodie, stammen drei Kinder: Patricia, Florence und Paul. Am 6. September stirbt Jean-Paul Belmondo im Alter von 88 Jahren.

Weitere Filme mit Jean-Paul Belmondo: "Molière" (1956), "Sonntagsfreunde", "Der unfreiwillige Raketenflieger", "Leben und lieben lassen" (alle 1957), "Sei schön und halt den Mund", "Die sich selbst betrügen", "Charlotte und ihr Typ" (alle 1958), "Die drei Musketiere" (1959), "Riskanter Zeitvertreib", "Die Nacht vor dem Gelübde", "Die Französin und die Liebe", "Stunden voller Zärtlichkeit" (alle 1960), "Sie nannten ihn Rocca", "Galante Liebesgeschichten" (alle 1961), "I dongiovanni della Costa Azzurra", "Un coeur gros comme ça" (Gastauftritt), "Ein Affe im Winter", "Il giorno piu corto" (beide 1962), "100.000 Dollar in der Sonne", "Verrückte Seefahrt", "Heißes Pflaster", "Bonbons mit Pfeffer" (alle 1963), "Dünkirchen, 2. Juni 1940", "Jagd auf Männer", "Der Boss hat sich was ausgedacht" (alle 1964), "An einem heißen Sommermorgen", "Brennt Paris?" (1965) "La bandeà Bebel" (Kurzfilm, 1967), "Le Démoniaque" (ungenannt, 1968), "Das Superhirn", "Dieu a choisi Paris", "Der Mann, der mir gefällt" (alle 1969), "Musketier mit Hieb und Stich" (1971), "Der Erbe" (1972), "Die Glorreichen" (1983), "Fröhliche Ostern" (1984), "Der Löwe" (1988), "Désiré" (1996), "Peut-être" (1999), "L'aîné des Ferchaux" (2001), das TV-Remake von "Die Millionen eines Gehetzten", "Ein Mann und sein Hund" (2008).

Filme mit Jean-Paul Belmondo
1959
Noch ahnt Michel (Jean-Paul Belmondo, mit
Jean Seberg) nichts von seinem Ende ...
Außer Atem
Gangsterfilm
1959
Henri Vidal und sein Schutzengel Romy Schneider
Ein Engel auf Erden
Fantasykomödie
1959
Schritte ohne Spur
Psychokrimi
1960
Klar bist du eine Frau! 
Jean-Paul Belmondo bestätigt es Anna Karina
Eine Frau ist eine Frau
Liebeskomödie
1960
Stunden voller Zärtlichkeit
Literaturverfilmung
1961
Auch ein Räuber will mal schmusen: Jean-Paul 
Belmondo und Odile Versois
Cartouche, der Bandit
Abenteuerkomödie
1961
Eva und der Priester
Gesellschaftsdrama
1962
Ist die Weste wirklich noch weiß? Jean-Paul
Belmondo und Monique Hennessy
Der Teufel mit der weißen Weste
Gangsterfilm
1962
Michel Maudet (Jean-Paul Belmondo) ist das Leben
als erfolgloser Boxer satt
Die Millionen eines Gehetzten
Gangsterfilm
1963
Adrien (Jean-Paul Belmondo) konnte Agnès
(Françoise Dorléac) befreien, doch sie wurde mit
Drogen betäubt
Abenteuer in Rio
Action
1964
Der Boss hat sich was ausgedacht
Gangsterkomödie
1964
Dünkirchen, 2. Juni 1940
Kriegsdrama
1965
Die tollen Abenteuer des Monsieur L.
Abenteuerkomödie
1965
Elf Uhr nachts
Tragikomödie
1966
Auch David Niven lässt sich
von Daliah Lavi gern ins Hemd
helfen. Oder zieht er´s aus?
Casino Royale
Agentenparodie
1967
Der Dieb von Paris
Tragikomödie
1968
Uns erkennt doch keiner! Arthur (Jean-Paul
Belmondo. l.) und Anatole (Bourvil)
Das Superhirn
Gaunerkomödie
1969
Werden von Rivalen zu dicken Freunden: 
Capella (Jean-Paul Belmondo, l.) und Siffredi
(Alain Delon)
Borsalino
Gangsterfilm
1969
Jean-Paul Belmondo hat sich mit Chatherine Deneuve 
eine zwielichtige Braut geangelt  
Das Geheimnis der falschen Braut
Kriminalfilm
1971
Von mir bekommst du nicht einen Dollar! Azad
(Jean-Paul Belmondo) bedroht den Erpresser-Cop
Zacharia (Omar Sharif, l.)
Der Coup
Krimikomödie
1971
Musketier mit Hieb und Stich
Abenteuerfilm
1972
Es war Mord! Jean Rochforte (l.) und Jean-Paul
Belmondo
Der Draufgänger
Thriller
1972
Der Mann aus Marseille
Gangsterdrama
1973
François Merlin (Jean-Paul Belmondo) hat sich in
seine schöne Nachbarin Christine ( Jacqueline
Bisset) verguckt ...
Der Teufelskerl
Agentenfilmparodie
1974
Ich kriege dich noch, du Killer! Jean-Paul
Belmondo als Hauptkommissar Le Tellier
Angst über der Stadt
Actionkrimi
1975
Die Jungs greif' ich mir! Jean-Paul Belmondo in seiner Paraderolle als unnahbarer Einzelkämpfer
Der Greifer
Actionkrimi
1976
Der Körper meines Feindes
Kriminalfilm
1977
Ein irrer Typ
Actionkomödie
1979
Jean-Paul Belmondo mit ungewöhnlichem Halsschmuck  
Der Puppenspieler
Actionkomödie
1979
Der Windhund
Kriminalfilm
1981
Der Profi
Spionagefilm
1982
Das Ass der Asse
Actionkomödie
1983
Der Außenseiter
Actionfilm
1983
Schießt sich durch die Wüste: Jean-Paul Belmondo
Die Glorreichen
Abenteuerfilm
1984
Fröhliche Ostern
Komödie
1985
Kitzelt das auch nicht? Guy Marchand hilft
Jean-Paul Belmondo
Der Boss
Krimikomödie
1986
Hände hoch oder ich knall euch ab! Jean-Paul
Belmondo als Kommissar Sam
Der Profi II
Actionfilm
1992
Die Zeitung ist aber langweilig! Jean-Paul Belmondo
Das unheimliche Haus
Kriminalfilm
1994
Also, du bist ein richtiger Kino-Star? Catherine Deneuve und Robert De Niro  
Hundert und eine Nacht
Komödie
1998
Wer ist denn nun mein Vater? <br>Vanessa Paradis 
zwischen Alain Delon (l.) und Jean-Paul Belmondo
Alle meine Väter
Komödie
1999
Peut-être
Komödie
2000
Les acteurs
Komödie
2001
L'aîné des Ferchaux
Téléfilm dramatique
2008
Der alte Mann und sein Hund: Jean-Paul Belmondo
Ein Mann und sein Hund
Sozialdrama

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