Ruth Leuwerik

Einer der deutschen Filmstars der Fünfziger- und
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Einer der deutschen Filmstars der Fünfziger- und Sechzigerjahre: Ruth Leuwerik
Ruth Leeuverik
Geboren: 23.04.1924 in Essen, Deutschland
Gestorben: 12.01.2016 in München, Deutschland

Sie war neben Maria Schell der weibliche Filmstar der Fünfzigerjahre: Ruth Leuwerik, die Kaiserin Elisabeth in Helmut Käutners "Ludwig II." (1954). Zweimal war sie durch die Schauspielschule gefallen, weil die Kommission der Ansicht war, sie habe keine Stimme und zuviel Hemmungen für den Beruf. Außerdem sei sie zu klein und zu mager für die jugendliche Liebhaberin. Doch gerade darin hatte sie im Zeitalter von Nierentisch und Cocktailsessel Erfolg. "Ruth Leuwerik kultiviert edles Gefühl, das durch alle Leiden hindurch unbeirrbar zum Guten wirkt", schreibt Enno Patalas in seiner "Sozialgeschichte des Stars".

Die Tochter eines Kaufmanns aus Essen war Fräserin, Stenotypistin und Schauspielschülerin. Nach dem Bühnendebüt am Westfälischen Landestheater Münster spielte sie in Bremen, Lübeck, sowie am Hamburger, später am Düsseldorfer Schauspielhaus, bis sie der Film entdeckte und mit Beschlag belegte. Sie ist der gute Geist des "Chirurgen" Richard Gerbrand alias Dieter Borsche in Rolf Hansens Ärzte-Schnulze "Die große Versuchung" (1952), die endlich gefundene neue Mutter für die vier liebenswerten Rangen in Harald Brauns "Vater braucht eine Frau" ebenfalls neben Dieter Borsche. Der eckig smart coole Borsche war überhaupt häufig neben der Leuwerik zu sehen und beide bildeten ein ebenso ehrenhaftes wie tröstliches Bild deutscher Familienidylle, die durch kein Ärgernis zu zerstören war.

Das gilt auch für die Liaison zwischen der amerikanischen Millionärstochter Imma und Prinz Klaus Heinrich, der seinen Bruder, den kränkelnden Großherzog Albrecht II. ablöst. "Königliche Hoheit" (1953) von Harald Braun beruht auf Thomas Manns gleichnamiger Erzählung: Dieter Borsche und Ruth Leuwerik helfen einander, Vorurteile und Konventionen abzubauen. Unter Wolfgang Liebeneiner ist sie dann auch noch die "Königin Luise" mit dem unvermeidlichen Borsche als Friedrich Wilhelm von Preußen. Während Borsche allmählich von Ärzten, Prinzen und Pastoren Abschied nimmt und bald zum Charakterbösewicht des deutschen Edgar-Wallace-Films wird, findet Ruth Leuwerik in O. W. Fischer einen neuen Partner. In Rudolf Jugerts "Ein Herz spielt falsch" ist sie noch die Gegenspielerin von Gertrud Kückelmann, in "Bildnis einer Unbekannten" (1954) liebt sie als Barsängerin Nicole den Diplomaten Walter (Erich Schellow), doch als sie der Pariser Maler O. W. Fischer in der Oper sieht, ist dieser von ihrem Gesicht so fasziniert, dass er es für ein Aktgemälde benutzt. Da ihr Gatte Walter erpresst wird und sein Ruf Schaden nehmen kann, nimmt sie die Schuld auf sich, um seine Karriere zu retten. Zum Lohn wird sie die Geliebte des Malers.

In Helmut Käutners Händen fehlt der poesievollen Schnulze die Feinheit eines Douglas Sirk oder Max Ophüls. Doch trotz des Misserfolgs: Das deutsche Kino hat ein neues Traumpaar. Und das ist im gleichen Jahr in dem deutschen Edel-Hochglanzfilm "Ludwig II." - wieder unter Helmut Käutners Regie - zu besichtigen. Ruth Leuwerik spielt neben dem Märchenkönig O. W. Fischer die Kaiserin Sissi, die jedoch leider mit dem Kaiser Franz Joseph verheiratet ist. Der arme König Ludwig vereinsamt deshalb immer mehr, wird wahnsinnig und ertrinkt auf ungeklärte Weise im blauen See. Helmut Käutner hat ein melodramatisches Werk voller Schicksalswolken, Kulissendonner und Wagnermusik angerührt.

Tragisches Schicksal wird immer wieder durch ihre sanfte Noblesse entschärft. So sieht man sie in der Chronik einer deutschen Familie von 1900-1947 an der Seite von Carl Raddatz in "Geliebtes Leben" (1953) von Rolf Thiele, als Theodor Fontanes Effi Briest in Rudolf Jugerts "Rosen im Herbst" (1955), neben Hans Holt als beherztes Familienoberhaupt in der erfolgreichen Edelschnulze "Die Trapp-Familie" (1956) von Wolfgang Liebeneiner, als Königin von Preußen in "Königin Luise - Liebe und Leid einer Königin" (1956), mit Curd Jürgens in dem Melodram "Die goldene Brücke" (1956) und in "Auf Wiedersehen, Franziska!" (1957), ebenfalls von Wolfgang Liebeneiner, neben Carlos Thompson. Das ist eine Liebesromanze zwischen einem oberflächlichen Bildreporter und einer Kunstgewerblerin.

Bei Robert Siodmak in "Dorothea Angermann" (1958/59) nach Gerhardt Hauptmann ist sie die Pastorentochter, die als Mordangeklagte vor dem Schwurgericht steht, und schließlich in Wolfgang Liebeneiners "Liebling der Götter" die Schauspielerin Renate Müller. Liebeneiner besetzt sie auch in "Taiga" (1958) als Ärztin in einem sibirischen Lager, in Franz Peter Wirths Liebesmelodrama "Ein Tag, der nie zu Ende geht" ist sie die Geliebte von Hansjörg Felmy. "Ein Alibi zerbricht" (1963) von Alfred Vohrer zeigt die Leuwerik neben Peter van Eyck, Charles Regnier und Sieghardt Rupp. Ein bundesdeutscher Wirtschaftswunder-Krimi nach Schema F: Ein erfolgreicher Bauingenieur und eine angesehene Strafverteidigerin leben als Ehepaar in Glück und Wonne. Die Sonne scheint, das Geld fließt, Wohlstand allenthalben. Und plötzlich ist es aus mit dem Frieden: Sie verteidigt einen (natürlich unschuldigen) Fernfahrer, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist. Ein Unbekannter ist der Täter. Wer wohl?

Ein Jahr davor ist sie in Helmut Käutners "Die Rote" eine Frau, die Ehemann und Geliebtem entflieht. Noch einmal bei Käutner, der sie schätzt, spielt sie in Curd Goetz' "Das Haus in Montevideo" Heinz Rühmanns Partnerin und ihren letzten Kinofilm drehte sie mit Franz Seitz: Thomas Manns "Unordnung und frühes Leid". Danach kamen Fernsehrollen, Bühnenproduktionen und - Resignation. Fünfmal wurde Ruth Leuwerik mit dem Bambi ausgezeichnet, sie hat Ibsens "Hedda Gabler", die Titelrolle in "Ninotschka" und die weibliche Hauptrolle in Peter Beauvais Schnitzler-Adaptation "Das weite Land" im Fernsehen gespielt. Franz Peter Wirth vertraute ihr die Konsulin in dem Fernseh-Mehrteiler von Thomas Manns "Buddenbrooks" an. Später spielt sie fast nur noch Theater, doch 1996 taucht sie noch einmal in einer Nebenrolle in "Das Wispern im Berg der Dinge" von Dominik Graf und Michael Althen auf.


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