Klaus Schwarzkopf

Treffsicher in Gestik und Mimik:
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Treffsicher in Gestik und Mimik: Klaus Schwarzkopf in seiner Paraderolle als Kommissar Finke
Klaus Schwarzkopf
Geboren: 18.12.1922 in Neuruppin, Deutschland
Gestorben: 21.06.1991 in Bochum, Deutschland

Das Auffallende an diesem kleinen Mann mit dem freundlichen Gesicht war seine Unauffälligkeit. Der bekennende Junggeselle ("Ich habe einfach das Heiraten vergessen") war nie der Star, sondern stets der große Darsteller der kleinen Leute. Sekretäre, Vertreter, Trödelladenbesitzer, Vagabunden, Verlierer, Erniedrigte - das waren seine Rollen. Selbst am "Tatort - Blechschaden", wo andere den "Rambo" (Götz George als Schimanski) oder den Weiberheld (Sieghardt Rupp als Zollfahnder Kressin) gaben, war sein Kommissar Finke der Leisetreter unter den Kripokollegen.

Die mitfühlenden Zuschauer haben den Kleinen mit der sonorigen Stimme gemocht. In München, wo es Schwarzkopf nach Stationen in Berlin, Wiesbaden (1953) und Hannover bis zum bayerischen Staatsschauspieler brachte, war er Publilumsliebling. Und vor der Kamera stand Schwarzkopf bis Ende der Achtzigerjahre für mehr als 250 TV-Inszenierungen. Damit war er der meistbeschäftigste unter den deutschen Schauspielern seiner Zeit, der seine Stimme übrigens noch einem anderen bekannten Kommissar lieh: Columbo (Peter Falk). Schwarzkopfs Vater war früh verstorben, die Mutter drängte ihr einziges Kind in eine Beamtenlaufbahn. Der eingeschlagene Ausbildungsweg führte in Richtung Regierungsinspektor. Doch Klaus wußte nach eigenen Aussagen "schon als Fünfjähriger", dass er Schauspieler werden wollte. Eine Knochentuberkulose, die ihn als Elfjährigen zwei Jahre lang ins Gipsbett zwang, hat diesem Wunsch offenbar Vorschub geleistet. Denn Musik und (dramatische) Literatur, steht rückblickend zu lesen, waren für lange Zeit seine treuesten Gefährten. Während des Kriegs besuchte Schwarzkopf die Schauspielschule Berlin. Das erste Engagement erhielt der spätere Wahlmünchner 1947. Sein stotternder Handlungsreisender Willy Lomann (nach Arthur Miller) und die Figur des Friseurs Harry in "Unter der Treppe" (neben Will Quadflieg) gehören zu seinen Glanzleistungen auf der Bühne.

Fürs Fernsehen gab er in "Praxis Bülowbogen" einen Chlochard und einen Tippelbruder in "Der Kommissar - Tod eines Landstreichers" (1969). 1987 stand er für die ZDF-Serie "Priester" vor der Kamera. Die populärste Hauptrolle des Kommissars Finke hätte Klaus Schwarzkopf mehr als die acht Mal spielen können. Doch wiederholt lehnte er die Drehbücher als zu seicht ab. Dafür war er mehrmals als Gastkommissar in der Reihe zu sehen sowie in den Jahren 1969 und 1974 häufig in "Der Kommissar" und bei "Derrick". Rar machte sich Schwarzkopf im Kino. Man sieht ihn vorzugsweise in den frühen Simmel-Verfilmungen: "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (1971), "Der Stoff, aus dem die Träume sind" (1972) und "All Menschen werden Brüder" (1973). Hier übernahm Schwarzkopf die Rolle des Boris Minski und erhielt für seine darstellerisch Leistung das Filmband in Gold. 1973 sah man ihn als erpresster Professor und Widersacher von Jürgen Prochnow in dem Thriller "Einer von uns beiden". Eine Nebenrolle spielte er noch einmal in der Simmel-Verfilmung "Die Antwort kennt nur der Wind" (1974).

Im Juni 1991 schließlich gehörte Schwarzkopf neben Mario Adorf und Heinz Hönig zur vorgesehenen Bestbesetzung für den überragenden Kaufhaus-Vierteiler "Der große Bellheim". Um das Projekt nicht zu gefährden, verschleppte der seinerzeit 68-Jährige eine Infektion (in Folge von Aids), die beim Dreh eskalierte. Schwarzkopf wird mit Lungenentzündung in ein Bochumer Krankenhaus eingeliefert und stirbt. Den Part übernahm Heinz Schubert.

Weitere Filme: "Becket oder Die Ehre Gottes" (1962), "Komödie der Irrungen", "Dr. med. Hiob Prätorius", "Flug in Gefahr" (alle 1964), "Der Drache", "Kriminalmuseum - Das Feuerzeug" (beide 1965), "Schläft für Deutschland" (1966), "Kriminalmuseum - Die Briefmarke", "Herrliche Zeiten im Spessart", "Sieben Wochen auf dem Eis" (Mehrteiler, alle 1967), "Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos", "Meinungsverschiedenheiten", "Madame Bovary" (Serie, alle 1968), "Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas", "Tartuffe oder Der Betrüger", "Hôtel du commerce" (alle 1969), "Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte" (1970), "Tatort - Blechschaden", "Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache" (beide 1971), "Tatort - Strandgut", "Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann", "Novellen aus dem wilden Westen", "Gran Canaria" (alle 1972), "Tatort - Cherchez la femme oder Die Geister am Mummelsee", "Tatort - Jagdrevier" (beide 1973), "Tatort - Nachtfrost", "Tatort - Eine todsichere Sache", "Drei Männer im Schnee", "Tatort - Acht Jahre später", "Tatort - Gift", "Eintausend Milliarden" (alle 1974), "Stellenweise Glatteis", "Sladek oder Die schwarze Armee", "Kurzschluss" (alle 1975), "Tatort - Zwei Leben", "Alle Jahre wieder: Die Familie Semmeling" (Mehrteiler, beide 1976), "Tatort - Reifezeugnis", "Sanfter Schrecken", "Das Rentenspiel" , "Die Dämonen" (Mehrteiler, alle 1977), "Tochter des Schweigens" (Serie), "Tatort - Himmelfahrt" (beide 1978), "Meister Eder und sein Pumuckl" (1979, Serie), "Reiseabrechnung" (1980), "Wer den Schaden hat..." (1981), "Das blaue Bidet" (1982), "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1982, Mehrteiler), "Gin Romme" (1983), "Die Grünstein-Variante" (1984), "Die Geschichte vom guten alten Herrn und dem schönen Mädchen" (1985), "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (1986, als Erzähler), "Die Stunde des Leon Bisquet", "Der Kandidat", "Der Junge mit dem Jeep" (alle 1986), "Die Menagerie von Sanssouci" (1987), "Solo für Georg" (1990), "La Paloma fliegt nicht mehr" (1992).

Foto: NDR/Edda Sachse


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