Youssef Chahine

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Einer der bekanntesten Regisseure Ägyptens: Youssef Chahine
Fotoquelle: Featureflash/shutterstock.com
Youssef Gabriel Chahine
Geboren: 25.01.1926 in Alexandria, Ägypten
Sternzeichen: Wassermann
Gestorben: 27.07.2008 in Kairo, Ägypten

"Courage ist heute selten geworden, ich glaube, da ist etwas falsch gelaufen mit der Erziehung. Gewalttätigkeit ist nicht Mut, sondern Schwäche, besonders wenn sie sich gegen andere Menschen richtet. Die größte Gefahr für die Menschheit ist die Mittelmäßigkeit im Denken und Handeln. Wenn etwas falsch läuft, muß ich alles daransetzen, etwas zu ändern. Das ist Bürgerpflicht, überall auf der Welt." (Youssef Chahine)

Der Mann, der das sagt, ist einer, der nicht wegschaut. Zur Zeit ist er gemeinsam mit anderen ägyptischen Filmemachern mehr mit Politik als mit dem Drehen beschäftigt. Das erfordert die Situation heute wie 1987, als ägyptische Künstler in den Hungerstreik traten, um gegen die Willkür der Kulturpolitik zu kämpfen.

Heute ist Chahine der bekannteste Regisseur Ägyptens und gehört zu den bedeutendsten in Europa. Schon früh eckt er mit seinen Arbeiten bei der Zensur an. 1958 macht er sich unbeliebt, als er selbst in seinem Film "Tatort Hauptbahnhof Kairo" einen verkrüppelten Zeitungsverkäufer spielt. Zuschauer spucken ihn an, die eigene Familie wirft ihm vor, ihren Namen besudelt zu haben. Eine Reihe verschlüsselter Filme folgt: eine Carmen-Adaptation und ein formal interessanter Ausstattungsfilm über Sultan Saladin aus dem 12. Jahrhundert ("Sultan Saladin", 1963).

1972 macht er in einem Film deutlich, daß der wahre Feind im eigenen Land sitzt. In "Rückkehr des verlorenen Sohnes" (1976) geht es um die Unmöglichkeit, ohne wirtschaftliche Einbußen ein Gesellschaftssystem durch ein anderes zu ersetzen. Mit "Alexandria ... warum?" (1978), der mit dem Berliner Bären ausgezeichnet wird, und "Adieu Bonaparte" (1985) mit Patrice Chéreau und Michel Piccoli gewinnt Youssef Chahine internationales Ansehen.

Für den Ägypter Chahine ist der Hitler-Faschismus Zeitfolie, aber zugleich lebendige Geschichte. In "Alexandria ... warum?" läßt er seinen Helden, den Schüler Yehia, von Hollywood träumen, während sein Land - wir schreiben das Jahr 1942 - von fremden Truppen überfallen wird. Es ist die Geschichte des Filmemachers, der wie der Filmheld mit einem Stipendium in die USA geht.

Einige Jahre vergehen und Chahine produziert in seiner Heimat weiterhin Filme, die seinen vorherigen Werken in nichts nachstehen. "Die ägyptische Geschichte" (1982) ist eine Fortsetzung von "Alexandria ... warum?" und erzählt von den Zusammenhängen seiner Karriere und der politischen Entwicklung in Ägypten. Es folgen Filme wie "Der sechste Tag" (1986) und "Für immer Alexandria" (1990).

1992 inszeniert er an der Pariser Comedie Française Albert Camus' "Caligula". Mit orientalischer Musik und heutigen Figuren interpretiert er das Schauspiel neu. Der erste Bühnenversuch wird ein großer Erfolg: "Financial Times/Los Angeles bezeichnete meinen Caligula als das beste, was in drei Jahren seit Peter Brook in Paris auf der Bühne passiert."

Am 25. Januar 1926 kommt er als Kind eines angesehenen, libanesischen Advokaten und einer christlich-orthodoxen Griechin in Alexandria zur Welt. Er geht auf eine französischsprachige Klosterschule, später an das englischsprachige Victoria-College, von dort aus auf die Universität von Alexandria. Er soll Beamter werden, doch seine Liebe gehört dem Kino. Seine Idole heißen Esther Williams und Fred Astaire. Von der amerikanischen Pasadena-Universität, wo er Schauspielerei studiert, kommt er Ende der 40er Jahre mit einem Diplom zurück nach Ägypten. Er beginnt seine Karriere als Schauspieler, bis er zwei Jahre später sein Regiedebüt gibt ("Baba Amin", 1950).

Amerikanische Routine vermischt sich in seinen Filmen mit der Vorliebe für nationale Themen. Als er zu Hause zu arbeiten beginnt, entmachtet Nasser König Faruk. Es ist eine Zeit des Wandels. Nationalisten und Liberale, Islamisten und Linke kämpfen, kritisch-realistisches Kino beginnt sich in Ägypten zu etablieren und Chahine gehört zu jenen Filmern die Gegenwart und Geschichte kritisch reflektieren.

Chahine: "Ich möchte alles verändern. Ich mag die Leute nicht, die akzeptieren, daß man alt und träge wird. Einstein entwickelte die Relativitätstheorie mit 72, also muß er mit 72 sehr jung gewesen sein." Er haßt Bewegungslosigkeit und Stillstand. Kino ist fürs Massenpublikum, das dürfe man beim Drehen nie vergessen.

Chahines Film "Der Emigrant" von 1994 wird nach erfolgreichem Kinostart verboten, wieder freigegeben, wieder verboten. Es gibt sogar Morddrohungen radikaler Islamisten gegen den Regisseur, weil er den heiligen Propheten Jakob, Josephs Vater, personifiziert. Die persönliche Version der biblischen Josephs-Geschichte spielt zur Zeit der Pharaonen, ist aber aufs Heute bezogen.

1997 verfilmte er das Leben des muslimischen Philosophen und Arztes Averroes, auch bekannt als Ibn Ruschd, der im 12. Jahrhundert im arabisch besetzten Spanien lebte. Im gleichen Jahr erhielt Youssef Chahine auf den Filmfestspielen in Cannes eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. 2000 kam sein Werk "Der Andere - L'autre" (1999) in die Kinos, 2002 steuerte er eine Episode zu "11'09''01 - September 11" bei und 2007 drehte er Chahine das Drama "Chaos".


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