Anna Magnani

Anna Magnani
Geboren: 07.03.1908 in Rom, Italien
Gestorben: 26.09.1973 in Rom, Italien

Die meisten der international erfolgreichen europäischen Filmschauspielerinnen der 50er und 60er Jahre - man denke etwa an Brigitte Bardot, Sophia Loren und Gina Lollobrigida - galten in ihrer Zeit als Sexsymbole. Anna Magnani ist eine der wenigen Ausnahmen: Sie spielt die einfachen Frauen aus dem Volk, erdverbunden, ohne Glamour. Sie spielt sie so sensibel und intelligent, dass sie neben Giulietta Masina - Muse und Ehefrau von Star-Regisseur Federico Fellini - zur populärsten Schauspielerin Italiens der Nachkriegszeit wird.

Geboren wurde Anna Magnani nicht, wie so oft behauptet, im ägyptischen Alexandria, sondern in Rom. Nachdem Marina Magnani ihre uneheliche Tochter Anna verlässt, lebt diese bei ihrer Großmutter in den Slums der ewigen Stadt. Dort will sie raus, will unbedingt ins Filmgeschäft und besucht schließlich die Schauspielschule in Rom. Ihre Karriere beginnt sie mit Gesangsauftritten in Kabaretts und Nachtbars und geht mit wechselnden Schauspieltruppen auf Tournee.

Während eines Auftritts in Sam Remo lernt sie den Regisseur Goffredo Alessandrini kennen, heiratet ihn 1933. Doch die Ehe hält nicht lange, wird schon nach kurzer Zeit annuliert. Durch ihn kommt sie in Kontakt zu Nunzio Malasomma, in dessen "La cieca di Sorrento" sie 1934 in einer kleinen Nebenrolle ihr Debüt auf der Leinwand gibt. Zwei Jahre später spielt sie erneut in "Cavalleria" unter seiner Regie, noch im gleichen Jahr hat sie einen Auftritt in Mario Soldatis "La principessa Tarakanova".

Erst durch ihre Rolle in Vittorio De Sicas "Verliebte Unschuld" (1941) wird auch das Kinopublikum und die Kritik allmählich auf Anna Magnani aufmerksam. Doch vorerst spielt sie weiter nur kleinere Rollen, etwa an der Seite von Roberto Villa in "La fortuna viene de cielo" (1942). Dann zieht sich Anna Magnani mehr als ein Jahr aus dem Filmgeschäft zurück. Der Grund: Sie wird Mutter eines Sohnes, der Vater ist der Schauspieler Massimo Serato. Dadurch muss Anna Magnani auf die Hauptrolle in Luchino Viscontis gefeiertes Regiedebüt "Besessenheit" (1942) verzichten.

1943 kehrt sie ins Filmgeschäft zurück, doch ihre Möglichkeiten sind stark begrenzt, der Krieg verhindert Rollen in internationalen Produktionen. Mit Aldo Fabrizio dreht sie eine Reihe von Komödien, spielt in Mario Mattolis Drama "L'ultima carrozzella", der Komödie "Campo die fiori" und 1944 eine kleine Rolle in "Il fiore sotto gli occhi".

Und dann der große Durchbruch, der Film, der die Magnani über Nacht zum Star werden lässt: Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt", 1944 unter extrem schwierigen Bedingungen in dem vom Krieg gezeichneten Italien gedreht, die letzten deutschen Besetzer verlassen gerade die Stadt. Der Film, ein Meisterwerk des italienischen Neorealismus, den er mitbegründet, erzählt die Geschichte einer schwangeren Witwe, die in die Katastrophe getrieben wird. Der Film wird ein großer internationaler Erfolg, Anna Magnani brillante schauspielerische Leistung macht sie fortan weltweit zur Idealbesetzung für dramatische Rollen. Anna Magnani und Rossellini bleiben auch privat ein Paar, bis der Regisseur seine aufsehenerregende Affäre mit Ingrid Bergman beginnt.

Nach Rollen in Gennaro Righellis Komödie "Abbasso la miseria", in "Avanti a lui tremava tutta Roma" und dem Righelli-Sequel "Abbasso la ricchezza" ist ihr nächster Film "Bandito" wieder ein Drama, diesmal unter der Regie von Alberto Lattuada. Doch nur wenige von Magnanis Arbeiten nach "Rom, offene Stadt" starten auch international in den Kinos, so dass sie bei der Kritik erst wieder in Luigi Zampas Drama "L'onerevole Angelina" (1947) auffällt, für das sie am Drehbuch mitarbeitet. Für diesen Auftritt wird Anna Magnani bei den Filmfestspielen von Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet. Und auch die Komödie "Molti sogni per le strade" wird seinerzeit ein weltweiter Kassenschlager.

1948 steht Anna Magnani erneut für ihren damaligen Lebenspartner Roberto Rossellini vor der Kamera, sie spielt in "Amore". Als sich dieser danach von ihr trennt und mit Ingrid Bergman "Stromboli" realisiert, antwortet die Magnani mit filmischen Mitteln in Form des Dramas "Vulcano". Drei Jahre später ist sie für Luchino Visconti in "Bellissima" eine Mutter, die ihre Tochter unbedingt zur Schauspielerin machen will, dann spielt sie in Jean Renoirs wunderbarer filmischen comedia del'arte "Die goldene Karosse". Renoir nennt sie einmal die beste Schauspielerin, mit der er je zusammengearbeitet hat.

Danach geht Anna Magnani wie viele ihrer Kolleginnen nach Hollywood, spielt aber nur in wenigen Filmen, darunter ihre Oscar-gekrönte Leistung in Daniel Manns Tennessee Williams-Verfilmung "Die tätowierte Rose" (1955), in George Cukors "Wild ist der Wind" (1958) und in Sidney Lumets "Der Mann in der Schlangenhaut" (1960). In Italien gelingt ihr 1962 in Pier Paolo Pasolinis "Mamma Roma" ein weiterer Meilenstein ihrer Karriere. Der Film macht sie zum Inbegriff der "Romanità" und des Lebens vieler Frauen in den Kriegsjahren.

Danach zieht sich Anna Magnani nach und nach aus dem Filmgeschäft zurück. 1970 spielt sie noch einmal in der italienischen TV-Serie "... correva l'anno die grazia 1870", das letzte Mal ist sie 1971 in einem Kurzauftritt in "Fellinis Roma" zu sehen. Mit 65 Jahren stirbt Anna Magnani in Rom, Italien trägt Trauer. Ihre letzte Ruhe findet sie in dem Familienmausoleum des Mannes, der sie einst so enttäuscht hatte: Roberto Rossellini. Mit ihm hatte sich Anna Magnani einige Jahre zuvor versöhnt und damit einen Schlussstrich unter ihre privaten Auseinandersetzungen gezogen.

Weitere Filme mit Anna Magnani: "Närrisches Quartett" (1944), "Die Hölle in der Stadt" (1958), "Dieb aus Leidenschaft" (1960) und "Das Geheimnis von Santa Vittoria" (1969).


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