Fredric March

Die zwei Seiten einer menschlichen Seele, faszinierend verkörpert von Fredric March in "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1931) Vergrößern
Die zwei Seiten einer menschlichen Seele, faszinierend verkörpert von Fredric March in "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1931)
Ernest Frederick McIntyre Bickel
Geboren: 31.08.1897 in Racine, Wisconsin, USA
Gestorben: 14.04.1975 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Seine Karriere beginnt Fredric March als Bühnenschauspieler am Guild Theatre Company in New York. Dort spielt er in den frühen Zwanzigerjahren in Stücken wie "Liliom" und "Saturday's Children". Durch John Barrymore kommt er an den Broadway, debütiert dort 1926 in "The Devil in the Cheese". Mit der Theatre Company geht er 1928 nach Los Angeles, wo ihn die Paramount unter Vertrag nimmt. Allerdings schließt March im Hinblick auf die beginnende Tonfilm-Ära eine Mitwirkung in stummen Produktionen aus.

Bereits 1921 hatte er in dem Spielfilm "Paying the Piper" unter der Regie von George Fitzmaurice im Film gespielt - ein Einzelfall. March bleibt weiter, bis 1928, beim Ensemble der Wanderbühne. Bei der Paramount spielt er 1929 in "The Dummy" von Robert Milton. Im gleichen Jahr arbeitet er zum ersten Mal in einem Film von Dorothy Arzner in "The Wild Party" an der Seite von Clara Bow, sowie unter der Regie von Frank Tuttle in "The Studio Murder Mystery" neben seiner Ehefrau Florence Eldridge.

Für die Rolle des Schauspielers John Barrymore in George Cukors Schlüsselfilm "The Royal Family of Broadway" (1930) erhält er die erste Oscar-Nominierung. Barrymore ist sein großes Vorbild, und ihm folgt er auch in seiner nächsten Rolle, für die er ein Jahr später mit einem Oscar ausgezeichnet wird: Er spielt die Titelrolle in Rouben Mamoulians "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", die Barrymore vor ihm in einem Stummfilm verkörpert hatte. Außerdem erhält March als Jekyll/Hyde in Venedig den Darstellerpreis.

Danach sieht man March mehrfach in Filmen von Dorothy Arzner und Frank Tuttle, bis er an der Seite von Gary Cooper und Miriam Hopkins in Ernest Lubitschs "Serenade zu dritt" (1933) auftritt: Um ihren beiden Freunden, dem Maler George und dem Dichter Tom, das Leben nicht durch Eifersucht zu versalzen, heiratet Gilda einen dritten. Doch das erweist sich als falsch, und sie kehrt zu Cooper und March zurück, um eine herrlich schöne, reine Freundschaft zu finden. Die von Noel Coward geschriebene, brillante Komödie wird unter der Regie von Ernst Lubitsch ein Juwel.

Die nächste große Fredric-March-Rolle ist der Offizier und Gentleman Wronski, der sich in die schöne Greta Garbo verliebt, die "Anna Karenina" (1935, Regie: Clarence Brown). Historische Rollen sind Marchs Spezialität. So spielt er bei Cecil B. DeMille in "Im Zeichen des Kreuzes" (1932) und "Der Freibeuter von Lousiana" (1937), wo er schauspielerisch wesentlich stärker ist als Yul Brynner in dem farbigen Remake. An der Seite seiner Frau Florence Elridge und Katharine Hepburn spielt er 1936 in John Fords "Maria von Schottland", 1949 ist er "Christopher Columbus" und später, 1956, sieht man ihn neben Richard Burton in "Alexander der Große" von Robert Rossen. Janet Gaynor ist seine Partnerin in William Wellmans großem Schauspielerdrama "Ein Stern geht auf" (1937), das Cukor später mit Judy Garland und James Mason erneut verfilmt.

1942 dreht René Clair in Hollywood "Meine Frau, die Hexe" mit Veronica Lake in der Titelrolle: Kaum ist Gouverneurskandidat Wallace Wooley von einer Hexe befreit, da macht ihm bereits die nächste zu schaffen. Doch sie trinkt den Zaubertrank, der Wooley zugedacht war und verwandelt sich in ein allerliebstes Erdenkind, dem es gelingt, sich den Zugriffen des beharrlichen Hexenvaters zu entziehen. Clairs satirischer Komödienstil, die Schwerelosigkeit der Erzählung wirken auch heute noch. In den späteren Jahren spielt March häufig ältere Herren, denen das Leben nichts geschenkt hat, so in William Wylers "Die besten Jahre unseres Lebens" (1946), für den er seinen zweiten Oscar erhält. In Laslo Benedeks "Tod eines Handlungsreisenden" (1952), dem Porträt eines traurigen Versagers, ist er Billy Loman. Für diese Rolle erhält er wiederum den Darstellerpreis in Venedig. Aus heutiger Sicht wirkt seine Darstellung allerdings überzogen.

March ist der Protagonist in dem Zirkusfilm "Der Mann auf dem Drahtseil" (1953) von Elia Kazan, einer aus der Chefetage in Robert Wises "Die Intriganten", sowie - wiederum bei William Wyler - drei leidgeprüfte Familienvater in "An einem Tag wie jeder andere" (1955), einem klassischen amerikanischen Gangsterfilm: Ein brutales Gangstertrio nimmt eine gutbürgerliche Familie als Geiseln. In ihrem Haus warten die Verbrecher auf einen Verbündeten. In dem brillant inszenierten Film ist Bogart als brutaler Killer Marchs Gegenspieler. 1960 erhält Fredric March in Berlin den Darstellerpreis für den Stanley-Kramer-Film "Wer den Wind sät", doch auch hier ist sein theatralisches Over-Acting kaum auszuhalten. In Vittorio De Sicas "Die Eingeschlossenen von Altona" spielt er den Familienvater und Industriellen; der amerikanische Präsident ist er in John Frankenheimers "Sieben Tage im Mai" (1964). Weitere späte Auftritte hat er in Martin Ritts Western "Man nannte ihn Hombre" (1966) und in Ralph Nelsons "Tick ...Tick ...Tick" (1969).

Neben seiner Filmtätigkeit steht March immer wieder auf der Bühne: zu seinen großen Theatererfolgen gehören 1942 Thornton Wilders "The Skin of our Teeth, 1951 Lillian Hellmans "The Autumn Garden" (1951), 1956 die Uraufführung von Eugene O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht". Zu seinen schönsten Fernseharbeiten gehört Maxwell Andersons Fassung von Charles Dickens' "A Christmas Carol". Weitere Filme mit Frederic March: "The Barretts Of Wimpole Street" (1934), "Ein rastloses Leben" (1936), "Susan und der liebe Gott" (1940), "Mark Twains Abenteuer" (1943), "Die Brücken von Toko Ri" (1954), "Der Mann im grauen Flanell" (1956), "Chefarzt Dr. Pearson" (1961).


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