Veronica Lake

Constance Frances Marie Ockelman
Geboren: 14.11.1922 in Brooklyn, New York, USA
Gestorben: 07.07.1973 in Burlington, Vermont, USA

In den Vierzigerjahren ist sie einer der berühmtesten Vamps im amerikanischen Film. Ihre unverwechselbare Frisur, die das halbe Gesicht verdeckt, ihr wippender Gang und ihr ebenso einladender wie kalter Blick lassen Veronica Lake unwiderstehlich und gefährlich erscheinen. Während des Zweiten Weltkriegs kommt es in Munitionsfabriken wiederholt zu im wahrsten Sinne haarigen Unfällen, weil Arbeiterinnen, die ihre Frisur imitierten, mit ihrer Mähne in die Maschinen gerieten.

Als Veronica Lakes Geburtsjahr gilt gewöhnlich 1919; sie selbst und ein ihr keineswegs freundlich gesinnter, glaubhafter Biograph namens Lenburg geben jedoch 1922 an. Ihr Vater, ein Seemann, ertrinkt, als sie 12 (?) ist. Als auch ihr Stiefvater stirbt, nimmt sie seinen Namen an und nennt sich Constance Keane. Sie bricht ihr Medizinstudium ab und geht an die Bliss Hayden School of Acting. Danach hängt sie seit ihrem Filmdebüt in "Sorority House" (1939) in Hollywood herum, spielt kleinere Rollen, bis sie 1941 bei Mitchell Leisen in "I Wanted Wings" mit Ray Milland und William Holden eine größere Rolle erhält.

Ersten großen Erfolg hat sie schließlich in Preston Sturges' "Sullivans Reisen" (1941). An der Seite von Joel McCrea als Filmregisseur Sullivan spielt sie ein naives junges Mädchen, das gerne Schauspielerin werden möchte, und diese Rolle liegt ihr. Der künstlerische Erfolg dieses außergewöhnlichen Films bringt auch sie nach oben. Gemeinsam mit dem neuen Gangsterfilmstar Alan Ladd wird sie in den nächsten Jahren in vier Filmen zu sehen sein. "Die Narbenhand", besser bekannt unter dem Originaltitel "This Gun For Hire" (1941), inszeniert von Frank Tuttle, wird für das Star-Team Lake/Ladd zum erfolgreichen Einstand. Ladd spielt - in Trenchcoat und mit breitem Hut - den professionellen Killer Philip Raven, der melancholisch und unauffällig seine Auftragsarbeiten verrichtet. Sie ist Ellen Graham, das blonde Gift an seiner Seite. Frank Tuttle, der später zu den Helfershelfern des hysterischen Kommunistenjägers McCarthy gehört, hat diesen Thriller effektvoll und stilsicher gedreht.

Alan Ladd und Veronica Lake sind jetzt endgültig Stars. Unter der Regie von Stuart Heisler entsteht 1942 "Der gläserne Schlüssel", eine Neuverfilmung des klassischen Kriminalromans von Dashiell Hammett, die erste Fassung drehte Frank Tuttle 1935. Ladd spielt diesmal die rechte Hand und den Freund eines Politikers, der die Aufgabe hat, den Mord am Sohn des einflussreichen Mannes aufzuklären. Im Verlauf seiner Untersuchung stellt er fest, dass die Tochter des Politikers selbst den Verdacht auf den - in Wirklichkeit schuldigen - Vater gelenkt hat. Zwischen Veronica Lake und Alan Ladd knistert es spürbar, die erotische Spannung zwischen den beiden ist von Drehbuchautor Jonathan Latimer hinzugedichtet, gibt dem Film aber einen zusätzlichen Reiz.

Vier Jahre später steht Lake in "Die blaue Dahlie" wiederum mit Ladd vor der Kamera. George Marshall dreht nach einem Drehbuch von Raymond Chandler einen arg konstruierten, aber spannenden Krimi: Ein Heimkehrer ertappt seine Frau mit einem anderen. Als die Frau ermordet aufgefunden wird, steht natürlich der Ehemann unter Verdacht. Er taucht unter und trifft auf die Ex-Frau des Liebhabers, ein blondes Biest von kalter Gefährlichkeit. 1947 spielt Veronica Lake in Leslie Fentons Gangsterfilm "Schmuggler von Saigon" das letzte Mal an Ladds Seite.

Zu ihren besten Filmrollen gehört die schöne Hexe Jennifer in René Clairs "Meine Frau, die Hexe" (1942) neben Frederic March und Susan Hayward: Kaum ist Gouverneurskandidat Wallace Wooley von einer Hexe befreit, da macht ihm bereits die nächste zu schaffen. Doch sie trinkt den Zaubertrank, der Wooley zugedacht war und verwandelt sich in ein allerliebstes Erdenkind, dem es gelingt, sich den Zugriffen des beharrlichen Hexenvaters zu entziehen. Clair drehte den Film 1942 in Hollywood. Sein satirischer Komödienstil, die Schwerelosigkeit der Erzählung wirken auch heute noch, und die Schauspieler sind einfach wunderbar.

1944 ist auch Veronica Lake in einem der Anti-Nazi-Propagandafilme zu sehen: Sie spielt die eiskalte Nazi-Agentin Dora Bruckmann in Frank Tutttles "The Hour Before the Dawn". Obwohl sie 1948 ein großer Studio-Star geworden ist, verlässt sie überraschend die Filmszene und wendet sich wieder verstärkt ihrer Bühnentätigkeit zu. Dann hört man lange nichts von ihr, bis sie 1963 am Off-Broadway mit dem Stück "Best Food Forward" herauskommt. 1969 zieht sie nach Ipswich in England, wo sie ihre Memoiren veröffentlicht.

Veronica Lake war von 1940 bis 1943 mit einem gewissen John Detlie verheiratet, die Tochter Elaine kommt 1941 zur Welt. Von 1944 bis 1952 ist sie die Ehefrau von Regisseur André De Toth, mit dem sie 1947 "Die Farm der Gehetzten" (1947) neben Joel McCrea und "Sturmflug" (1949) neben Richard Widmark dreht. Nach dem totalen finanziellen Zusammenbruch ihrer gemeinsamen Firma trennt sie sich von De Toth und verschwindet von der Bildfläche, bis sie Schlagzeilen macht, als man sie wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit zu Gefängnishaft verurteilt.

Ein Joseph A. McCarthy (nicht der Kommunisten-McCarthy) ist von 1955 bis 1959 ihr Gatte, in vierter Ehe heiratet sie 1972 einen Mister Robert Carleton-Munro. 1973 stirbt sie an einer epidemischen Leberzirrhose. Veronica Lake war Mutter von vier Kindern, das zweite - William Detlie - lebte 1943 nur eine Woche lang. Ihre anderen Kinder sind Elaine Detlie (1941), André Michael De Toth III (1945) und Diana De Toth (1948).

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