Für einen Film, der "The Silence" heißt, ist es im Kino definitiv zu laut. Auch sonst passt nicht viel zusammen in dem apokalyptischen Horrorthriller mit Stanley Tucci und "Sabrina"-Star Kiernan Shipka.

Wieder sind die Monster los, wieder können sie ziemlich gut hören, wieder versucht eine Familie mit allen Mitteln, die Apokalypse zu überleben: "The Silence" hört sich an wie ein Aufguss von "A Quiet Place". Das ist der Film freilich nicht, weil die gleichnamige Romanvorlage von Tim Lebbon aus dem Jahr 2015 stammt und die Dreharbeiten begonnen hatten, bevor John Krasinskis letztjähriger Horrorhit in die Kinos kam. Das hilft dem von sich selbst gelangweilten Film, der fast überall auf der Welt auf Netflix läuft und nur in wenigen Ländern in die Kinos kommt, aber auch nicht.

Davon abgesehen, dass die Prämissen des Endzeit-Horror-Szenarios selbst Genrefans ziemlich viel Toleranz abfordern, ist der Streifen, den sich Drehbuchautor Shane Van Dyke und Regisseur John R. Leonetti unter anderem von der deutschen Constantin haben produzieren lassen, ein rundum lieblos zusammengestückeltes Best of Grabbeltisch-Horror. Das mag sich despektierlich anhören, ist aber noch nett ausgedrückt.

Bei einer Expedition in eine unerforschtes Höhlensystem im Nordosten der USA lassen zwei Forscher versehentlich fliegende Urzeitviecher los, die aussehen wie eine Kreuzung aus Fledermäusen und Ridley Scotts Alien. Von Letzterem haben sie auch noch die Verhaltensstörung mitbekommen und gehen auf alles los, was sich bewegt. Bevorzugt aber auf Menschen.

Weil die in gigantischen Schwärmen organisierten Monster nicht sehen können, dafür umso besser hören, wäre es für das Überleben also ratsam, kein Geräusch zu machen. Welch schöne Allegorie auf unsere geschwätzigen und lärmenden Zeiten man daraus hätte machen können. Handys aus! Autos in der Garage lassen! Einfach mal die Klappe halten!

Hätte, wäre, wenn ... So aber gibt es nur eine Durchschnittsfamilie mit tauber, aber nicht stummer Tochter ("Chilling Adventures of Sabrina"-Star Kiernan Shipka), die panisch und in zwei ziemlich großen und stark motorisierten Autos aus der Stadt flieht und auf dem Land Rettung erhofft. Doch die Reisegruppe mit Papa (Stanley Tucci), Mama (Miranda Otto), Onkel Glen mit den vielen Waffen (John Corbett), Oma (Kate Trotter), Bruder (Kyle Breitkopf) und Hund ist mit der Apokalypse latent überfordert.

Leise sein geht eben nicht immer, obwohl sich alle wirklich Mühe geben und sogar in Gebärdensprache kommunizieren. Dass sie dabei zusätzlich flüstern, ist komisch, aber nicht merkwürdiger als eine aus dem Nichts auftauchende Sekte zungenloser Irrer, Töchterchens Videochats mit ihrem Boyfriend oder abrupt endende Angriffe der Flugmonster, die nicht so recht zu wissen scheinen, wie viel Lärm denn nun nötig ist, um ihre Aggressionen zu triggern. Dafür, dass sie nur durch absolute Stille von ihrem mörderischen Treiben abgehalten werden können, ist "The Silence" jedenfalls ziemlich laut.

Es passt wirklich nicht viel zusammen in diesem Film, der sich bis zu seinem abrupten und redseligen Ende stets für den Weg des geringsten Widerstands entscheidet. Über Motivation und Eigenheiten der Figuren oder sich verändernde Dynamiken in einer Familie in Todesangst wird der Mantel des Schweigens ausgebreitet. Immerhin dabei kommt der Filmtitel zu seinen Ehren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst