Henning Mankell

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Lange Jahre Pendler zwischen Schweden und Afrika: Henning Mankell
Fotoquelle: 360b/shutterstock.com
Henning Mankell
Geboren: 03.02.1948 in Stockholm, Schweden
Sternzeichen: Wassermann
Gestorben: 05.10.2015 in Göteborg, Schweden

Er war der Mann hinter Kurt Wallander: Henning Mankell, einer der großen schwedischen Autoren, der vor allem durch seine sozialkritischen Romane im Gefolge der Sjöwall/Wahlöö-Werke bekannt wurde. Dass er dabei die Gesellschaft durch den Spiegel des Verbrechens betrachtete, macht die Romane - so betonte Henning Mankell in mehrfachen Interviews - noch lange nicht zu Kriminalgeschichten. Die Straftaten, die er in seinen Büchern schildert, entspringen keiner morbiden Phantasie, sondern sind eine Schilderung dessen, was tagtäglich passiert oder irgendwo passieren könnte.

Henning Mankell wuchs in Sveg in der nordschwedischen Provinz Härjedalen auf. Nachdem seine Mutter die Familie verlassen hatte, wurde er - zusammen mit seinen beiden Geschwistern - beim Vater, einem Richter, groß. Die Kindheit in Härjedalen verlief normal, unterschied sich aber deutlich von einer heiteren Bullerbü-Jugend. In den fünfziger Jahren bei einem allein erziehenden Vater aufzuwachsen, war selbst für das fortschrittlich-emanzipierte Schweden eine Besonderheit und so fand sich die Familie in dem 2000-Seelen-Ort unter ständiger Beobachtung. Henning Mankell, der nie Polizist oder Lokomotivführer werden wollte, sondern immer schon von der Schriftstellerei träumte, flüchtete sich schon als Kind in die phantastische Welt seiner Träume und Gedanken und erfand Personen und Geschichten. Dass er als junger Mann den tiefen Wälder Härjedalens den Rücken kehrte und nach Südschweden umsiedelte, hatte aber nichts mit einer schweren Kindheit zu tun, sondern vielmehr mit seinem Wunsch nach einem Leben in einer offenen Landschaft.

Seine zweite große Leidenschaft neben der Schriftstellerei ist das Theater, darum studierte er nach der Schule Schauspiel in Skara und begann 1966 am Riks-Theater in Stockholm als Regieassistent. Bereits als 20-jähriger schrieb Henning Mankell, der zu dem Zeitpunkt politisch sehr aktiv war, sozialkritische Stücke. Viele seiner Dramen thematisieren die jeweilige aktuelle politische Lage, handeln von der wachsenden Kluft zwischen Armen und Reichen und vom Verlust der früheren Solidarität. Seinen Kindheitstraum, den Afrikanischen Kontinent zu bereisen, erfüllte er sich erstmals 1972. In Afrika fand er seine wahre Heimat und gewann einen kritischen Blick auf Europa, was sich auch in den Werken dieser Zeit widerspiegelt. In den folgenden Jahren arbeitete er für verschiedene schwedische Theater als Regisseur, Autor und Intendant. Zwei Stationen waren das Västerbottensteater in Skellefteå und das Theater in Kronborg in Växjö. 1985 erhielt er eine Einladung zum Aufbau einer professionellen Theatergruppe in Maputo und übernahm daraufhin die Leitung des dortigen Teatro Avenida. Seither lebt er die Hälfte des Jahres in Mosambik, die übrigen Monate in Schweden. Seit 1998 war er in dritter Ehe mit Eva Bergman, der Tochter des berühmten schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman verheiratet. Aus den zwei geschiedenen Ehen hatte er vier Söhne.

Da das deutsche Publikum erst auf Henning Mankell aufmerksam wurde, als in Schweden die ersten Wallander-Bücher bereits verfilmt wurden, konzentrierte sich hierzulande das Interesse in erster Linie auf die Reihe rund um den Ystader Kommissar. Mittlerweile wurden seine Romane - neben der bekannten Wallander-Reihe auch sozialkritische Bücher über Afrika und Kinderbücher - in 15 Sprachen übersetzt und weltweit millionenfach verkauft. Sein Frühwerk, beginnend mit seinem 1973 veröffentlichten Romandebüt "Bergsprängaren", hat kaum den Weg ins Ausland gefunden. Erst 14 Jahre nach der Veröffentlichung in Schweden, erschien sein erster Afrika-Roman "Das Auge des Leoparden" in Deutschland.

Seine Bekanntheit setzte der mehrfach preisgekrönte Autor für die Menschen in Afrika ein. Seit im Frühjahr 2000 Mosambik von einer verheerenden Flutwelle heimgesucht wurde, arbeitete er sehr intensiv mit der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" zusammen. Die Einnahmen durch den Verkauf der Filmrechte fließen ausnahmslos wohltätigen Zwecken zu. Außerdem gründete er 2001 in Schweden den Leopard Verlag und bietet damit schwedischen und afrikanischen Autoren ein Forum.

1994 kommt mit "Mörder ohne Gesicht" die erste Wallander-Verfilmung auf den Bildschirm. Henning Mankell liefert dafür die Romanvorlage, lässt aber Lars Björkman das Drehbuch schreiben. An der Wahl des Hauptdarstellers ist er maßgeblich beteiligt und betont, dass Rolf Lassgård die Idealbesetzung sei und dass Kurt Wallander immer von ein und demselben Schauspieler gespielt werden solle. Seither hat sich viel geändert. Inzwischen sind auch Lennart Jähkel (in "Talismanen"), Krister Henriksson und schließlich auch Kenneth Branagh in die Rolle des bärigen südschwedischen Kommissars geschlüpft. In insgesamt neun Filmen, die sich alle an den Romanvorlagen orientieren, sieht man Rolf Lassgård. Auftakt zu den Folgen mit Krister Henriksson, die seit 2005 als internationale Co-Produktionen hergestellt werden, bildet die Verfilmung von "Mankells Wallander - Vor dem Frost". Die weiteren Episoden von "Mankells Wallander" beruhen nicht auf einer Romanvorlage, werden aber nach Henning Mankells Konzept gedreht.

Doch nicht nur die Tatsache, dass mit Rolf Lassgård und Krister Henriksson zwei Kurt Wallander parallel ermitteln ist abstrus, auch die beiden Verfilmungen von "Die Rückkehr des Tanzlehrers" sorgen für Verwirrung. 2004 kommen mit einer deutsch-österreichische Co-Produktion mit Veronica Ferres und Tobias Moretti in den Hauptrollen und einer dänisch-schwedisch-deutschen Produktion ("Die Rache des Tanzlehrers") mit Jonas Karlsson in der Rolle des Stefan Lindman direkt zwei Versionen des Erfolgsromans auf den Bildschirm.

Neben seinen Tätigkeiten als Regisseur, Autor und Intendant sieht man Henning Mankell auch in Dokumentationen rund um den afrikanischen Kontinent. Der "Pendler zwischen Schweden und Afrika" setzt sich auf nachdenkliche Weise mit seiner Wahlheimat auseinander. Er zeigt Menschen, die vor gravierenden, zum Teil unlösbaren Problemen stehen und dabei dennoch ihre Lebensfreude bewahren. Für die Dokumentation "Mein Herz schlägt in Afrika" begibt sich der Schwede zusammen mit "heute"-Moderatorin Dunja Hayali auf Entdeckungsreise. Dabei interessiert er sich in erster Linie dafür, wie die Menschen in Afrika leben. Nicht der Kontinent der Hungersnöte, Kriege und Flüchtlinge, sondern der Kontinent, in dem die Extreme der menschlichen Existenz deutlicher zutage treten als anderswo auf der Welt, stehen für ihn im Vordergrund.

Im August 2008 erhalten Henning Mankell und Axel Milberg den Focus-Hörbuchpreis (Corine) für die im Münchner Hörverlag erschienene Produktion "Der Chinese". Im Rahmen der Preisverleihung entsteht eine neue Zusammenarbeit zwischen dem Autor und dem Hörbuch-Sprecher. Milberg, der vor allem für seine Rolle als Kommissar Borowski im Kieler "Tatort" bekannt ist, kann Henning Mankell als Autor für zwei Serien-Folgen gewinnen. Der NDR verspricht sich viel von dieser Zusammenarbeit. Die Personen, die Mankell entwirft, passen sehr gut zur norddeutschen Mentalität und nach Borowskis deutsch-schwedischen Fall "Tatort - Mann über Bord" bedeutet die Zusammenarbeit einen erneuten Brückenschlag nach Schweden. Henning Mankell liefert aber nur die Vorlage für die beiden Tatort-Fälle. Das Schreiben der Drehbücher überlässt er anderen, was er auch schon bei den Wallander-Fällen so gehandhabt hat. Er findet es besser, wenn für die Roman-Verfilmung andere Augen auf die Vorlage gucken. Die beiden Fälle: "Tatort - Borowski und der vierte Mann" (2010), "Tatort - Borowski und der coole Hund" (2011).

Weitere Filme und Serien nach Henning Mankells Vorlage: "Löpet" (Regie und Drehbuch, Kurzfilm, 1981), "Hunde von Riga" (1995), "Die weiße Löwin" (1996), "Etterfølgeren" (Drehbuch, 1997), "Comédia Infantil" (1998), "Efterträdaren" (Drehbuch, 1999), "Labyrinten" (Drehbuch), "Die falsche Fährte" (Drehbuch), "Die fünfte Frau" (alle 2000), "Talismanen" (Drehbuch, acht Folgen umfassende TV-Serie), "Der Mann, der lächelte" (2003), "Mittsommermord" (2004), "Mankells Wallander - Tod in den Sternen", "Mankells Wallander - Eiskalt wie der Tod", "Mankells Wallander - Am Rande der Finsternis", "Mankells Wallander - Ein Toter aus Afrika", "Mankells Wallander - Der unsichtbare Gegner" (alle 2005), "Die Brandmauer", "Mankells Wallander - Der wunde Punkt", "Mankells Wallander - Bilderrätsel", "Mankells Wallander - Tödliche Fracht", "Mankells Wallander - Tod im Paradies", "Mankells Wallander - Heimliche Liebschaften", "Mankells Wallander - Offene Rechnungen", "Mankells Wallander - Dunkle Geheimnisse" (alle 2006), "Mankells Wallander - Wallanders letzter Fall" (2007), "Kommissar Wallander - Die falsche Fährte", "Kommissar Wallander - Die Brandmauer", "Kommissar Wallander - Mittsommermord" (alle 2008), "Mankells Wallander - Rache", "Mankells Wallander - Die Schuld", "Mankells Wallander - Eifersucht", "Mankells Wallander - Das Leck" (alle 2009), "Kennedys Hirn", "Kommissar Wallander - Mörder ohne Gesicht", "Kommissar Wallander - Der Mann, der lächelte", "Kommissar Wallander - Die fünfte Frau" (alle 2010), "Der Chinese" (2011).


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