Längst auf allen Roten Teppichen der Welt zuhause: Veronica Ferres
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Veronica Ferres

Lesermeinung
Geboren
10.06.1965 in Solingen, Deutschland
Alter
56 Jahre
Sternzeichen
Biografie

"Newsweek" bezeichnet sie als deutsches Äquivalent zu Sharon Stone, und wem bei uns bislang noch nicht klar war, dass Veronica Ferres eine ernst zu nehmende Schauspielerin ist, der weiss es spätestens seit Dominik Grafs "Doktor Knock" und Vivian Naefes "Eine ungehorsame Frau". Spielt sie im ersten Film eine kraftvoll zupackende, bodenständige Dorftierärztin, so ist sie bei Naefe die junge Hausfrau und Mutter, die ihr Leben in die Hand nimmt, um vom Kochtopf weg zu kommen.

"Wir tun alle so als wären wir so sehr emanzipiert, aber wir sind es nicht und ich glaube, dass dieses Thema noch zwei, drei Jahrzehnte braucht, damit eine Gleichstellung zwischen Männern und Frauen Selbverständlichkeit ist." Was sie sagt, meint sie so. Sie ist, anders als ihr Image, bescheiden und sicher: "Ich habe aufgrund meiner sehr einfachen Erziehung ein politisches Bewusstsein und ich versuche, in meinem kleinen Rahmen, in meinem Umfeld mit größtem Respekt mit Menschen umzugehen."

Veronica Ferres wird in Solingen geboren. Ihr Vater ist Kartoffelhändler. Nach dem Abitur geht sie nach München und studiert Germanistik und Theaterwissenschaft. Als 'dickes Kind' leidet sie - wie sie in einer Fernsehsendung erzählt - unter den Hänseleien der Mitschüler, sie gehört nicht zu den Cliquen und Raucherecken und wird zu Feten nicht eingeladen. Veronica reagiert mit Sturheit, Trotz und Wut, flüchtet in eine Traumwelt, in die Welt der Literatur: Schiller, Goethe, Kleist, Büchner, Camus. Doch sie will Schauspielerin werden, das setzt sie sich in den Kopf. Weil man sie an der Schauspielschule mit 1.80 Meter für zu groß hält, versucht sie es anders. Sie verschickt Bewerbungen, gerät an die falschen Adressen. Doch dann kann sie bei Professor Margret Langen vom Max-Reinhardt-Seminar bis zur staatlichen Prüfung Unterricht nehmen. Und sie studiert in München an der Ludwigs-Maximilian-Universität Theaterwissenschaften, Germanistik und Psychologie.

Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, jobt sie als Kindermädchen, klebt Plakate. Es dauert, bevor sie an die richtigen Leute kommt: "Es ist schon frustrierend, dass man einem Anfänger keine Chance gibt, dass man ihn nicht anhört, dass man seine Videobänder nicht anschaut. Das hat sich dann geändert, als ich die staatliche Prüfung der ZBK (Schauspieleragentur) bestanden habe." Sie hat erste Engagements bei Prof. Dr. August Everding an dem Bayerischen Staatstheater München, am Landestheater Coburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dann besetzt sie Edgar Reitz in "Die zweite Heimat" und bei Walter Bockmayer steht sie in "Geierwally" vor der Kamera. Mit Helmut Dietls "Schtonk" schließlich wird ihr Name bekannt, jetzt braucht sie nicht mehr den Rollen hinterher zu laufen, die Erfolgskarriere beginnt.

"Schtonk" (1991) - das ist einer jener seltenen Glücksfälle für den deutschen Film und für die, die das Glück hatten, dabeizusein. Jahrelang hatte es keine erfolgreichen deutschen Kinofilme gegeben, und Schauspieler - und es gibt zu der Zeit viele gute in Deutschland - hatten kaum Chancen, im Kino wirklich bemerkt zu werden. Da kommen ein paar pfiffige Leute auf die Idee, die Geschichte um die gefälschten Hitler-Tagebücher zu einer schwungvollen Filmsatire zu gestalten. Jeder kennt noch die Geschichte um den cleveren Reporter, der das Geschäft seines Lebens machen will, das dann 1983 mit einem Riesenknall endet: Der Hamburger "Stern" hatte seit Wochen mit den "Original-Hitler-Tagebüchern" die Auflagen gesteigert, exklusiv war für eine Riesensumme die heiße Ware gekauft worden, und dann war man auch noch auf einen Schwindel reingefallen.

Veronica Ferres spielt in "Schtonk" nur eine kleinere Rolle, aber die ist quasi eine Schlüsselfigur: das Mädchen, das der kleine Kunstfälscher Knobel/Uwe Ochsenknecht für Eva Braun Modell sitzen lässt. Zwei Kunstkritiker haben es als Original erkannt, das gibt dem ehrgeizigen Künstler die Überzeugung, es auch mit den 'Hitler-Tagebüchern' zu schaffen. Ferres ist Modell und Geliebte, eine Figur von großer Sinnlichkeit. Das kommt beim Publikum an, die Rolle wird bemerkt. Regisseur Ralph Huettner, bei dem sie schon vorher in dem Fernsehfilm "Babylon" aufgetreten war, gibt ihr zwei Rollen, von denen beide eine gewisse Popularität haben: die in der Tom-Gerhardt-Geschichte "Voll normaaal" (1994), ein recht erfolgreicher Klamauk, und in dem bei den Hofer Filmtagen uraufgeführten Fernseherfolg "Der Papagei" (1992) mit Harald Juhnke. Obwohl es für Veronica Ferres eine Chance war, in einem Juhnke-Film dabeizusein, zahlte es sich für sie nicht aus. Sie wird einfach als Typ besetzt, mehr nicht. Aber auch eine Marilyn Monroe war in ihren frühen Rollen völlig unscheinbar.

Es gibt Ausnahmen: Josef Rödl etwa hat diesen Blick für Schauspieler: Im Tatort "Alles Palermo" (1993) besetzt er die Ferres in einer kleinen, präzise inszenierten Rolle. Sie gibt das klare Bild einer Person in einem Moment, und in den anderen wenigen Momenten ihres Auftritts hat sie Nähe und Distanz zugleich. Dann kommt für Veronica Ferres "Das Superweib" (1996). Sönke Wortmann gibt ihr die Titelrolle in der Kinoversion von Hera Linds Romanbestseller. Es wird ein Erfolg an der Kinokasse, das Gesicht der Schauspielerin hat Konturen angenommen, doch für Veronica Ferres fehlt der Kick. Der Film bleibt leblose Massenware.

Erst nach dem Erfolg von "Superweib" erkennt einer, dass man aus dieser Melange aus Engel und Biest - wie es bei Wortmann leicht angedeutet war - etwas aufbauen kann: Er macht aus der Ferres die Sonnenfee Schneewittchen. Helmut Dietl, zu der Zeit ihr Lebensgefährte und so etwas wie ihr Manager, besetzt sie in "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" als das Mädel vom Kindertheater, das seine lesbische Freundin betrügt, um sich langsam aber sicher nach oben zu schieben, naiv und böse, morallos: Schneewittchen - wie Veronica Ferres sie spielt - ist die Projektion der Männer auf die Blondine mit den üppigen Formen. Die Mischung aus Raffinesse und Naivität, aus zärtlich säuselnder Nymphe und eiskalter Erfolgsfrau.

Als Dominik Graf mit ihr 1996 "Doktor Knock" besetzt, hat er sie für die Dorfhure vorgesehen und Sophie Rois soll die Tierärztin spielen. Doch nachdem Veronica das Drehbuch gelesen hat, kann sie den Regisseur davon überzeugen, dass Sophie und sie die Rollen tauschen. Das wird ein voller Erfolg. Die Tierärztin ist eine ihrer besten Rollen. Wieder für Helmut Dietl stand sie in der (vorgeblichen) TV-Satire "Late Show" (1998) vor der Kamera, unter der Regie von Egon Günther spielte sie in "Die Braut" (1999), und mit Frankreichs Kinostar Gérard Depardieu drehte sie 2000 "Les Misérables - Gefangene des Schicksals".

Veronica Ferres verdankt ihren Erfolg nicht nur der Protektion ihrer Bewunderer, sondern auch ihrer zähen Arbeit an sich selbst. Oft betont sie, dass sie dankbar ist, "dass ich Glück hatte im Leben, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, ich bin dankbar denen, die an mich geglaubt haben und es auch bis heute nicht bereut haben." 2001 war Veronica Ferres schwanger und heiratete kurz vor der Geburt ihrer ersten Tochter am 5. Mai in Salzburg den Werbemanager Martin Krug. Im Dezember 2008 gab das Skandal freie Ehepaar nach sieben Jahren Ehe die Trennung bekannt, 2010 folgte die Scheidung. Seit 2009 ist Veronica Ferres mit dem umstrittenen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer liiert.

Weitere Filme mit Veronica Ferres: "Der Unsichtbare" (1987), "Tatort - Blutspur" (ungenannt, 1989), "Die skandalösen Frauen" (1993), "Ärzte: Dr. Schwarz und Dr. Martin - Rosenkavaliere", "Tonino und Toinette", "Fatale Mutterliebe", "Katharina die Große", "Tatort - ... und die Musi spielt dazu" (alle 1994), "Der Bulle von Tölz - Unter Freunden", "Honigmond" (beide 1995), "Die Chaos-Queen" (1996), "Ladies Room", "Jacks Baby" (beide 1999), "Das Findelkind" (2000), "Bobby", "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (beide 2001), "Für immer verloren", "Annas Heimkehr", "Stärker als der Tod" (alle 2003), "Die Rückkehr des Tanzlehrers", "Sterne leuchten auch am Tag", "Kein Himmel über Afrika" (alle 2004), "Die wilden Hühner" (2005), "Klimt", "Neger, Neger, Schornsteinfeger", "Mein alter Freund Fritz", "Vom Ende der Eiszeit", "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (Deutscher Fernsehpreis als beste Hauptdarstellerin, alle 2006), "Die wilden Hühner und die Liebe" (2007), "Das Wunder von Berlin", "Die Patin - Kein Weg zurück", "Die wilden Hühner und das Leben", "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" (alle 2008), "Unter Bauern - Retter in der Nacht" (2009), "Das Geheimnis der Wale", "Rosannas Tochter", "Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis" (alle 2010), "Mein eigen Fleisch und Blut", "Die lange Welle hinterm Kiel" (beide 2011), "Lena Fauch und die Tochter des Amokläufers", "Die kleine Lady" (beide 2012), "Rubinrot", "König von Deutschland", "Mein Mann, ein Mörder", "Hafen der Düfte", "Der Teufelsgeiger", "Lena Fauch - Gefährliches Schweigen" (alle 2013), "Das Glück der Anderen" (2014).

Außerdem spielte Veronica Ferres in den TV-Serien "Peter und Paul" (1992) als Dr. Ida Hundhammer, in "Moritz Kowalsky" (1993) als Anwältin und in "Unser Lehrer Dr. Specht" (1994) als Bonbon kauende Sekretärin mit.

Filme mit Veronica Ferres
1982
Gert Burkard (M.) in der Rolle des braven
Buchhalters Alwin Thieme
Büro, Büro
Comedyserie
1987
Die Geierwally (Samy Orfgen, r.) und ihre
exzentrische Tante Luckard (Ralph Morgenstern)
Geierwally
Heimatfilm
1989
Tatort
Krimi
1991
Legal, illegal, scheißegal! Götz George (l.) und Uwe Ochsenknecht<br> wittern die große Knete
Schtonk
Satire
1992
Der Papagei
Satire
1994
Katharina die Große
Historienfilm
1994
Batic (Miroslav Nemec, l.) beim Verhör
Tatort
Krimi
1994
Tonino und Toinette
Fernsehfilm
1994
Voll normaaal
Komödie
1995
Frauen unter sich: Anica Dobra, Veronica 
Ferres und Julia Stemberger (v. l.) 
Honigmond
Beziehungskomödie
1996
Das Superweib
Komödie
1996
Doktor Knock
Komödie
1996
Gudrun Landgrebe versucht vergeblich als 40jährige 
durchzugehen  
 
Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief
Komödie
1997
Marlene (Veronica Ferres) ist zu ihrem neuen Kollegen
Moritz (Hansa Czypionka) geflüchtet
Eine ungehorsame Frau
Fernsehfilm
1998
Sind sich noch nicht ganz grün: Harald Schmidt (l.) 
und Thomas Gottschalk  
Late Show
Komödie
1999
Die Braut
Filmbiografie
1999
Jacks Baby
Komödie
2000
Das Findelkind
Historienfilm
2000
Les Misérables - Gefangene des Schicksals
Historienfilm
2001
Bobby
Familiendrama
2001
Die Manns - Ein Jahrhundertroman
Dokudrama
2003
Annas Heimkehr
Geschichtsdrama
2003
Für immer verloren
Krimidrama
2003
Heimkehr
Gesellschaftsdrama
2003
Nein, das ist nicht wahr! August Zirner kann nicht
fassen, dass seine Tochter tot ist
Stärker als der Tod
Krimidrama
2003
Till Eulenspiegel
Zeichentrickkömödie
2004
Die Rückkehr des Tanzlehrers
Kriminalfilm
2004
Ich bin unheilbar krank, Papa! Veronica Ferres mit Michael Gwisdek
Sterne leuchten auch am Tag
Melodram
2005
Die pfiffige Sprotte (Michelle von Treuberg)
sorgt sich um die Viecher
Die wilden Hühner
Kinderfilm
2005
Kein Himmel über Afrika
Melodram
2006
Sara Bender (Veronica Ferres) will endlich weg aus
der DDR ...
Die Frau vom Checkpoint Charlie
Geschichtsdrama
2006
Klimt
Drama
2006
Was sie jetzt wieder hat? Ulrich Tukur (r.) mit
Veronica Ferres und Maximilian Brückner
Mein alter Freund Fritz
Komödie
2006
Neger, Neger, Schornsteinfeger
Filmbiografie
2006
Vom Ende der Eiszeit
Kriminalfilm
2007
Die wilden Hühner und die Liebe
Komödie
2008
Das Wunder von Berlin
Geschichtsdrama
2008
Die Patin - Kein Weg zurück
Krimidrama
2008
Dauerthema bei den wilden Hühnern: fesche Männer
Die wilden Hühner und das Leben
Jugendkomödie
2008
Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected
Drama
2009
Unter Bauern - Retter in der Nacht
Drama
2010
Das blaue Licht
Märchenfilm
2010
Das Geheimnis der Wale
Ökothriller
2010
Das Leben ist zu lang
Komödie
2010
Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis
Gesellschaftsdrama
2010
Rosannas Tochter
Familiendrama
2010
Sie hat es verdient
Gesellschaftsdrama
2011
Die lange Welle hinterm Kiel
Melodram
2011
Mein eigen Fleisch und Blut
Familiendrama
2011
Finden zusammen: Hans-Werner Meyer und Veronica
Ferres
Tsunami - Ein Leben danach
Melodram
2012
Die kleine Lady
Literaturverfilmung
2012
Lena Fauch und die Tochter des Amokläufers
Krimi
2013
Der Teufelsgeiger
Drama
2013
Hafen der Düfte
Thriller
2013
König von Deutschland
Komödie
2013
Lena Fauch - Gefährliches Schweigen
Kriminalfilm
2013
Mein Mann, ein Mörder
Drama
2013
Rubinrot
Fantasy
2014
Das Glück der Anderen
Liebeskomödie
2014
Die Staatsaffäre
Komödie
2014
Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück
Tragikomödie
2014
Saphirblau
Fantasyabenteuer
2015
Der Nanny
Komödie
2016
Salt And Fire
Thriller
2016
Auf der Bühne weiß Jackie (Robert De Niro) ordentlich auszuteilen.
The Comedian
Komödie
2017
Culture Clash: Schlagerstar Linda (Veronica Ferres) und Putzfrau Justyna (Magdalena Boczarska) müssen miteinander auskommen.
Unter deutschen Betten
Komödie

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