Veronica Ferres

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Längst auf allen Roten Teppichen der Welt zuhause: Veronica Ferres
Fotoquelle: Rene Teichmann/shutterstock.com
Veronica Ferres
Geboren: 10.06.1965 in Solingen, Deutschland
Sternzeichen: Zwillinge

"Newsweek" bezeichnet sie als deutsches Äquivalent zu Sharon Stone, und wem bei uns bislang noch nicht klar war, dass Veronica Ferres eine ernst zu nehmende Schauspielerin ist, der weiss es spätestens seit Dominik Grafs "Doktor Knock" und Vivian Naefes "Eine ungehorsame Frau". Spielt sie im ersten Film eine kraftvoll zupackende, bodenständige Dorftierärztin, so ist sie bei Naefe die junge Hausfrau und Mutter, die ihr Leben in die Hand nimmt, um vom Kochtopf weg zu kommen.

"Wir tun alle so als wären wir so sehr emanzipiert, aber wir sind es nicht und ich glaube, dass dieses Thema noch zwei, drei Jahrzehnte braucht, damit eine Gleichstellung zwischen Männern und Frauen Selbverständlichkeit ist." Was sie sagt, meint sie so. Sie ist, anders als ihr Image, bescheiden und sicher: "Ich habe aufgrund meiner sehr einfachen Erziehung ein politisches Bewusstsein und ich versuche, in meinem kleinen Rahmen, in meinem Umfeld mit größtem Respekt mit Menschen umzugehen."

Veronica Ferres wird in Solingen geboren. Ihr Vater ist Kartoffelhändler. Nach dem Abitur geht sie nach München und studiert Germanistik und Theaterwissenschaft. Als 'dickes Kind' leidet sie - wie sie in einer Fernsehsendung erzählt - unter den Hänseleien der Mitschüler, sie gehört nicht zu den Cliquen und Raucherecken und wird zu Feten nicht eingeladen. Veronica reagiert mit Sturheit, Trotz und Wut, flüchtet in eine Traumwelt, in die Welt der Literatur: Schiller, Goethe, Kleist, Büchner, Camus. Doch sie will Schauspielerin werden, das setzt sie sich in den Kopf. Weil man sie an der Schauspielschule mit 1.80 Meter für zu groß hält, versucht sie es anders. Sie verschickt Bewerbungen, gerät an die falschen Adressen. Doch dann kann sie bei Professor Margret Langen vom Max-Reinhardt-Seminar bis zur staatlichen Prüfung Unterricht nehmen. Und sie studiert in München an der Ludwigs-Maximilian-Universität Theaterwissenschaften, Germanistik und Psychologie.

Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, jobt sie als Kindermädchen, klebt Plakate. Es dauert, bevor sie an die richtigen Leute kommt: "Es ist schon frustrierend, dass man einem Anfänger keine Chance gibt, dass man ihn nicht anhört, dass man seine Videobänder nicht anschaut. Das hat sich dann geändert, als ich die staatliche Prüfung der ZBK (Schauspieleragentur) bestanden habe." Sie hat erste Engagements bei Prof. Dr. August Everding an dem Bayerischen Staatstheater München, am Landestheater Coburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dann besetzt sie Edgar Reitz in "Die zweite Heimat" und bei Walter Bockmayer steht sie in "Geierwally" vor der Kamera. Mit Helmut Dietls "Schtonk" schließlich wird ihr Name bekannt, jetzt braucht sie nicht mehr den Rollen hinterher zu laufen, die Erfolgskarriere beginnt.

"Schtonk" (1991) - das ist einer jener seltenen Glücksfälle für den deutschen Film und für die, die das Glück hatten, dabeizusein. Jahrelang hatte es keine erfolgreichen deutschen Kinofilme gegeben, und Schauspieler - und es gibt zu der Zeit viele gute in Deutschland - hatten kaum Chancen, im Kino wirklich bemerkt zu werden. Da kommen ein paar pfiffige Leute auf die Idee, die Geschichte um die gefälschten Hitler-Tagebücher zu einer schwungvollen Filmsatire zu gestalten. Jeder kennt noch die Geschichte um den cleveren Reporter, der das Geschäft seines Lebens machen will, das dann 1983 mit einem Riesenknall endet: Der Hamburger "Stern" hatte seit Wochen mit den "Original-Hitler-Tagebüchern" die Auflagen gesteigert, exklusiv war für eine Riesensumme die heiße Ware gekauft worden, und dann war man auch noch auf einen Schwindel reingefallen.

Veronica Ferres spielt in "Schtonk" nur eine kleinere Rolle, aber die ist quasi eine Schlüsselfigur: das Mädchen, das der kleine Kunstfälscher Knobel/Uwe Ochsenknecht für Eva Braun Modell sitzen lässt. Zwei Kunstkritiker haben es als Original erkannt, das gibt dem ehrgeizigen Künstler die Überzeugung, es auch mit den 'Hitler-Tagebüchern' zu schaffen. Ferres ist Modell und Geliebte, eine Figur von großer Sinnlichkeit. Das kommt beim Publikum an, die Rolle wird bemerkt. Regisseur Ralph Huettner, bei dem sie schon vorher in dem Fernsehfilm "Babylon" aufgetreten war, gibt ihr zwei Rollen, von denen beide eine gewisse Popularität haben: die in der Tom-Gerhardt-Geschichte "Voll normaaal" (1994), ein recht erfolgreicher Klamauk, und in dem bei den Hofer Filmtagen uraufgeführten Fernseherfolg "Der Papagei" (1992) mit Harald Juhnke. Obwohl es für Veronica Ferres eine Chance war, in einem Juhnke-Film dabeizusein, zahlte es sich für sie nicht aus. Sie wird einfach als Typ besetzt, mehr nicht. Aber auch eine Marilyn Monroe war in ihren frühen Rollen völlig unscheinbar.

Es gibt Ausnahmen: Josef Rödl etwa hat diesen Blick für Schauspieler: Im Tatort "Alles Palermo" (1993) besetzt er die Ferres in einer kleinen, präzise inszenierten Rolle. Sie gibt das klare Bild einer Person in einem Moment, und in den anderen wenigen Momenten ihres Auftritts hat sie Nähe und Distanz zugleich. Dann kommt für Veronica Ferres "Das Superweib" (1996). Sönke Wortmann gibt ihr die Titelrolle in der Kinoversion von Hera Linds Romanbestseller. Es wird ein Erfolg an der Kinokasse, das Gesicht der Schauspielerin hat Konturen angenommen, doch für Veronica Ferres fehlt der Kick. Der Film bleibt leblose Massenware.

Erst nach dem Erfolg von "Superweib" erkennt einer, dass man aus dieser Melange aus Engel und Biest - wie es bei Wortmann leicht angedeutet war - etwas aufbauen kann: Er macht aus der Ferres die Sonnenfee Schneewittchen. Helmut Dietl, zu der Zeit ihr Lebensgefährte und so etwas wie ihr Manager, besetzt sie in "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" als das Mädel vom Kindertheater, das seine lesbische Freundin betrügt, um sich langsam aber sicher nach oben zu schieben, naiv und böse, morallos: Schneewittchen - wie Veronica Ferres sie spielt - ist die Projektion der Männer auf die Blondine mit den üppigen Formen. Die Mischung aus Raffinesse und Naivität, aus zärtlich säuselnder Nymphe und eiskalter Erfolgsfrau.

Als Dominik Graf mit ihr 1996 "Doktor Knock" besetzt, hat er sie für die Dorfhure vorgesehen und Sophie Rois soll die Tierärztin spielen. Doch nachdem Veronica das Drehbuch gelesen hat, kann sie den Regisseur davon überzeugen, dass Sophie und sie die Rollen tauschen. Das wird ein voller Erfolg. Die Tierärztin ist eine ihrer besten Rollen. Wieder für Helmut Dietl stand sie in der (vorgeblichen) TV-Satire "Late Show" (1998) vor der Kamera, unter der Regie von Egon Günther spielte sie in "Die Braut" (1999), und mit Frankreichs Kinostar Gérard Depardieu drehte sie 2000 "Les Misérables - Gefangene des Schicksals".

Veronica Ferres verdankt ihren Erfolg nicht nur der Protektion ihrer Bewunderer, sondern auch ihrer zähen Arbeit an sich selbst. Oft betont sie, dass sie dankbar ist, "dass ich Glück hatte im Leben, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, ich bin dankbar denen, die an mich geglaubt haben und es auch bis heute nicht bereut haben." 2001 war Veronica Ferres schwanger und heiratete kurz vor der Geburt ihrer ersten Tochter am 5. Mai in Salzburg den Werbemanager Martin Krug. Im Dezember 2008 gab das Skandal freie Ehepaar nach sieben Jahren Ehe die Trennung bekannt, 2010 folgte die Scheidung. Seit 2009 ist Veronica Ferres mit dem umstrittenen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer liiert.

Weitere Filme mit Veronica Ferres: "Der Unsichtbare" (1987), "Tatort - Blutspur" (ungenannt, 1989), "Die skandalösen Frauen" (1993), "Ärzte: Dr. Schwarz und Dr. Martin - Rosenkavaliere", "Tonino und Toinette", "Fatale Mutterliebe", "Katharina die Große", "Tatort - ... und die Musi spielt dazu" (alle 1994), "Der Bulle von Tölz - Unter Freunden", "Honigmond" (beide 1995), "Die Chaos-Queen" (1996), "Ladies Room", "Jacks Baby" (beide 1999), "Das Findelkind" (2000), "Bobby", "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (beide 2001), "Für immer verloren", "Annas Heimkehr", "Stärker als der Tod" (alle 2003), "Die Rückkehr des Tanzlehrers", "Sterne leuchten auch am Tag", "Kein Himmel über Afrika" (alle 2004), "Die wilden Hühner" (2005), "Klimt", "Neger, Neger, Schornsteinfeger", "Mein alter Freund Fritz", "Vom Ende der Eiszeit", "Die Frau vom Checkpoint Charlie" (Deutscher Fernsehpreis als beste Hauptdarstellerin, alle 2006), "Die wilden Hühner und die Liebe" (2007), "Das Wunder von Berlin", "Die Patin - Kein Weg zurück", "Die wilden Hühner und das Leben", "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" (alle 2008), "Unter Bauern - Retter in der Nacht" (2009), "Das Geheimnis der Wale", "Rosannas Tochter", "Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis" (alle 2010), "Mein eigen Fleisch und Blut", "Die lange Welle hinterm Kiel" (beide 2011), "Lena Fauch und die Tochter des Amokläufers", "Die kleine Lady" (beide 2012), "Rubinrot", "König von Deutschland", "Mein Mann, ein Mörder", "Hafen der Düfte", "Der Teufelsgeiger", "Lena Fauch - Gefährliches Schweigen" (alle 2013), "Das Glück der Anderen" (2014).

Außerdem spielte Veronica Ferres in den TV-Serien "Peter und Paul" (1992) als Dr. Ida Hundhammer, in "Moritz Kowalsky" (1993) als Anwältin und in "Unser Lehrer Dr. Specht" (1994) als Bonbon kauende Sekretärin mit.


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