Helmut Dietl

Helmut Dietl
Geboren: 22.06.1944 in München, Deutschland
Sternzeichen: Krebs
Gestorben: 30.03.2015 in München, Deutschland

Nach den großen Fernseherfolgen mit "Kir Royal" (1984/ 86) und "Monaco Franze" (1983) wurde Helmut Dietl mit einem einzigen Film zum Starregisseur: mit "Schtonk" (1992). Davor hatte er bereits einmal einen Kinofilm gedreht: 1978 entstand unter großen Mühen "Der Durchdreher". Der Erfolg blieb aus, aber die Amerikaner interessierten sich nun für Dietl. 1979 arbeitete er in Los Angeles an einem aufregenden Projekt, das aber aus verschiedenen Gründen dann doch nicht realisiert wurde.

"Kir Royal", die Geschichten um einen ständig gestressten Gesellschaftskolumnisten, war eine Satire mit zahlreichen Spitzen gegen Münchens bessere Gesellschaft. Der Spaß daran und der Erfolg von "Schtonk" (über den Fälscher der Hitlertagebücher) brachte schließlich den dritten Kinofilm auf den Weg, "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1996). Mit prominenter Besetzung (Götz George, Joachim Król, Mario Adorf, Gudrun Landgrebe, Martina Gedeck, Hannelore Hoger) holte Dietl über drei Millionen Besucher. Die Kritik war teilweise aus dem Häuschen.

Das ehrgeizige Luder Schneewittchen

Es geht um das Szene-Restaurant Rossini, die geschäftlichen und privaten Probleme der deutschen Kinoszene, um das ehrgeizige Luder Schneewittchen, das die Männer reihenweise flachlegt und jeden für ihre Karriere benutzt. Wie "Kir Royal" nimmt "Rossini" satirisch reale öffentliche Personen aus dem Umfeld der Kinoszene aufs Korn.

Mit "Late Show" (1998) versuchte er das Konzept auf eine TV-Satire zu übertragen. Wieder gaben sich die Stars die Klinke in die Hand (mit dabei: Harald Schmidt, Thomas Gottschalk, Jasmin TabatabaiVeronica Ferres und und und), doch das Ergebnis war unter dem Strich oberflächlich und klischeehaft - ebenso wie die Regiearbeit "Vom Suchen und Finden der Liebe" (2004).

Prisma sprach mit Helmut Dietl:

Prisma: Herr Dietl, nach "Schtonk" hatten Sie den Film "Macho" angekündigt, der ist aber dann nicht entstanden?
Helmut Dietl: Nein, den habe ich nicht gedreht. Das ist bei mir immer schwer zu sagen. Es hat auch damit zu tun, ob ich bei einem solchen Vorhaben wirklich einen Drang verspüre oder nicht. Gewisse Grundideen von "Macho" sind dann letztlich in diesen Film eingeflossen.

Prisma: Was war bei Ihnen der Auslöser für den Film?
Dietl: Ich habe mich 20 Jahre in dem Restaurant, dem 'Romagna Antica' aufgehalten und so ist es ein Bestandteil meines Lebens geworden. Wissen Sie, ich suche mir nicht irgendeinen Stoff, sondern der entsteht im Lauf der Zeit. Irgendwie ist das wohl auch immer ein therapeutischer Akt.

Prisma: Der Reiz liegt natürlich auch hier an den vielen Charaktertypen, die noch nie miteinandergespielt haben - wie etwa Mario Adorf und Götz George...
Dietl: Ich muß sagen, ich habe mir darüber eigentlich keine großen Gedanken gemacht. Nun mit dem Götz hatte ich so'ne freundschaftliche Verabredung: wenn ich wieder einen Film mache, soll er dabeisein. Mir war klar: was immer ich schreiben werde, ich würde es ihm auf jeden Fall zu lesen geben. Im Übrigen habe ich versucht, die Rollen so gut wie möglich zu besetzen.

Prisma: Sie haben den aufwendigen Film selbst produziert. War das nicht ein Risiko, nur für den deutschen Markt?
Dietl: Freilich ist das in vieler Hinsicht ein Risiko, zumal in einer solchen Größenordnung. Wenn auch 11 Millionen schon nach europäischen Maßstäben ein mittleres Budget ist, für deutsche Verhältnisse ist das viel Geld. Andererseits ist es auch so: Wenn man selbst produziert und irgendetwas aus dem Ruder läuft, ist man schnell ein paar Millionen los. Andererseits gab es ganz vernünftige Gründe, das zu tun: Nach "Schtonk", der etwas teurer wurde, als geplant war, wurde mir das zur Last gelegt und ich geriet so in den Ruch des Maßlosen. Ich hätte kaum einen Produzenten für den nächsten Film gefunden. Den Eichinger sicher, weil der keine Probleme damit hat, aber das hätte ich nicht gewollt. Außerdem wollte ich beweisen, so etwas zu schaffen. Dazu kommt der Wunsch nach einer gewissen Kontrolle über das Geld. Es ist doch ganz wichtig, daß es für die richtigen Dinge ausgegeben wird. Ich nehme gerne Risikos auf mich, ich bin zwar kein Geschäftsmann, aber ich habe inzwischen das Gefühl, daß ich davon so viel verstehe wie manche, bei dem Geschäft Beruf ist.

Prisma: Wir haben in Deutschland ja ein großes Reservoir an guten Schauspielern, guten Typen, die man viel zuwenig nutzt.
Dietl: Ich weiß schon, und wenn sie genutzt werden, dann immer in der gleichen Art. Ganz selten kriegt einer die Chance, etwas anderes zu zeigen, sie geraten dann sehr schnell in eine Schublade und da haben sie zu bleiben. Das hat sicher mit einem gewissen Mangel an Phantasie und Courage zu tun. Ich will jetzt nicht über meine Kollegen reden, einige gibt es ja auch, die sich sehr bemühen, wie mein Freund Dieter Wedel, der arbeitet mit Schauspielern und da passiert auch etwas mit denen. Es gibt auch andere, aber insgesamt zu wenige. Wahrscheinlich gibt es mehr gute Schauspieler als gute Drehbücher. Wenn Drehbücher da so innerhalb von ein paar Wochen runtergeschrieben werden, nur weil Leute schnell Kasse machen wollen. Man kann es ihnen manchmal auch gar nicht verübeln, wenn sie sich nicht so einlassen würden auf den ganzen Schrott... Klar, es ist nicht leicht, irgendwelchen Angeboten zu widerstehen, wenn man ein junger Autor ist und es sagt jemand, schreib ein paar Folgen für meine Serie. Dann haut er das in ein paar Tagen runter und hat viel Geld verdient. Gut, ich kann denen das nicht übelnehmen, aber man muß sich nicht wundern, daß nichts Gescheites herauskommt. Das liegt am System und hat auch mit dem ganzen Fernsehmarkt zu tun, der sehr stark geworden ist. Da gibt es einen irrsinnigen Bedarf und da muß alles ganz schnell gehen.

Prisma: Das ist das deutsche Komödienwunder. Aber klappt das denn nicht doch zuweilen?
Dietl: Was bei uns in letzter Zeit als Komödien bezeichnet wurde, ist doch läppisch. Da dient doch vieles nur einfach dem Ablachen. Das ist eine Diffamierung einer ganzen Kunstgattung wie man sie schon in den 50er und 60er Jahren betrieben hatte. Wir haben keine Kultur und die, die Politik machen, sind an Kultur nicht interessiert. Uns fehlen gesellschaftliche und künstlerische Utopien.

Prisma: Und da werden dann gute Schauspieler wie der Król im Fernsehen eingesetzt und irgendwie verheizt...
Dietl: Logisch, und das ist ja auch etwas, was ich häufig mit der Vroni (Veronika Ferres) diskutiere, die ja auch ihre Zeit gebraucht hat, bis sie da Fuß gefaßt hat und das ist halt jetzt sehr wichtig, daß sie da keinen Fehler macht und das richtige tut. Dazu gehört, auf vieles zu verzichten, weil die richtigen Dinge rar sind. Aber wie will man vom Schauspieler, der ja spielen will, verlangen, daß er darauf verzichten soll. Er will unbedingt spielen, dann redet er sich ein, daß es vielleicht doch ganz gut ist, vielleicht kann ja noch was draus werden. - und dann wird eben nichts daraus. Aus einem schlechten Buch und schlechten Bedingungen kann nichts werden.

Prisma: Manchmal gibt es in Ansätzen ganz gute Ideen, vielleicht wäre das besser, wenn so ein Team da wäre, wie früher bei den Italienern...
Dietl: Freilich, das stimmt schon, aber nur auf längere Sicht. Ich habe jetzt mit meiner Produktionsfirma eine Vereinbarung mit zwei Sendern abgeschlossen - einer ist der WDR - um gute Leute heranzuziehen. Da sollen junge und etablierte Talente produziert werden. Das ist sehr schwierig. Und ich erzähle denen jeden Tag, daß sie sich Zeit nehmen sollen und noch einmal Zeit. Aber: Wer ist wirklich dazu bereit? Da heißt es ja auch verzichten und eben auch verzichten auf das große Geld. Also nehmen wir mal an, ich schreibe eine Sache pro Jahr, das reicht nicht, denn soviel Geld gibt es nicht dafür. Wenn Sie heute in der Lage sind, in ein bestimmtes Fernsehprojekt ein paar hunderttausend Mark zu investieren, wer soll da noch ein Drehbuch gut bezahlen? Das müßte man aber.

Prisma: Da sind wir schon beim nächsten Thema, bei der Frage: Macht man jetzt Filme für den eigenen Markt oder spekuliert man auf den europäischen oder gar internationelen Markt?
Dietl: Die Frage, für welchen Markt man das macht, sollte nie am Anfang stehen, sondern: Was macht man für einen Film. Dann kann man sich eventuell noch überlegen, ob das auf einem anderen Markt vielleicht noch eine Chance hat. Das Zuschneiden auf irgendwelche Märkte können wir hier gar nicht. Das können die Amis, bei uns geht das nicht. Wenn ich jetzt hergehe und das alles in Englisch drehe, damit das schon mal anders aussieht, das ist alles Unfug. Wenn man hier lebt und hier arbeitet, dann macht man seine Sachen für hier. Und wenn das aus irgendeinem Grund interessanter oder gut genug ist, oder man glaubt, daß das über die Grenzen hinaus von Belang ist, wie schön, sehr gut. Wir haben einen Markt, der reicht erstmal aus und wenn was dazukommt, ist es schön. Eine andere Frage ist, wie geht man bei uns mit den Schauspielern um. Haben die eine Chance, wirklich aufgebaut zu werden wie in Frankreich oder den USA?

Helmut Dietl ist am 30. März 2015 im Alter von 70 Jahren in seiner Münchener Wohnung und im Beisein seiner Familie verstorben.


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