Leander Haußmann

Leander Haußmann
Geboren: 26.06.1959 in Quedlinburg, Deutschland
Sternzeichen: Krebs

Leander Haußmann, Sohn des Schauspielers Ezard Haußmann, verließ 1976 mit einem nicht gerade berauschenden Zeugnis die Schule und beschloss Drucker zu werden. An der Berufsschule "Rudi Arndt" im damaligen Ost-Berlin lernte er Leute kennen, die - wie er - gern lasen und deshalb eben Drucker und nicht Maurer wurden. Sie schlossen sich zu einer Gruppe zusammen und nannten sich "Die Durchmacher". 25 Jahre später machte sich der Filmemacher und Theaterregisseur Haußmann auf die Suche nach den einstigen Freunden, nach den Schauplätzen von damals und den gemeinsamen Erinnerungen. Er dokumentierte das in seinem Film "Denk ich an Deutschland - Die Durchmacher" (2001).

Nach seiner Drucker-Ausbildung und diversen Jobs als Lagerverwalter und technischer Zeichner studierte Haußmann ab 1982 an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Es folgten Engagements in Gera, Parchim und Weimar, wo Leander Haußmann auch als Regisseur arbeitete. 1991 kürte ihn das Branchenblatt "Theater heute" zum besten Nachwuchsregisseur des Landes. Seinerzeit befragte er für die TV-Arbeit "Das 7. Jahr" die Bewohner der Berliner Sonnenallee, einer Straße, die durch die Mauer jahrzehntelang in zwei Hälften geteilt war, nach ihren Ansichten zur Lage der Nation. Seine "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" nach Friedrich Schiller inszenierte Haußmann 1991 mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar auch fürs Fernsehen. Später arbeitete Haußmann an den großen Bühnen von Frankfurt, München und Berlin. 1993 wurde er mit den Inszenierungen "Romeo und Julia" (die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde) und "Ein Sommernachtstraum" zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Mit Beginn der Spielzeit 1995/1996 übernahm Leander Haußmann die Intendanz des Bochumer Schauspielhauses, die er bis einschließlich 2000 inne hatte. Mit ihm kamen als Hausregisseure und Leitungsmitglieder Jürgen Kruse und Dimiter Gotscheff nach Bochum. Mit einem Ensemble aus Ost und West (u.a. Traute Hoess, Margit Carstensen, Steffi Kühnert, Anne Tismer, Wolfram Koch, Jürgen Rohe, Matthias Leja, Peter Jordan, Torsten Ranft, Ralf Dittrich) realisierte das Regie-Trio ein Theater, das von starken Regiestilen geprägt war und konsequent die Öffnung des Theaters durch Thementage und Diskussionen, Filmpremieren und Parties betrieb.

Vielen war der neue Intendant mit Mitte dreißig zu jung, zu unerfahren, galt als zu verspielt und leichtsinnig, um das verantwortungsvolle Amt eines Claus Peymann oder Peter Zadek zu übernehmen. Haußmann sah seine Aufgabe in erster Linie darin, das Theater aus seiner Kultur-Nische herauszuholen. Theater sollte Freiraum zur Identifikation geben, Ideen und Möglichkeiten aufzeigen, phantasievoll und nur sich selbst verpflichtet sein - und vor allem Spaß machen und unterhaltend sein. Eigenverantwortung des Theaters bedeutete für Haußmann, der sich vor allem als Identifikations- und Integrationsfigur betrachtete, die eigene Kreativität mit Freude am Theater einzusetzen - ohne sich vor der Kritik der Medien oder des Publikums zu ängstigen.

Zum umjubelten und kontrovers diskutierten Auftakt brachte Haußmann eine neunstündige Inszenierung von Cechovs "Die Vaterlosen" (in zwei Teilen) heraus. Als Regisseur feierte Haußmann u. a. mit der Uraufführung von Heiner Müllers letztem Werk "Germania 3 Gespenster am Toten Mann", Büchners "Dantons Tod" und "John Gabriel Borkman" von Henrik Ibsen (eingeladen zum Berliner Theatertreffen) Erfolge. Der Arbeit mit den Schülern der Westfälischen Schauspielschule Bochum maß er große Bedeutung bei; Haußmann inszenierte selbst dreimal mit den Studenten.

Haußmann war ein ungewöhnlicher Intendant, so schrieb er etwa zum Antritt seines Postens kein Vorwort, sondern nur "Viel Spaß" in das erste Programmheft. Er stellte sich einen Flipper in sein Büro auf, prügelte sich auch schon mal mit seinem Hausregisseur Jürgen Kruse und beschimpfte Kritiker als Weichlinge und die deutschen Theatermacher als Idioten. Detlev Buck ist es zu verdanken, dass Deuschlands jüngster Theaterintendant zeitgleich anfing, Filme mit seiner Präsenz zu veredeln, so geschehen in Bucks Kurzfilm "Der Elefant vergisst nie" (1994) sowie in dessen hervorragender Komödie"Männerpension" (1995), in der Haußmann den Gefängnisdirektor verkörperte. Ein Verräter war er dagegen in Bernd Michael Lades TV-Film "Rache" (1996). Nach einer Rolle in Christoph Schlingensiefs durchgeknallter Fassbinder-Hommage "Die 120 Tage von Bottrop" (1997) sah man ihn mit seinem Vater Ezard sah man ihn in Dagmar Hirtz Beziehungsfilm "Die Konkurrentin" (1997), bevor er 1998 für Ulli Baumanns Komödie "Die Friseuse und der Millionär" mit Eva Habermann vor der Kamera stand. Ebenfalls 1998 gehörte Leander Haußmann zur Starriege von Til Schweigers Regiedebüt "Der Eisbär", der allerdings in den Kinos floppte. Einen kleinen Auftritt hatte er 2012 auch in der Literaturverfilmung "Die Vermessung der Welt".

Nachdem Leander Haußmann 1998 für Detlev Buck in "Liebe Deine Nächste!" erneut vor der Kamera stand, gab er ein Jahr später mit der gefeierten Ostzonen-Komödie "Sonnenallee" sein Regiedebüt im Kino, für das er 2000 den Deutschen Filmpreis erhielt. Danach sah man ihn in der Komödie "Soloalbum" (2003) und ebenfalls 2003 drehte er seine Adaption des Sven Regeners-Roman "Herr Lehmann" fürs Kino. Eine kleine Nebenrolle spielte er auch in der ausgezeichneten Tragikomödie "Eierdiebe" (2003). 2005 setzte er schließlich Schillers "Kabale und Liebe" fürs Fernsehen in Szene und drehte die gelungene Komödie "NVA". 2007 entstand mit "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" eine weitere Komödie, mit wenig Espirit drehte Haußmann allerdings das Genrewerk "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" (2008). Im Jahr darauf folgte mit "Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!" eine weitere, lediglich durchschnittliche Komödie, und auch die Tragikomödie "Hotel Lux" (2011) konnte nicht überzeugen. Nicht besser ist die Komödie "Hai-Alarm am Müggelsee", "Polizeiruf 110 - Kinderparadies" (beide 2013).


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