Moritz Bleibtreu

Längst eine fester Größe im deutschen Film- und Fernsehgeschäft: Moritz Bleibtreu Vergrößern
Längst eine fester Größe im deutschen Film- und Fernsehgeschäft: Moritz Bleibtreu
Fotoquelle: LaCameraChiara/shutterstock.com
Moritz Bleibtreu
Geboren: 13.08.1971 in München, Deutschland
Sternzeichen: Löwe

Mit der Darstellung tumber Figuren machte Moritz Bleibtreu Furore. Es mache ihm nichts aus, sagt er, blöde Typen zu spielen, doch das habe den Nachteil, dass bestimmte Leute Rolle und Darsteller nicht mehr auseinander halten können. So war Bleibtreu recht froh, als Detlev Buck ihn in "Liebe Deine Nächste!" (1998) gegen den Typ besetzte, als hochintelligenten, aber gewissenlosen, quasi teuflischen Unternehmenssanierer.

Moritz Bleibtreu ist der Sohn des Schauspielerehepaars Hans Brenner und Monica Bleibtreu. Sein Vater verließ die Familie, als Moritz gerade einmal zwei Jahre alt war. Diese an sich unerfreuliche Tatsache war allerdings auch ein Grund dafür, dass der Junge schon früh Selbständigkeit beweisen musste. In der elften Klasse brach er die Schule ab und ging für ein Jahr als Au-pair-Junge nach Frankreich. Mit 19 zog er für dieselbe Zeitspanne nach New York, wo er sich in eine Italienerin verliebte, der er nach Rom und Venedig folgte. Er besuchte Schauspielschulen in New York, Paris und Rom.

Mit 21 gab Moritz Bleibtreu seinen Einstand auf deutschen Bühnen. Er spielte unter anderem am Hamburger Schauspielhaus in "Romeo und Julia". Am Thalia Theater spielte er unter der Regie von Jürgen Flimm in "Richard III." Seit 1993 ist Moritz Bleibtreu häufig gesehener Gast im Kino und auf dem TV-Bildschirm - er war als Kind schon in der Kinderserie "Neues aus Uhlenbusch" und in dem "Uhlenbusch"-Kinofilm "Ich hatte einen Traum" (1980) zu sehen. Dabei arbeitete er mit zahlreichen bekannten deutschen Regisseuren zusammen. Zu seinen ersten Filmen zählten "Schulz und Schulz" (TV, 1993) von Nico Hofmann und - erstmals unter der Regie von Rainer Kaufmann - in "Unschuldsengel" (TV, 1994). Danach besetzte ihn Bernd Schadewald in "Kinder des Satans" (TV, 1995) und Peter Timm in "Einfach nur Liebe" (1995).

Rainer Kaufmann war es, der Moritz Bleibtreu - wenn auch nur durch eine Nebenrolle - zu einem ersten großen Kinoerfolg verhalf. In dem Katja-Riemann-Vehikel "Stadtgespräch" (1995) spielte er den herzlich blöden Liebhaber von Kai Wiesinger. Nach weiteren TV-Rollen in "Die Gang" (1996, Regie: Hajo Gies), "Das erste Mal" (1996, Regie: Conny Walther) und "Wilhelmsburg" (1996, Regie: Wilhelm Glasner) kam Bleibtreus endgültiger Durchbruch - wieder "nur" in einer Nebenrolle - in dem Kinoerfolg "Knockin' On Heaven's Door" (1996) von Thomas Jahn.

Zwei todkranke Männer (Til Schweiger, Jan Josef Liefers) sind in einem geklauten Wagen auf dem Weg zum Meer. Da sie sich aber ausgerechnet ein Gangster-Auto mit haufenweise Geld im Kofferraum entschieden haben, werden sie von zwei Killern verfolgt. Diese haben glücklicherweise zusammen etwa den IQ einer Glühbirne, so dass von ihnen keine allzu große Bedrohung ausgeht. Moritz Bleibtreu spielte den besonders dämlichen Abdul, dessen Waffe eindeutig besser funktioniert als sein Gehirn. Seine Sprüche sind es, die dem Film einen Großteil seiner Lacher verschaffen. 1997 erhält Bleibtreu für diese Rolle den Lubitsch-Preis. Nach den TV-Arbeiten "Three Dollar Sun" (1997, Regie: Martin Enlen) und "Back in Trouble" (1997, Regie: Andy Bausch) hatte Bleibtreu 1998 zwei weitere markante Auftritte im Kino. Den ersten - besseren - hatte er an der Seite von Shooting Star Franka Potente in "Lola rennt" von Tom Tykwer.

Der doofe Manni (Bleibtreu) hat's echt vermasselt: 100000 Mark soll er an einen humorlosen Boss einer Autoschieberbande übergeben, und dann lässt er das Geld in der U-Bahn liegen. Verzweifelt ruft er seine Freundin Lola (Franka Potente) an, und die macht sich auf die Socken, um irgendwo die Summe aufzutreiben. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn es bleiben ihr ganze zwanzig Minuten. Dann will Manni, so kündigt er jedenfalls an, einen Supermarkt ausräumen. Lola rennt - der Titel ist Programm. Zu einem permanent pochenden Techno-Beat jagt Regisseur Tom Tykwer die zu allem entschlossene Rothaarige gleich dreimal durch die Handlung. Denn zweimal geht die große Geldbeschaffungsaktion gründlich schief. Einmal stirbt Manni, einmal Lola; aber das Glück ist mit den Tüchtigen, und so erhalten sie eine dritte Chance. Denn "Lola rennt" ist ein Spiel mit dem Zufall. Welche Auswirkung kann eine Zehntelsekunde in solch einer Extremsituation haben? Und da begegnet man plötzlich Tugenden, die im deutschen Film schon tot und begraben schienen: Der Film erzählt in weniger als anderthalb Stunden eine spannende, sauber konstruierte Geschichte (und das gleich dreimal), glänzt mit trockenen Humor und guten Darstellern.

Unter der Regie von Detlev Buck sah man Moritz Bleibtreu in "Liebe Deine Nächste!" (1998) einmal nicht als Idiot. Zwei "Soldatinnen Gottes" (so lautete auch der Arbeitstitel), gespielt von Heike Makatsch und Lea Mornar, kommt in die böse Großstadt Berlin, wo sie ein Obdachlosenasyl auf Vordermann bringen sollen. Dass ihnen der menschliche Nachschub nicht ausgeht, dafür sorgt Moritz Bleibtreu, der Betriebe saniert, indem er die Hälfte der Belegschaft feuert. Mit diesem Teufel lassen sich die beiden Engel ein, um für ihr Asyl das Beste herauszuholen. An den Darstellern - Bleibtreu spielt den Leibhaftigen mit überzeugender Kaltschnäuzigkeit - liegt es nicht, dass der Film insgesamt völlig verkorkst ist. Mit seiner religiösen Parabel hat sich Buck thematisch einfach übernommen, außerdem findet er nirgends zu einem geschlossenen Stil. Das Angebot, eine weitere Arbeit für den zuletzt arg enttäuschenden "Knockin'"-Regisseur Thomas Jahn ("Kai Rabe gegen die Vatikan-Killer", 1998) zu spielen, schlug Bleibtreu in weiser Voraussicht aus, um sich den Luxus zu gönnen, einen Film in Tadschikistan zu drehen. Unter dem preisgekrönten Regisseur Bakhtiyar Chudojnasarow (auch Khudojnazarov geschrieben) stand er 1998 für "Luna Papa" ebenso vor der Kamera wie für die deutsche TV-Produktion "Das Gelbe vom Ei" (Regie: Lars Becker).

Erst Ende 2000 startete "Fandango - Members Only" von Matthias Glasner in den Kinos, obwohl das Drama, in dem Bleibtreu an der Seite von Nicolette Krebitz und Richy Müller spielte, schon 1998 abgedreht war. Bereits 1999 stand Bleibtreu in "Invisible Circus" neben Cameron Diaz vor der Kamera, 2000 folgten Fatih Akins "Im Juli" und Christian Züberts "Lammbock", 2001 Oliver Hirschbiegels Kinodebüt"Das Experiment" und István Szabós "Taking Sides - Der Fall Furtwängler". 2002 stand Bleibtreu als Italiener in "Solino" vor der Kamera.

Weitere Filme mit Moritz Bleibtreu: "Kabel und Liebe", "Der kalte Finger" (beide 1995), "Alibi für einen Engel", "Die einzige Chance", "Kind zu vermieten" (alle 1997), "Germanikus" (2003), "Agnes und seine Brüder", "Vom Suchen und Finden der Liebe" und "Der Fakir", "Basta. Rotwein oder Totsein" (alle 2004), "München" (2005), "Der steinerne Kreis", "Elementarteilchen" (beide 2006, Silberner Bär als bester Darsteller auf der Berlinale 2006), "Free Rainer - Dein Fernseher lügt", "Das Haus der Lerchen", "Ein Freund gewisser Damen - The Walker" (alle 2007), "Chiko", "Speed Racer", "Der Baader Meinhof Komplex", "Female Agents - Geheimkommando Phoenix", "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected", "Lippels Traum" (alle 2008), "Soul Kitchen", "Zeiten ändern dich" (beide 2009), "Jerry Cotton", "Jud Süß - Film ohne Gewissen", "Goethe!", "Rapunzel - Neu verföhnt" (Stimme), "Engel des Bösen - Die Geschichte eines Staatsfeindes", "Gegengerade" (alle 2010), "Mein bester Feind", "360" (beide 2011), "Schutzengel", "Quellen des Lebens" (beide 2012), "Vijay und ich - Meine Frau geht fremd mit mir", "Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt", "Nicht mein Tag", "Die schwarzen Brüder" (alle 2013), "Stereo", "The Cut" (beide 2014), "Die Frau in Gold", "Rico, Oskar und das Herzgebreche", "Die dunkle Seite des Mondes" (alle 2015).


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