Eigentlich wollte Moritz Bleibtreu nur fürs Kino arbeiten. Um das Fernsehen machte er 17 Jahre lang einen großen Bogen. Gepackt vom Stoff schmiss er für die Verfilmung von "Schuld" seine Entscheidung um.

Warum lohnt sich bei "Schuld nach Ferdinand von Schirach" das Einschalten?

Vor allem, weil es Geschichten sind, die das Leben geschrieben hat. Das echte Leben schreibt die besten Drehbücher. Sie sind an der Grenze dessen, was man sich ausdenken kann. Was ist richtig, was ist falsch? Es geht immer um existentielle Fragen, die einen ganz eigenen, unglaublichen Sog entwickeln. Im Zentrum steht zudem kein Ermittler, der einen Täter jagt, sondern ein junger Jurist, der Anwalt Friedrich Kronberg, der die Untaten seiner Mandanten vor Gericht auf ein Mindeststrafmaß zu schrumpfen versucht.

Sich am Freitagabend zurücklehnen funktioniert bei "Schuld" eher nicht ...

Die Trennschärfe zwischen Recht und Unrecht wird bei "Schuld" außer Kraft gesetzt. Erzählt wird eben nicht aus der Opferperspektive, sondern aus der des vermeintlich Schuldigen. Die Geschichten versuchen zum Kern der Schuld, die immer eine sehr individuelle Frage ist, vorzudringen. "Schuld" moralisiert nicht, vielmehr werden die Zuschauer direkt in die Beurteilung der moralischen Fragen miteinbezogen.

Was eint die Mandanten von Friedrich Kronberg? Sie haben alle weder Liebe noch Vertrauen mitbekommen.

Es ist nicht immer die viel zitierte schlimme Kindheit der Angeklagten. Eine verkorkste Seele kann man nicht riechen. Viele Taten haben mit Affekt zu tun. Das hat man vorher nicht auf dem Zettel.

Wo kommt der schlechte Ruf des Anwalts her?

Weil Recht und Gerechtigkeit zwei verschiedene Dinge sind und es auch hier Gewinner und Verlierer gibt. Man kann aber den Beruf des Anwalts gar nicht hoch genug schätzen. Als Anwalt darf ich nicht moralisch kommen. Ich persönlich könnte das gar nicht, bin da viel zu emotional gesteuert. Ich wäre von den persönlichen Schicksalen und Geschichten vor Gericht viel zu sehr betroffen.

Nach den neuen vier Folgen ist Schluss mit "Schuld" – warum?

Wir haben die wichtigsten Geschichten für dieses Format gedreht. Das fühlt sich mit den nächsten, letzten vier Folgen absolut rund an. Das Ende ist sehr besonders und auch wirklich das Ende – eben nicht mehr reversibel. Reflexion geht doch nur, wenn eine Serie auch ein Ende hat.