In der starbesetzten Komödie steht die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt. Im Kino war der Film ein enormer Erfolg. SAT.1 zeigt ihn nun als Free-TV-Premiere.

Der Deutsche ist "kompliziert", wie Diallo (Eric Kabongo) feststellt. Das so souveräne Torwartspiel von Manuel Neuer, das er von Nigeria aus im Fernsehen bewunderte, ist nicht stellvertretend für die deutsche Gesellschaft. Souverän scheint hier keiner zu sein. Ja, Neuankömmlinge aus anderen Kulturkreisen haben es schwer hier. Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven geht das Wagnis ein und versammelte eine Handvoll deutscher Stars, um den Wahnsinn der Flüchtlings-Thematik zu durchleuchten. Im Kino bereits ein Hit, ist die Komödie "Willkommen bei den Hartmanns" (2016) nun als Free-TV-Premiere bei SAT.1 zu sehen.

Beachtlich ist schon das große Star-Aufgebot: Verhoevens Mutter Senta Berger und Heiner Lauterbach spielen Angelika und Richard Hartmann – sie pensionierte Lehrerin mit Helfersyndrom, er nicht zu pensionierender Chirurg. Florian David Fitz spielt ihren erfolgreichen Wirtschafts-Anwalts-Sohn Philip, Palina Rojinski Dauerstudenten-Tochter Sophie. Elyas M'Barek ist als charmanter Prinz im Assistenzartztkittel dabei, Uwe Ochsenknecht füllt die Nebenrolle eines völlig "chillaxenden" Schönheitschirurgen-Klischees aus. München wird in liebevollen Bildern zu einem weiteren Star auserkoren.

Im Bett der Eltern herrscht Flaute, die Tochter fürchtet sich vor dem Psychologie-Examen, der Sohn ist geplagt von Scheidungs- und Karrierestress – die Hartmanns haben Probleme. Denken sie. Und dann zieht Diallo bei ihnen ein, der vor der Terrorgruppe Boko Haram geflüchtet ist. So lässt Simon Verhoeven zwei Welten aufeinanderprallen in einer Komödie, die sich der Flüchtlingskrise ebenso klug wie unterhaltsam widmet.

Klar, München ist nicht Bautzen, Tröglitz oder Clausnitz. Die Realitäten in Deutschland sind für Flüchtlinge wie für Bundesbürger unterschiedlich. So kann "Willkommen bei den Hartmanns" nur einen Ausschnitt liefern, allerdings einen sehr sehenswerten Ausschnitt. Wenngleich Verhoeven zwischenzeitlich vom Ziel abkommt, da er der Stardichte Tribut zu zollen hat. Trotz aller Wirrungen verfällt die gewagte Komödie aber nicht in alberne Hektik, Klamauk bleibt die Ausnahme. Und sie erlaubt sich, nicht alles zu ernst zu nehmen. Zumindest im Film geht das noch.

Im Kino war der Film ein enormer Erfolg: Rund 3,8 Millionen Zuschauer strömten landesweit in die Lichtspielhäuser und machten die Komödie so zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres 2016. Unter anderem gehörten zwei Bayerische Filmpreise, die Goldene Leinwand, der Friedenspreis des Deutschen Films und der Deutsche Filmpreis zu den Auszeichnungen, mit denen der Film im Anschluss prämiert wurde. In den Medien wurde Verhoevens Werk zudem kontrovers diskutiert: Manche störten sich an der Feel-Good-Thematik und kritisierten den Film als leidlich unterhaltsame und klischeebehaftete Nummernrevue. Andere betrachteten das Werk hingegen als dringend benötigten und äußerst humorvollen Kommentar auf die gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation: Ein schweres Thema, das leichtfüßig erzählt wird und damit das Publikum zur Selbstreflexion anregt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst