Bitterkalter Winter in Hessen, einem Bauer soll sogar der Diesel im Traktor gefroren sein. Das ist nicht die einzige komödiantische Passage in diesem Tatort, der von Anbeginn an nicht das ist, was sich Tatort-Fans erhoffen: ein guter Krimi.

Dafür sorgt zuallererst Biggi, die ehemalige Jugendschützenkönigin der 80er Jahre, die schon bei ihrer Hochzeit mit Hajo 1993 jeden bunten Luftballon präzise abschoss – einen nach dem anderen.

Doch der Reihe nach: Die Kommissare Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) wundern sich, weshalb der tote Wachmann Jürgen Röhrig so gekonnt getötet wurde: ein gezielter Schuss mitten in die Stirn, keine Schmauchspuren, keine Spur von der Tatwaffe. Laut Brix ein Sonntagsschuss. Einen Präzisionsschuss nennt es die KTU später in ihrem Bericht. Das könne nicht jeder. Eigentlich erst recht nicht im Umfeld des Toten. Dort läuft längst nicht alles rund.

Zum Beispiel bei der Lohmann Solar GmbH. Hans-Jochen "Hajo" Lohmann (Peter Trabner) und seine Frau Birgit ("Biggi", Katharina Marie Schubert) haben den Laden nicht im Griff, sie stehen kurz vor der Pleite. Ihre introvertierten Mitarbeiter haben den fachlichen Blick, nicht aber den Sinn und die Weite für Entwicklungen. Manch einer beschäftigt sich in seiner Freizeit lieber mit fünfstündigen Flugsimulationsübungen an der Spielekonsole. Und Biggi serviert ihrem Hajo immer dann den köstlichen Falschen Hasen, wenn es ihm schlecht geht – ziemlich oft in letzter Zeit.

Regisseurin Emily Atef, die auch das Drehbuch gemeinsam mit Lars Hubrich schrieb, treibt es schließlich derart gekonnt komödiantisch auf die Spitze, dass selbst im Kommissariat Falscher Hase aufgetischt wird ("Oh, ist der saftig!"). Von Biggi halt, der ehemaligen Jugendschützenkönigin.