Charles Manson gilt als einer der berüchtigsten Verbrecher in der Geschichte der USA. Die ARTE-Doku versucht, Mansons Weg vom angehenden Musiker zum Mörder zu rekapitulieren.

Manche Filme, insbesondere Dokumentationen, haben dann doch keinen anderen Grund als ein besonderes Datum. In diesem Fall, bei "Charles Manson: Der Dämon von Hollywood" ist es die 50. Wiederkehr des schrecklichen Mordes an der Schauspielerin Sharon Tate, der Ehefrau Roman Polanskis, und weiterer vier Personen in ihrem Haus in Beverly Hills in der Nacht vom 08. auf den 09. August 1969. Vor kurzem kam auch Tarantinos Spielfilm "Once Upon a Time in Hollywood" heraus, der ursprünglich gar am Jahrestag weiterer Morde, dem 09. August, seine US-Premiere haben sollte. Allerdings ist der Anlass gewaltig genug. Die Morde, als deren Verursacher Monate später der Titel-"Dämon" Charles Manson entlarvt wurde, können durchaus als schrecklicher Schlussakkord gelten, der die Freiheitshoffnungen und sozialen Utopien im "Summer Of Love" des Jahres 1969 abrupt beendete.

Die Kompilations-Doku "Der Dämon von Hollywood" (USA, 2019, ARTE-Erstausstrahlung) zeigt Charles Manson, den Anführer einer überwiegend weiblichen Sekte unter einem weitgehend neuen Aspekt. Wer wusste schon, dass es Mansons Lebenstraum war, ein erfolgreicher Musiker und Songschreiber zu werden. Schenkt man den zahlreichen Zeitzeugen, die im Film auftreten Glauben, dann war Manson tatsächlich auf dem Weg dorthin. Jedenfalls wiegten ihn wichtige Produzenten in L.A. In diesem Glauben. Gleich zu Beginn des Films hört man Manson mit einer selbstbewussten Empfehlung an die Goldstar Studios: "Ich sage euch, ich habe ein paar hundert Songs geschrieben. Hier ist einer davon als Beispiel. Vielleicht könnt ihr ja damit ein wenig Geld verdienen."

Später, nach einer Probe-Produktion im Studio auf Dennis Wilsons Empfehlung hin, der von Mansons charismatischer Ausstrahlung äußerst fasziniert war, wurden ihm dann doch Steine in den Weg gelegt. Manson spielte da unentwegt, in Begleitung von fünf seiner Mädchen, mit einem 15 Zentimeter langen Messer und putzte sich damit die Fingernägel. Erst auf Anweisung des Toningenieurs, so erinnert der sich heute glaubhaft, brachte eines der Mädchen das Messer aus dem Haus. "Er folgt keinen Anweisungen, aber seine Songs sind ziemlich gut", so die Botschaft des Tonmeisters, die er an die Plattenfirma weitergab.

Wenn Mansons Plattenträume erfolgreich gewesen wären, dann wäre er vielleicht nicht zum Initiator eines Massenmordes geworden, das suggeriert der Film. Nachzuweisen ist das nicht und müßig obendrein. Immerhin wird von Zeugen wie dem zeitweiligen Mentor und Partner als Songwriter, Dennis Wilson, vom frühen Mitglied der Manson-Family Diane Lake und eben Stephen Desper, dem Toningenieur der Beach Boys, aber auch von Jounalisten und Biografen wie dem Rolling-Stone-Reporter David Felton Mansons Weg vom Blumenkinder-San Francisco des Jahres 1967 zum teuflischen Mörder glaubhaft beschrieben und interpretiert. Allerdings geht die Rechnung, die schrecklichen Taten seien "nie sein Ziel" gewesen, denn "eigentlich ging es ihm um Musik", etwas zu überdeutlich auf.

Im Film selbst kommt dann doch zum Vorschein, dass die Ursachen für die Tat in einem Gebräu aus hausgemachter Ideologie und wahnhaften Ängsten, zumal vor einer durch Schwarze verursachten Apokalypse, zu finden sind. Die Guru-Tricks sind dabei immer die gleichen: Man nehme isolierte, zurückgesetzte Menschen und isoliere sie einmal mehr. So geschehen bei Manson zuletzt im Death Valley, in der kalifornischen Wüste, auf einer Ranch, die ein alter Mann zur Verfügung stellte und die einst Westernkino-Schauplatz war.

Als das Geld für Nahrung, Drogen und Fahrzeuge ausging, kam es zu einem ersten Mord. Manson ließ weitere folgen, um von sich und seiner Farm abzulenken. Die Schwarzen und ihre Black-Panther-Revolution sollten es vor der Öffentlichkeit gewesen sein. – Im Film (Regie: Tom O'Dell) wird viel frontal geredet, es fehlte offensichtlich an überzeugendem Bildmaterial – wohl nicht nur aus Pietät. So bleiben einmal mehr die stechenden Augen des Teufels Manson im Gedächtnis haften, die alles andere zur Seite drängen. Und ein wunderbares Schwarzweiß-Foto, das Sharon Tate und Roman Polanski bei ihrer Hochzeit zeigt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst