"Wer wird Millionär?" – 14 Frauen und Männer wurden es bereits. Jetzt feiert Deutschlands erfolgreichste Quizsendung 20. Geburtstag. Am 2. September strahlt RTL das große Jubiläums-Special aus. Wir haben Moderator Günther Jauch im Fernsehstudio besucht – und ihm auch die Millionenfrage gestellt.

Das Studio ist leer – und doch fühle ich mich mittendrin bei "Wer wird Millionär?", fast so, als wäre ich Gast in der Sendung selbst: das besondere Licht, diese Stühle, die beiden Monitore. Und natürlich Günther Jauch. Dann sitzen wir uns auch schon gegenüber. Zugegeben, ein wenig wünsche ich mir in diesem Moment die Jauch’sche Souveränität. Mir reicht der Monitor nicht – ich brauche meinen Zettel. Und lese die 50-Euro-Frage ab:

Welcher Wein wird an der Saar überwiegend angebaut? A: Reiswein, B: Raki, C: Honigwein oder D: Riesling?

Günther Jauch: Das ist doch klar: der Riesling!

Gut, das war auch wirklich nicht schwer. Vor allem nicht für Sie, da Sie doch an der Saar ein Weingut besitzen. "Wer wird Millionär?" hat eine große Erfolgsgeschichte. Sie sind von Anfang an der Moderator. Gab es diesen einen Moment, in dem Sie realisiert haben: Das mache ich hier schon verdammt lange – und ich mache das immer noch weiter?

So richtig nicht. Klar kommt einem die Zeit sehr lange vor, aber Sie müssen sich vorstellen, was in dieser Zeit alles passiert ist. Wie viele Kandidaten hier waren, wie viele unterschiedliche Charaktere, wie viele Schicksale sich hier im Studio abgespielt haben. Bei mir ist ja quasi Gottes großer Zoo zu Gast. Ich fühle mich hier sehr wohl, mir macht das immer noch richtig Spaß.

Oh ja, so viele Charaktere. Da war sicherlich nicht immer nur Sympathie für die jeweiligen Kandidaten dabei. Was verstecken Sie in solchen Momenten hinter Ihrem so bekannten Pokerface?

Ich versuche, mich in den 15 bis 20 Minuten, die die Kandidaten mir gegenübersitzen, in sie hineinzuversetzen und sie zu verstehen. Ich frage mich dann selbst: Was ist das für ein Typ? Was denkt der gerade? Was hat der wohl für Hobbys? Ich versuche meistens, mir ein genaues Bild von meinen Kandidaten zu machen. Und da sprechen wir mit dem Team auch nach den Shows oft drüber. Manchmal denke ich sogar: Mensch, der ist aber blöd. Die Antwort muss er doch jetzt wissen!

Haben Sie da einen konkreten Moment vor Augen?

Da gibt es so viele. Zum Beispiel wenn wir hier einen studierten Finanzexperten sitzen haben, der ja eine top Ausbildung hat. Dann fragen wir ihn zum Thema Aktienkurse – und er kann die einfachste Frage nicht beantworten und scheidet aus. Da wundere ich mich schon.

Trauen Sie sich selbst zu, sich einmal bis zur Millionenfrage durchzuraten?

Ich rate ja auch mit. Jetzt habe ich schon so viele Sendungen hinter mir, da war ich schon manchmal der Meinung, dass ich es an dem einen oder anderen Tag bis zum Ende geschafft hätte. Man kann sich aber auch täuschen. Wie unser ehemaliger Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der sprach mich einmal an und behauptete, er würde bei mir die Million gewinnen können.

Hätten Sie ihm das nicht zugetraut?

Ich habe ihm damals geantwortet: Das glaube ich nicht. Denn wenn ich Sie für 2000 Euro zu den Hauptdarstellern von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" befragen würde, würden Sie wahrscheinlich an dieser Frage scheitern. Da hat er sehr freundlich genickt und eingeräumt: Da haben Sie recht.

Sind Sie denn bei der Auswahl der Fragen auch beteiligt?

Nein, wir haben eine sehr gute Redaktion und ein tolles Team. Die machen das schon richtig gut und brauchen mich dafür nicht.

Aber mal ganz ehrlich: Es gab sicherlich schon Fragen, die Sie persönlich sehr blöd fanden?

Klar, solche waren auch schon dabei. Aber viel mehr diskutieren wir im Nachhinein darüber, welche Frage in welche Kategorie gehört: Ist das eher eine 500-Euro-Frage oder gehört sie in die Kategorie 2000 Euro?

Verlassen Sie sich voll auf Ihren Monitor, glauben Sie also alles, was dort steht?

Ja, ich halte mich komplett daran. Schauen Sie sich meinen Monitor gerne an! Da gibt es keine Geheimnisse. Da hat sich im Laufe der Jahre auch nicht viel geändert. Gut, es kam irgendwann einmal ein vierter Joker hinzu. Aber sonst ist das hier alles sehr überschaubar.

Welchen Tipp haben Sie denn für Ihre Kandidaten?

Eigentlich gibt es da keinen echten Tipp. Sie sollten versuchen, sie selbst zu sein.

So einfach ist das hier im Studio aber sicher nicht. Haben Sie nicht einen anderen Tipp für die Kandidaten? Zum Beispiel, hinter welchem Buchstaben meistens die richtige Antwort liegt?

(Lacht) Oh, das weiß ich gar nicht. Das müssten wir tatsächlich mal errechnen. Eine gute Idee! Aber bei den einfachen Fragen ganz am Anfang, da liegt die lustige und richtige Antwort vielleicht etwas öfter bei D.

Apropos Anfang. Was machen Sie in den letzten Minuten vor der Sendung?

Ich habe kein bestimmtes Ritual, so wie manche Fußballer zum Beispiel immer zuerst mit dem gleichen Fuß den Rasen betreten. Ich halte mich ganz normal in meiner Garderobe auf.  Ich bin auch nicht mehr aufgeregt, mir steht auch nicht mehr der Schweiß auf der Stirn, ich mache das ja schon ein paar Jahre. Hier im Studio haben wir eine sehr entspannte Atmosphäre. Die Kameras zum Beispiel stehen alle im Dunkeln. Schauen Sie sich gerne um, man kann sie kaum sehen. Ich sitze hier und konzentriere mich auf meinen Kandidaten. Also mich macht hier kaum noch etwas nervös.

Sie sprechen Ihre Garderobe an. So oft, wie Sie hier in den vergangenen 20 Jahren moderiert haben: Da haben Sie sich Ihre Garderobe sicherlich sehr wohnzimmerartig eingerichtet!

Nein, gar nicht. Was habe ich denn da drin? Da steht immer Wasser, zwei Flaschen Limo, eine Kanne Kaffee, ein Tisch und Stühle, ein Spiegel, alles ganz normal also. Da gibt es wirklich nichts Besonderes. Sie können gerne nachschauen!

Ganz klassisch: Ihr persönlicher Lieblingsmoment in der Sendung?

Da gibt es nicht diesen einen Moment, sondern schon einige mehr. Aber es ist doch immer wieder schön, wenn sich jemand so richtig von Herzen über seinen Gewinn freut. Oder dieser Moment hier: Als sich Hape Kerkeling als Horst Schlämmer bei einem Prominenten-Spezial einfach auf meinen Stuhl gesetzt hat und mir die Fragen stellte. So einen Moment vergesse ich sicher nicht.

Günther Jauch als Kandidat: Wer wäre denn Ihr persönlicher Telefonjoker?

Das kommt ja ganz auf das Thema an. Bei Kultur zum Beispiel bräuchte ich sicherlich einen guten Telefonjoker. Beim Sport, naja, da traue ich mir selbst auch etwas zu. Und ob ich Waldi Hartmann als Experten nehmen würde? Aber klar – ich nehme einfach das Gegenteil von dem, was er mir empfiehlt ... (Anm. d. Redaktion: Sportmoderator Waldemar Hartmann gab als Telefonjoker bei "Wer wird Millionär?" bereits zwei Mal einen falschen Tipp)

Sie haben bislang 85 Mal die Millionenfrage gestellt. Heute stelle ich Sie einmal Ihnen: In welchem Spiel fiel kein Tor? A: Real Madrid gegen Borussia Dortmund (1998), B: Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen (1971), C: Algerien gegen Togo (2013) oder D: Liverpool gegen Bayern München (2019)?

Also Sie meinen, dass kein Tor gefallen ist im Sinne von Umfallen?

Das steht da nicht.

Okay, zu A: Klar, das war der Torfall von Madrid, da fiel das Tor vor dem Spiel um – ich war ja dabei. B: Also das war der berühmte Pfostenbruch vom Bökelberg, als damals Herbert Laumen nach einer Flanke ins Tor gelaufen ist und daraufhin das Tor zusammengebrochen ist. Es waren ja Holzpfosten. C: Das Spiel kenne ich nicht. D: Na ja, in der heutigen Zeit bricht ja kein Tor mehr zusammen. Und ein Tor ist in Liverpool auch nicht gefallen. Also muss es D sein!

Kompliment, die Million wäre dann jetzt Ihre! Aber nochmal der Bezug zu Antwort A: Eigentlich waren Sie damals in Madrid der Telefonjoker von Marcel Reif!

(schmunzelt) Das stimmt nicht ganz, ich war ja im Stadion und stand als Moderator dort in einem kleinen Studio. Marcel Reif war Kommentator des Spiels und saß auf der Tribüne. Ihm wurde ich dann zugeschaltet. Man muss sich einmal vorstellen: Wir hatten für diese unglaublich verrückten 76 Minuten mit rund 13 Millionen Zuschauern eine viel höhere Einschaltquote als nachher das Spiel mit etwa 8 Millionen. Denn eigentlich hatten wir kein Programm, es hat sich alles irgendwie entwickelt, eins kam zum andern.

Und ein kultiger Satz folgte dem nächsten!

Ja, "das erste Tor ist schon gefallen" kam zum Beispiel von mir. Uns hat das Spaß gemacht! Wir denken da immer wieder gerne dran, aber damals hatten wir das Gefühl: Was soll das alles?